"Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja." Apostelgeschichte 8,27-28

 

Es ist beeindruckend, welche Strapazen dieser Mann aus Afrika auf sich genommen hatte, um in Jerusalem anzubeten. Sicherlich war es eine lange und beschwerliche Reise gewesen, standen ihm doch keine modernen Verkehrsmittel zur Verfügung. Es wird nichts darüber berichtet, was er in Jerusalem erlebt hatte. Er befand sich auf dem Rückweg, hatte aber das Ziel seiner Reise immer noch nicht erreicht. Er war einer, der Gott suchte. Er war gekommen, um anzubeten, und zog wieder heim.

 

Viele Jahre meines Lebens habe ich Ähnliches erlebt; ich ging sonntags zur Kirche, wohnte einem Gottesdienst bei, hörte einer Predigt zu, sang einige Lieder mit, sprach mit beim gemeinsamen Vaterunser und ging wieder nach Hause. Dem äußeren Anschein nach war ich Gott an jenem Ort sehr nahe, innerlich jedoch kam es zu keiner Begegnung mit ihm; er blieb mir fremd, und ich war weit von ihm entfernt. Zwar war ich in einem so genannten christlichen Land geboren und aufgewachsen, war getauft und konfirmiert, sogar einigermaßen vertraut gemacht mit der christlichen Glaubenslehre - aber Gott selbst kannte ich nicht.

Geht es nicht vielen von uns ebenso? Wenn wir an Gott denken, haben wir sogleich ein Kirchengebäude vor Augen, wir denken an eine Kanzel, an einen Priester oder Pfarrer, an eine Predigt, an Orgelmusik und weihevolle Stille. Wie oft sind wir voller Erwartung dorthin gegangen, mussten jedoch auf dem Heimweg feststellen, dass sich unsere Hoffnungen nicht erfüllt haben, dass unser Inneres unausgefüllt und unsere Fragen unbeantwortet geblieben waren.

 

Als Jesus eines Tages aus dem Tempel kam, machte ihn einer seiner Jünger auf die Schönheit des Bauwerkes aufmerksam: "Meister, siehe, was für Steine und was für Bauten!" Der Herr aber antwortete ihm: "Nicht ein Stein wird auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen wird." (Markus 13,1-2)

Wenn wir Gott finden wollen, sollten wir nicht bei Dingen stehen bleiben, die ihren Ursprung nur in der menschlichen Gedankenwelt und Vorstellungskraft haben. Ein schöner Baustil, herrliche Malereien, Orgelmusik und Chorgesang mögen uns beeindrucken und wohlgesetzte tröstende Worte, allerlei gut gemeinte Ratschläge uns zu Herzen gehen - was aber haben wir tatsächlich von Gott erkannt und gesehen, was von ihm empfangen und gewonnen? Allein das wird bleiben, alles andere wird vergehen und ist nicht der Rede wert. Mögen wir erkennen, was tatsächlich von Gott ist und was dagegen nur von Menschen stammt.

 

Der Kämmerer aus Äthiopien befand sich auf dem Heimweg. In Jerusalem war er Gott nicht näher gekommen. Doch er resignierte nicht, gab bei seiner Suche nicht auf, denn nun sehen wir ihn in den Schriften des Alten Testaments forschen und den Propheten Jesaja lesen.

Menschliche Philosophie und überkommene Traditionen können uns irreführen. Wenn wir den lebendigen Gott kennen lernen wollen, müssen wir ihn dort suchen, wo er sich uns offenbart, nämlich in seinem Wort.

 

Es ist unwahrscheinlich, dass in Jerusalem, inmitten des religiösen Getriebes, irgend jemand auf diesen Mann Afrika geachtet hatte. Einer jedoch hatte ihn auf seiner Reise keinen Moment aus den Augen gelassen. Die Schrift berichtet uns: "Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist. Und er stand auf und ging hin."

Wir sind bei unserer Suche nach Gott nicht allein gelassen. Es gibt einen, der jedes Aufmerken unseres Herzens registriert, denn Psalm 14,2 sagt: "Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage."

 

Als der königliche Finanzminister in seinem Wagen nahte, sprach der Geist zu Philippus: "Geh hin und halte dich zu diesem Wagen! Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen."

Ist es nicht sonderbar? Obwohl die Bibel so bekannt und weit verbreitet ist, bleibt sie dennoch für viele ein geheimnisvolles Buch, rätselhaft und verschlossen. So war es auch bei dem Kämmerer. Er las und verstand nicht, wovon hier die Rede war. Er gab sich Mühe und konnte doch keinen Zugang zu dem Geschriebenen finden. Philippus fragte ihn: "Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen."

Und dann lesen wir weiter: "Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53,7-8): »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.« Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem?"

Er fragte nicht: Wovon redet der Prophet oder worüber spricht er hier? Nein, er fragte nach einer Person: "Von wem redet der Prophet das?" Nachdem nun der Mann aus Äthiopien diese Frage gestellt hatte, lesen wir: "Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus."

Von eben diesem Jesus redet die ganze Bibel. Ihn möchte sie uns durch viele Bilder, Gleichnisse und Begebenheiten offenbaren. Er selbst ist gleichsam der Generalschlüssel für die ganze Schrift. In ihm lernen wir Gott kennen. Durch ihn können wir Gott finden und auch erfahren. Die Bibel sagt uns: "Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt." (Johannes 1,18)

Jesus Christus ist die wunderbarste und zugleich die geheimnisvollste Person in dieser Welt, einzigartig und unausforschlich, er ist Gott, geoffenbart im Fleisch. Wer ihn sieht, der sieht den Vater, wer ihn kennt, kennt den lebendigen Gott.

 

Gott hat es nicht uns überlassen, wie und auf welchem Wege wir ihn finden sollen. Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch ihn (Johannes 14,6). In ihm kam Gott selbst auf diese Erde; in ihm wurde er ein Mensch. In ihm sehen wir die Liebe des Vaters, seine Freundlichkeit und Barmherzigkeit. An ihm können wir alle Eigenschaften und Tugenden Gottes erkennen. Er ist sowohl der Heilige und Gerechte als auch die Auferstehung und das Leben. Doch Jesus kam nicht, um sich bewundern zu lassen - er kam als ein Lamm, um für uns zu sterben. Willig ließ er sich zur Schlachtbank führen, nahm er alle unsere Übertretungen, unsere Sünden, unsere Krankheiten und Schmerzen auf sich. Er ging an unserer Statt ins Gericht, wurde um unsertwillen von Gott getrennt, starb unseren Tod. Als unsere Schuld und Sünde auf ihn gelegt wurde, wandte sich Gott sogar von ihm ab. Dort hing er, für uns zum Fluch geworden, sich völlig mit uns identifizierend. In seinen Wunden sind wir geheilt (Jesaja 53,5). Sein vergossenes Blut ist unsere Versöhnung. Wer an ihn glaubt, der kommt nicht mehr in das Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen (Johannes 5,24).

Dies ist das Evangelium Gottes, die frohe Botschaft: Gott vergibt uns und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit, wenn wir an seinen Sohn Jesus Christus glauben. Aber nicht dies allein, er nimmt uns auch in Liebe auf und macht uns zu seinen eigenen Kindern, indem er uns sein ewiges Leben schenkt. In Christus ist alles Trennende hinweg getan. Sein Tod ist das Ende unserer Geschichte, einer Geschichte ohne Gott. Durch die Auferstehung Jesus aus den Toten wurde das göttliche Leben für uns Menschen frei verfügbar gemacht, damit wir es durch den Glauben an seinen Namen empfangen sollen. Das ist zu wunderbar! Aber eben dies ist die uns von Gott zugedachte Herrlichkeit: Sein eigenes einzigartiges Leben, welches in Ewigkeit nur in ihm wohnte, aber nun in vollkommener Weise zum Ausdruck gekommen ist in seinem Sohn Jesus Christus - dieses ewige, unzerstörbare Leben soll jetzt unser Leben sein.

Was bleibt uns hierbei noch zu tun? Die Bibel sagt: "Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet" und: "Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden" (Römer 10,9+13). So einfach macht es uns der Herr! Und wenn uns bewusst wird, was er für uns getan hat, welche einen Weg er für uns gegangen ist und was er um unsertwillen erduldet und erlitten hat, dann kann es nicht anders sein, als dass wir ihm unseren Dank entgegenbringen: Danke, Herr Jesus, dass du für mich gestorben bist. Alles, was mich von Gott trennte, hast du auf dich genommen und ans Kreuz getragen. Danke, Herr, dass du auferstanden bist. Du hast den Tod überwunden und ewiges Leben ans Licht gebracht. Ich nehme dich jetzt auf. Komm du als das Leben Gottes in mich hinein.

Die Schrift sagt uns: "Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben" (Johannes 1,12).

 

Der Kämmerer suchte Gott und fand ihn in der Person Jesu Christi. Philippus machte ihm diesen Herrn und Retter groß und malte ihn seinem Zuhörer vor die Augen. Sicherlich erzählte er dabei auch von seiner persönlichen Erfahrung mit Jesus, denn er hatte ihn selbst gehört und gesehen. Mehr noch, dieser Jesus lebte jetzt in ihm, war sein Friede und seine Freude, seine Gewissheit und seine ewige Hoffnung. Durch die große Wertschätzung des Philippus einerseits und das geöffnete Wort Gottes andererseits wuchs ein Verlangen in dem Kämmerer: Auch er wollte jetzt diesen Herrn und Retter empfangen und in sein Leben aufnehmen.

 

Wie sehr kann ich in dieser Geschichte meine eigene wieder finden. Nicht dass ich mich so intensiv auf der Such nach Gott befunden hätte wie dieser Mann aus Äthiopien. Aber es gab Momente in meinem Leben, in denen ich eine große innere Leere spürte und mir die Frage stellte, was denn eigentlich der Sinn meines Dahinlebens sei. Dann kam die Zeit meines Militärdienstes.

Eines Abends war ich mit einigen Soldaten in einem Tanzlokal, als plötzlich jemand an unseren Tisch trat und mit mir über Jesus reden wollte. Zuerst war ich ärgerlich über die Störung, dann jedoch überrascht und schließlich neugierig. Wie passte die Bibel in eine Diskothek? Wie kam dieser Mensch dazu, so frei und offen von Jesus zu erzählten? Die Fragen, die er mir stellte, waren sehr ungewöhnlich: "Besitzt Du das ewige Leben? Wohnt der Geist Gottes in Dir?" Ich wusste nichts darauf zu antworten. Meine Unwissenheit und Ungewissheit zeigte mir deutlich, wie wenig und wie oberflächlich ich mich bisher mit den Dingen Gottes befasst hatte. Ich merkte plötzlich, dass ich Christus gar nicht kannte und es mir an einer persönlichen Beziehung zu ihm fehlte. Mein Gesprächspartner berichtete mir, wie er Christus aufgenommen und in seinem Leben erfahren hatte. Mehr und mehr wurde mir klar, dass Gott seinen Sohn um meinetwillen auf diese Erde gesandt hatte, dass Christus um meiner Sünde willen gestorben war und dass er auferstanden war, um mein Leben zu werden.

Obwohl sich in meinem Inneren ein Kampf abspielte, spürte ich doch, dass das Verlangen nach Jesus Christus, der mich liebte und mein Leben in seine Hand nehmen wollte, immer stärker wurde. Schließlich konnte ich nicht mehr anders, als innerlich zu rufen, ja, zu schreien: "Herr Jesus, ich will dich haben!" Ganz bewusst öffnete ich mich dem Herrn, bat ihn um Vergebung meiner Schuld und dass er in mein Leben hineinkomme.

Gott selbst hatte sich mir an jenem Abend in den Weg gestellt, und zwar durch einen Menschen, der mir voller Wertschätzung von ihm erzählte. Jesus erschien mir so begehrenswert, dass ich nicht mehr länger ohne ihn leben wollte. An jenem Abend fand ich Gott in seinem Sohn, empfing ich seine Vergebung und ihn selbst als das ewige Leben.

 

Von Philippus und dem Kämmerer lesen wir weiter: "Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser.. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert's, dass ich mich taufen lasse? Philippus aber sprach: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so kann es geschehen. Er aber antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist. Und er hielt den Wagen halten, und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Als sie aber heraufstiegen aus dem Wasser, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich."

"Was hindert's, dass ich mich taufen lasse?" ... "Wenn du von ganzem Herzen glaubst ..." Der Kämmerer antwortet: "Ich glaube, das Jesus Christus Gottes Sohn ist." An dieser Geschichte sehen wir sehr eindrücklich, wie der Glaube entsteht. Er kommt durch das Wort, welches uns Christus groß macht. Sobald er, der wunderbare Gott-Mensch, der Retter, der Auferstandene, der Herr über alles, der Fürst des Lebens, verkündigt und bezeugt wird, wächst in dem Zuhörer eine Wertschätzung für ihn und zugleich ein Verlangen, in aufzunehmen. Das ist der Glaube! Glauben heißt empfangen. Wenn wir mit einem verlangendem Herzen rufen: ?Herr Jesus!?, empfangen wir ihn und mit ihm das ewige Leben. Fortan sieht Gott seinen Sohn in uns und ist deshalb völlig zufrieden gestellt. Christus in uns ist die Gerechtigkeit, die aus Gott kommt und die einzige, die vor ihm gilt.

Was hinter mich? Was hindert dich? Es gibt keine Hindernisse mehr! Gott hat in Christus Frieden gemacht und bietet uns nun eine Gabe an, die allumfassender und wunderbarer nicht sein könnte: "Gottes Gabe ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn" (Römer 6,23).

 

Wir können nicht ermessen, was es Gott gekostet hat, bis dieser Mann aus Äthiopien endlich sagen konnte: "Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist." Aber doch können wir an dieser Geschichte erkennen, mit welcher Liebe Gott einem jeden einzelnen von uns nachgeht, bis er auch uns gefunden hat.

Philippus wurde vom Geist des Herrn entrückt und von dem Kämmerer nicht mehr gesehen; der aber zog fröhlich seine Straße - als einer, der Gott gefunden hatte.

 
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