29. - 30. Dezember

„Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer! und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird's ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr's empfangt, so wird's euch zuteil werden.“ Markus 11,22-24

 

Jesus hatte einen Feigenbaum verflucht, weil er keine Frucht brachte. Bereits am nächsten Morgen war der Baum bis zur Wurzel verdorrt. Als Petrus daraufhin zu Jesus sagte: „Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt“, gab er ihm zur Antwort: „Habt Glauben an Gott!“ Danach erklärte er seinen Jüngern, was der Glaube vermag. Er kann einen Berg im Meer verschwinden lassen! Und das, ohne Kraftaufwand!

Seine Ausführungen beendete Jesus mit den Worten: „Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.“

 

Was hat ein Berg mit Vergebung zu tun?

 

In unserem Leben stehen wir nicht selten vor Hindernissen, die sich wie Berge vor uns erheben und unüberwindlich scheinen. Ein besonders großer Berg steht vor uns, wenn wir einem unserer Mitmenschen vergeben sollen. Petrus, der sich sehr weitherzig wähnte, fragte Jesus: „Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?“ Doch Jesus antwortete ihm: „Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“

 

Nehmen wir einmal an, dass dich ein Freund gekränkt und verletzt hat. Kurze Zeit später tut es ihm leid. Er kommt zu dir und bittet dich, sein Fehlverhalten zu entschuldigen. Natürlich bist du gerne bereit, ihm zu vergeben, doch zwei Stunden später schreit er dich plötzlich an und nennt dich im Zorn einen Versager. Dann lässt er dich stehen und geht davon. Noch am gleichen Abend klingelt das Telefon. Dein Freund ist am Apparat. Er bereut seine Entgleisung zutiefst und bittet dich um Verzeihung. Du lenkst ein und versprichst, den Vorfall zu vergessen. Doch schon am nächsten Tag kommt es erneut zu einem Eklat, in dessen Verlauf dich dein Freund unflätig beschimpft. Krachend fällt danach die Tür ins Schloss. Eine Stunde später, du stehst noch unter Schock, klingelt es an der Tür. Zerknirscht erklärt dir dein Freund, dass er den jüngsten Vorfall zutiefst bedauert und im Unrecht war. Auch in diesem Fall bist du bereit, Nachsicht zu üben. Doch wie lange wird dir das gelingen? Wie reagierst du beim siebten Mal? Wirst du dann nicht vor einem „hohen Berg“ stehen? Was aber, wenn ein Mensch vierhundertneunzig Mal an dir sündigt? Könntest du ihm auch dann noch vergeben, wärst du, um im Bild zu bleiben, ein „Mount Everest Bezwinger“!

 

Wann ist Gottes Geduld zu Ende? Wie oft vergibt er denen, die an ihm schuldig wurden? Kannst du erahnen, wie oft dir der Herr schon vergeben hat? Wie nur ist es möglich, dass er dir immer und immer wieder die Hand zur Versöhnung entgegenstreckt und sein Vertrauen schenkt, wo du ihn doch schon so oft enttäuscht hast? Muss Gott nicht einen unerschütterlichen Glauben haben? Er sagt: „Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünde nicht“. Daran wird deutlich, dass unser Gott und Vater unentwegt Hindernisse wegräumt, die sich zwischen ihm und uns auftürmen. Demnach ist er es selbst, der Berge versetzt! Wenn uns Jesus also auffordert: „Habt Glauben an Gott!“, so meint er: Habt den Glauben Gottes! Beurteilt das Geschehen nicht mit eigenen Augen. Lasst euch Gottes Sicht schenken!

 

Im Glauben zu wandeln, heißt, uns selbst, unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sowie alle Umstände und Gegebenheiten, in denen wir uns gerade befinden, von Gottes Standpunkt aus zu betrachten. Und immer dann, wenn wir die Dinge mit seinen Augen sehen, wandeln wir im Glauben! Gott stellt uns also nicht vor einen hohen Berg und fordert uns auf, ihn verschwinden zu lassen. Nein! Er bietet uns an, an seinem Glauben teilzuhaben! Doch wie wird der Glaube Gottes zu unserem Glauben?

 

Der Glaube, so offenbart die Schrift, kommt durch die Verkündigung des Wortes Christi! Sobald uns das Evangelium von der Gnade Gottes erreicht und uns Jesus Christus vor die Augen gemalt wird, wirkt der Heilige Geist in uns. Die Folge ist, dass wir unseren Blick auf Jesus richten, weshalb ihn die Schrift „den Anfänger und Vollender des Glaubens“ nennt. Ohne ihn kann es deshalb keinen wahren Glauben geben!

Sobald uns also die Freundlichkeit und Güte Jesu erreicht und er uns vor Augen steht, kommt auch der Glaube, der es uns ermöglicht, zu empfangen, was Gott uns geben will. Deshalb nennt die Bibel die Zeit vor dem Kommen Jesu, die Zeit: „Ehe aber der Glaube kam“. Später heißt es dann: „Nachdem aber der Glaube gekommen ist“.

Der Glaube Gottes, wenn er uns erreicht, beinhaltet die Kraft und Fähigkeit des Lebens Jesu! Wenn er zu uns kommt und in uns wirksam wird, bewirkt er in uns, was wir aus eigener Kraft nicht vollbringen können. Durch den Glauben Gottes wird uns jeder „Berg“ gehorchen müssen. Wenn wir es ihm befehlen, wird er sogar vor unseren Augen im Meer versinken!

 

Wir wissen, dass kein Tag vergeht, an dem wir nicht vor Gott schuldig geworden sind. Wenn wir jedoch wollen, dass Gott uns unsere Schuld vergibt, dann müssen wir auch bereit sein, denen zu vergeben, die an uns schuldig wurden. Deshalb beten wir auch: „Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern.“ Auf unsere Frage, wann dies geschehen soll, antwortet die Schrift: „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.“

Obwohl wir das wissen, stehen wir doch immer wieder vor einem unüberwindlichen Berg, wenn wir jemand vergeben sollen, der uns verletzt, gekränkt oder beleidigt hat.

 

Während Jesus auf dieser Erde lebte, erduldete er nicht nur den Widerspruch der Sünder, er konnte sogar für die Übeltäter beten und ihnen vergeben. Der Glaube, der in ihm wohnte, konnte jeden „Berg“, auch den Berg der Unversöhnlichkeit, aus dem Weg räumen. Diesen Glauben reicht uns Christus heute dar! Durch ihn sollen und können wir überwinden, was uns unmöglich erscheint!

Während wir auf ihn blicken und ihm unser Unvermögen bekennen, wirkt Gottes Geist in unserem Herzen. Im Anschauen der Herrlichkeit Jesus fließt uns der Glaube Gottes zu! Er wirkt, wie die Schrift sagt, beides: „das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ Er macht uns willig, unserem Schuldner zu vergeben! Und plötzlich können wir zu Gott sagen: Herr, ich vergebe diesem Menschen! Segne ihn! Tue ihm wohl!

 

Wenn du deinem Schuldner vergibst und ihn segnest, entlässt du ihn aus dem „Gefängnis deines Herzens“, wo du ihn eingesperrt hattest. Du lässt ihn frei, indem du ihn der Gnade Gottes anbefiehlst. Und während nun dein ehemaliger Schuldner in der Hand Gottes ist, wird der „Berg“, der dir zuvor den Frieden raubte, im Meer der Liebe Gottes versinken!

Auch der Mensch, der an dir schuldig wurde, stellt für den Glauben Gottes kein unüberwindliches Hindernis dar, denn wenn Jesus in deinem Leben Berge versetzen konnte, kann er es auch im Leben anderer tun. Auch diesen Glauben darfst du dir von Gott schenken lassen!

 

Wenn Jesus heute dein Herz erforscht, sollte er darin eine köstliche Frucht finden – den Glauben Gottes!

 

Mt.18,21-22; Jes.43,24-25; Röm.10,17; Gal.3,1-2; Hebr.12,2a; Mt.6,12.14-15; Eph.4,26; Hebr.12,3; Jes.53,12b; Kol.3,13; Phil.2,13; 1.Petr.3,9-11

 
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