11. - 12. Juni

„Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf.“  Johannes 12,12-14

 

Sicherlich käme niemand auf den Gedanken, einen Esel zu verehren. Aber wie verhält es sich mit jenem Esel, der Jesus, den Herrn, nach Jerusalem tragen durfte? Würde er heute noch leben, fänden sich zweifellos viele, die ihn bestaunen wollten und glückselig wären, wenn sie ihn berühren oder eines seiner Haare mit nach Hause nehmen könnten.

Erinnerst du dich an die eherne Schlange, die Mose einst in der Wüste an einem Stab aufgerichtet hatte? Feurige Schlangen waren ins Lager der Israeliten eingedrungen und hatten viele gebissen. Nur wer auf die erhöhte Schlange blickte, spürte die Wirkung des Gifts nicht – er wurde geheilt. Was aber taten die Israeliten noch viele Jahre später? Sie gedachten nicht des Herrn, der ihnen in einer Todesstunde Heilung geschenkt hatte! Nein! Sie verehrten die eherne Schlange und gaben ihr einen Ehrenplatz. Man nannte sie „Nehuschtan“. Das, was Gott einst benutzt hatte, um seinem Volk Rettung zu bringen, war zu einem Objekt der Anbetung geworden – zu einem Götzen!

Nehmen wir zum Beispiel eine Bibelübersetzung: Es gibt deren nicht wenige, und sie alle sind aus dem Bemühen entstanden, die richtige Bedeutung jedes einzelnen Wortes wiederzugeben. Dabei muss uns jedoch klar sein, dass der Buchstabe nur das Gefäß ist, der Träger des Geistes. Was aber kann es uns nützen, wenn wir zwar die genaueste und wortgetreueste Auslegung eines bestimmten Schriftabschnitts kennen, nicht aber zu dem kommen, der das zentrale Thema der ganzen Schrift ist, nämlich zu Jesus Christus? Deshalb sagte der Herr zu den Pharisäern: „Ihr sucht in der Schrift; denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist's, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.“

 

Als Jesus damals in Jerusalem einritt, rief keiner der Anwesenden: „Hosianna, dem Esel!“ Nein! Alle schrien: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“

Unsere Bewunderung und Verehrung sollte nicht dem „Esel“ gelten, sondern allein dem, den er trägt – Jesus Christus! Auch bei einer Bibelübersetzung oder einer biblischen Interpretation handelt es sich lediglich um einen „Esel“, der Christus zu den Menschen bringen soll. Bleiben wir dabei stehen, betrachten nur den Buchstaben, dann kann es sein, dass wir den verpassen, den Gott zu uns gesandt hat. Dann haben wir den Esel zum König gemacht!

 

Nichts darf uns von Christus ablenken. Nichts ist wert, neben ihm erhöht und verehrt zu werden. Das gilt für alles, was in der Bibel erwähnt wird, es seien bestimmte Lehren, Gaben oder Dienste. Alles dient nur einem Zweck – Christus soll uns nahegebracht und kostbar werden. Der „Esel“ aber ist keiner Verehrung wert!

 

Gleiches trifft auch auf die Diener Christi zu! Die Gemeinde in Korinth schien diese Tatsache vergessen zu haben, denn dort wurden bestimmte Mitarbeiter Gottes höher eingeschätzt als andere. So aber entstanden Gruppierungen, die miteinander rivalisierten. Einige bewunderten die Schriftkenntnis des Paulus, andere fühlten sich von der dynamischen Persönlichkeit und feurigen Predigtweise des Apollos angezogen. Wieder andere behaupteten, nur die Predigten des Petrus enthielten die tieferen Wahrheiten. Schließlich habe er Jesus persönlich gekannt und Worte ewigen Lebens aus seinem Mund empfangen.

Diese unterschiedlichen Bewertungen spalteten die Gläubigen in verschiedene Lager und bewirkten, dass den Dienern Christi größere Beachtung geschenkt wurde, als dem, der sie gesandt hatte.

Vielleicht schenken auch wir dem Überbringer guter Nachricht größere Aufmerksamkeit als dem, der ihn gesandt hat. Wir bewundern die Gabe mehr als den Geber, bestaunen das Geschöpf, anstatt den Schöpfer zu loben und zu ehren.

Als Paulus hörte, wie hoch ihn einige einschätzten, fühlte er sich nicht etwa geschmeichelt. Vielmehr stellte er die Frage: „Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.“

 

Als Diener Christi sind wir Empfänger seiner Gnade – Gefäße seiner Barmherzigkeit, Träger eines kostbaren Schatzes. Wir bringen Jesus zu den Menschen. Am Ende all unserer Bemühungen müssen wir jedoch bekennen: „Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“

So will uns der Herr davor bewahren, dass wir uns überheben und zu Bewunderern unseres eigenen Dienstes werden!  Ehrerbietung gebührt nur einem – unserem Herrn und Retter Jesus Christus.

 

Bewundere Jesus! Suche und finde ihn in seinem Wort. Erkenne ihn auch in Menschen, die ihn lieben und denen er seine Barmherzigkeit erwiesen hat. Und wenn du jemand helfen konntest, dann wehre dem Eindruck, als sei das, was du getan hast, die Frucht deiner eigenen Kraft und Frömmigkeit. „Was hast du, das du nicht empfangen hast?“

Lass jedermann erkennen, dass du ein Träger der Gnade Christi bist! Paulus sagte: „Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist die Gnade gegeben worden ...“

 

Gelobt sei der, dessen Name du trägst! Er allein soll heute in deinem Leben gesehen und durch dich hoch erhoben werden!

 

4.Mose 21,4-9; 2.Kön.18,4; Röm.11,25; 2.Mose 20,2-6; Jh.5,39-40; 1.Kor.3,5-7; Lk.17,10; Apg.3,12; 1.Kor.4,7; Eph.3,8

 
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