11. - 12. Oktober

„Siehe, ich will dort vor dir stehen auf dem Fels am Horeb. Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, dass das Volk trinke.“ 2.Mose 17,6

 

Auf ihrer Wanderschaft durch die Wüste waren die Kinder Israel in Refidim angekommen. Alle waren müde und erschöpft. Die Wunder, die der Herr zuvor vor den Augen seines Volkes getan hatte, schienen weit entfernt zu sein. Was zählte, war der tägliche Kampf ums Überleben. Mürrisch bauten die Wanderer ihr Lager auf. Doch als man feststellte, dass es an diesem Ort kein Wasser gab, konnten viele ihren Unmut nicht mehr verbergen. Schuld an ihrer Misere, so dachten sie, hatte allein dieser Mose. Warum hatte er sie an diesen Ort gebracht? Zorn spiegelte sich in vielen Gesichtern wider. „Gib uns Wasser, dass wir trinken ... Warum hast du uns aus Ägypten ziehen lassen, dass du uns, unsere Kinder und unser Vieh vor Durst sterben lässt?“ Schwere Vorwürfe, die Mose in arge Bedrängnis brachten, sodass er zum Herrn schrie: „Was soll ich mit dem Volk tun? Es fehlt nicht viel, so werden sie mich noch steinigen.“

 

Die „Wüste“ prüft uns! Durch sie wird offenbar, was in unserem Herzen ist!

 

Wir mögen den Grund für unseren Unmut den widrigen Umständen zuschreiben oder unsere Verdrossenheit im Versagen anderer sehen, Tatsache jedoch ist, dass unser Herz einer trockenen, wasserlosen Wüste gleicht, wenn wir murren, hadern, uns beklagen, oder auf andere Menschen zornig sind.

Ja, wenn es uns an nichts fehlt und uns jedermann freundlich anlächelt, dann singen wir Loblieder. Doch was, wenn unsere eigenen Wasserquellen versiegen? Gelten dann die Zusagen unseres himmlischen Vaters nicht mehr? Sagt die Schrift nicht: „Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft und schlummert nicht ... Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“

Gott, der Herr, hat dir versprochen, dass er dich auf allen deinen Wegen begleiten, schützen und versorgen will. Deshalb wird er deine persönliche Not zu keinem Zeitpunkt ignorieren. Lass deshalb nicht zu, dass Zweifel in dir aufsteigen. Ein Herz das gegen Gott murrt, befindet sich in der Wüste!

 

Auf den Schrei Moses: „Was soll ich mit dem Volk tun“, befahl ihm Gott: „Tritt hin vor das Volk und nimm einige von den Ältesten Israels mit dir und nimm deinen Stab in deine Hand, mit dem du den Nil schlugst, und gehe hin. Siehe ich will dort vor dir stehen auf dem Fels am Horeb. Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, dass das Volk trinke.“

Da das Volk seinem Gott das Vertrauen entzogen hatte, hätte der Herr dem Mose auch gebieten können: Tritt vor das Volk und rufe einige der Ältesten Israels zu dir. Dann nimm deinen Stab und verprügele damit die Widerspenstigen! So werden alle Murrenden erkennen, wie ungehalten und zornig ich über sie bin.

Doch Gott tat etwas völlig anderes: Er selbst stellt sich auf einen Felsen und befahl Mose, den Felsen zu schlagen. Wen also mussten die Stockschläge treffen? Natürlich Gott selbst! Als Mose dies tat, floss Wasser aus dem Felsen heraus, und das Volk konnte seinen Durst stillen. So ist unser Gott!

Und dies ist das froh machende Evangelium: Durch den Propheten Jesaja ließ der Herr uns wissen: „Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“

Weil Gott uns lieb hat, will er uns nicht richten. Seine Gerechtigkeit aber fordert den Tod des Sünders! Doch anstatt uns zu schlagen, ließ er sich selbst in Jesus Christus schlagen. Er sagte: „Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.“

Schließlich starb Jesus einen qualvollen Tod – er wurde der Mann der Schmerzen. Doch damit endet der biblische Bericht nicht. Wir lesen, was danach geschah: „Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern einer der Soldaten stieß mit dem Speer in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus.“

Christus wurde für uns zum gespaltenen Felsen: Aus ihm floss Blut heraus, um uns zu erlösen und zu befreien. Aus ihm floss aber auch Wasser heraus, um unseren inneren Durst zu stillen. Deshalb sagte Jesus zu der Samariterin: „Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken! du bätest ihn, und der gäbe dir lebendiges Wasser.“

 

Christus ist der Fels unsres Heils und der von Sacharja verheißene „offene Quell gegen Sünde und Befleckung“.

 

Nach dieser Begebenheit wanderten die Kinder Israel weiter. Doch wiederum kam ein Tag, an dem sie mit Mose haderten und sagten: „Warum habt ihr die Gemeinde des Herrn in die Wüste gebracht, dass wir hier sterben mit unserm Vieh? Und warum habt ihr uns aus Ägypten geführt an diesen bösen Ort, wo man nicht säen kann, wo weder Feigen noch Weinstöcke noch Granatäpfel sind und auch kein Wasser zum Trinken ist?“

Als der Herr daraufhin erschien, gebot er Mose: „Nimm den Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Aaron, und redet zu dem Felsen vor ihren Augen; der wird sein Wasser geben. So sollst du ihnen Wasser aus dem Felsen hervorbringen und die Gemeinde tränken und ihr Vieh.“

Seltsam! Waren die Israeliten etwa dorthin zurückgekehrt, wo Mose zuvor den Felsen geschlagen hatte? Nein! Sie befanden sich nicht in Refidim, ihr Weg hatte sie die Wüste Zin geführt und sie lagerten in Kadesch, einem völlig anderen Ort. War ihnen der Fels also auf ihrer Reise gefolgt?

 

Als Paulus, Jahrhunderte später, die damaligen Ereignisse in der Wüste überdachte, erkannte er plötzlich, welch wunderbare Symbolik sich dahinter verbarg. Daher schrieb er den Gläubigen zu Korinth: „Sie (die Kinder Israel) haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; sie tranken nämlich von dem geistlichen Fels, der ihnen folgte, der Fels aber war Christus.“ Wie kam Paulus zu dieser Erkenntnis?

 

Einst war Gott, der ewige Fels, für uns undurchdringlich und verschlossen. Wir konnten nicht in ihm wohnen und er nicht in uns! Und das, obwohl in ihm reichlich und im Überfluss vorhanden war, was wir Menschen so dringend benötigen und wonach wir verzweifelt lechzen: Wasser des Lebens. Doch es blieb für uns unerreichbar! Bis der lebendige Gott in seinem Sohn zu uns kam, um uns an seiner Fülle teilhaben zu lassen. Dann stand er vor uns, der Herrliche und Wunderbare, und rief mit lauter Stimme: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“

An jenem Tag gab Jesus eine Verheißung, deren Erfüllung wir uns heute erfreuen dürfen, denn die Schrift fügt erklärend hinzu: „Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“

 

Bist du durstig? Lechzt du nach dem Wasser des Lebens? Dann trinke von Jesus! Er ließ sich für dich schlagen. Seit dem Tag seiner Auferstehung ist er der gespaltene Fels, aus dem das ewige Leben Gottes fließt – zu deinem Heil und zur Erquickung deiner Seele. Du darfst heute zu Jesus kommen und von ihm trinken, denn Gott hat ihn verherrlicht und seinen Geist „reichlich über uns ausgegossen“. Das größte aller Wunder aber ist, dass Christus der mitfolgende Fels ist. Er begleitet dich und folgt dir, wohin du auch gehst. Warum? Damit es dir nie am Wasser des Lebens mangelt – auch nicht in Zeiten größter Dürre.

 

Gott hat alles getan, um dich in der „Wüste“ deines Alltags tränken und erquicken zu können. Damit er dies tun kann, fordert er dich auf: „Rede zu dem Felsen!“

 

Jesus ist einmal für die Sünden der Welt geopfert worden und hat damit, wie die Schrift sagt, „... eine ewige Erlösung erworben.“ Deshalb bedarf es keines weiteren Opfers mehr; der „Fels“ muss kein zweites Mal geschlagen werden. Wer durstig ist, der komme und trinke von ihm. Wie? Indem er zu Jesus, dem geschlagenen und gespaltenen Felsen, redet! Die Schrift sagt: „Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über sie allzumal der eine Herr, reich für alle, die ihn anrufen.“

 

Wenn du den Namen Jesu Christi anrufst, trinkst du Wasser des Lebens!

 

„Rede zu dem Felsen!“ Christus, der gekreuzigte und auferstandene Herr, lebt heute in deinem Geist. So folgt er dir an jeden Ort und ist immer in deiner Nähe. Er ist der Quell deines Herzens, der Brunnen des lebendigen Wassers. Und anstatt auf andere einzuschlagen oder zu murren und zu hadern, kannst du den Namen Jesu anrufen und von ihm trinken! Danke dem Herrn, dass er der geschlagene, gespaltene und mitfolgende Fels ist. Wenn du das tust, wird er deine Seele erquicken, beleben und innerlich zufrieden stellen! Mehr noch, wer an ihn glaubt, wie die Schrift sagt, „von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“

 

Was wirst du heute tun? Murren oder lebendiges Wasser trinken?

 

5.Mose 8,2; Ps.121,3.5-8; Jes.43,24-25; 50,6; 53,3-5; Mt.26,67; 27,30; Jh.19,32-34; 4,10; Sach.13,1; 4.Mose 20,4-8; 1.Kor.10,4; Jh.7,37-38; 4,14; Tit.3,5-6; Hebr.9,26.28a.12; Röm.10,12

 
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