13. - 14. Januar

„Breite den Zipfel deines Gewandes über deine Magd, denn du bist der Löser.“ Rut 3,9

 

In „Bethlehem“ treffen wir Schnitter, Diener Christi, die „Garben binden“ und großherzig austeilen, was sie von Gott empfangen haben. Sie verkündigen, wie Petrus schrieb, die Tugenden und „Wohltaten dessen, der sie berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“. Durch ihren Dienst wird „das Haus des Brotes“ zu einem Ort, an dem die Gnade Christi erfahrbar wird, zu einer Stätte, an der alle Anwesenden den Trost des Heiligen Geistes spüren und die Liebe Gottes, des Vaters, erkennen können.

 

Seitdem Rut nach Bethlehem gekommen war, machte sie Erfahrungen, die sie so nicht erwartet hatte. Obwohl sie eine Fremde war, wurde sie überaus freundlich und großzügig beschenkt. Doch Rut blieb nicht nur eine  Beschenkte, sie wurde auch selbst aktiv.

Schon zu Beginn ihrer Reise ins Land Israel traf sie eine klare Entscheidung: Sie wollte sich ihrer Schwiegermutter anschließen – komme, was da wolle. Sie sagte zu Noomi: „Wo du hingehst, da will ich auch hingegen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ In Bethlehem angekommen, blieb sie auch nicht zu Hause sitzen und beklagte ihr Schicksal. Obwohl völlig schutzlos, machte sie sich auf, um auf dem Feld fremder Leute für sich und ihre Schwiegermutter Nahrung zu suchen. Dabei schämte sie sich ihrer Bedürftigkeit nicht. Sie war sogar bereit, die niedrigste Arbeit zu verrichten. So kam sie zum Feld des Boas, wo sie einsammelte, was dessen Schnitter liegen ließen. Dabei zeigte sie Fleiß und Engagement, denn es wird berichtet: „So las sie bis zum Abend auf dem Felde und klopfte die Ähren aus, die sie aufgelesen hatte, und es war ungefähr ein Scheffel Gerste.“ Als Boas zu ihr kam, sie freundlich begrüßte und einlud, mit ihm und seinen Leuten zu essen, da zögerte sie nicht lange – sie griff zu und stillte ihren Hunger.

Schließlich kam der Tag, der die Beziehung Ruts zu Boas entscheidend veränderte: Noomi hatte ihr folgenden Rat gegeben: „Meine Tochter, ich will dir eine Ruhestatt suchen, dass dir's wohlgehe. Siehe, Boas, unser Verwandter, bei dessen Mägden du gewesen bist, worfelt diese Nacht Gerste auf seiner Tenne. So bade dich und salbe dich und lege dein Kleid an und geh hinab auf die Tenne. Gib dich dem Mann nicht zu erkennen, bis er gegessen und getrunken hat. Wenn er sich dann schlafen legt, so merke dir die Stelle, wo er sich hinlegt, und geh hin und decke zu seinen Füßen auf und leg dich hin, so wird er dir sagen, was du tun sollst. Sie sprach zu ihr: Alles, was du mir sagst, will ich tun.“

Boas erschrak, als er um Mitternacht erwachte und feststellte, dass eine Frau zu seinen Füßen lag. Wir lesen: „Und er sprach: Wer bist du? Sie antwortete: Ich bin Rut, deine Magd. Breite den Zipfel deines Gewandes über deine Magd, denn du bist der Löser. Er aber sprach: Gesegnet seist du vom Herrn, meine Tochter! Du hast deine Liebe jetzt noch besser erzeigt als vorher, dass du nicht den jungen Männern nachgegangen bist, weder den reichen noch den armen. Nun, meine Tochter, fürchte dich nicht. Alles, was du sagst, will ich dir tun; denn das ganze Volk in meiner Stadt weiß, dass du eine tugendsame Frau bist. Ja, es ist wahr, dass ich ein Löser bin; aber es ist noch ein Löser da, näher verwandt als ich. Bleib über Nacht hier. Will er dich dann am Morgen lösen, gut, so mag er's tun; hat er aber keine Lust, dich zu lösen, so will ich dich lösen, so wahr der Herr lebt. Schlaf bis zum Morgen!“

 

Gemäß dem mosaischen Gesetz musste der Schwager oder der nächste Angehörige die Witwe des Verstorbenen heiraten, um so dessen Namen und Erbe zu erhalten.

 

Es ist offensichtlich, dass Rut in jener Nacht das Herz des Boas berührt hatte. Er war nun fest entschlossen, sie zur Frau zu nehmen. Doch zuvor musste ein anderer „Löser“ zufriedengestellt werden, denn wir lesen: „Boas ging hinaus ins Tor und setzte sich daselbst. Und siehe, als der Löser vorüberkam, von dem er geredet hatte, sprach Boas: Komm, mein Lieber, und setzte dich hierher ... Noomi, die aus dem Lande der Moabiter zurückgekommen ist, bietet feil den Anteil an dem Feld, der unserm Bruder Elimelech gehörte. Darum gedachte ich's vor deine Ohren zu bringen und zu sagen: Willst du es lösen, so kaufe es vor den Bürgern und vor den Ältesten meines Volks; willst du es aber nicht lösen, so sage mir's, dass ich's wisse; denn es ist kein anderer Löser da als du, und ich nach dir. Er sprach: Ich will's lösen. Boas sprach: An dem Tage, da du von Noomi das Feld kaufst, musst du auch Rut, die Moabiterin, die Frau des Verstorbenen, nehmen, um den Namen des Verstorbenen zu erhalten auf seinem Erbteil. Da antwortete er: Ich vermag es nicht zu lösen, sonst würde ich mein Erbteil schädigen. Löse dir zugut, was ich hätte lösen sollen; denn ich vermag es nicht zu lösen.“

 

Wer ist jener andere Löser, der auch heute noch außerstande ist, „Rut, die Moabiterin“ zur Frau zu nehmen? Es ist das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen! Gewiss: Es steht dir und mir sehr nahe, denn Gott selbst hat es uns Menschen gegeben, um uns vor Schaden zu bewahren. Wir erkennen darin seine Heiligkeit und Gerechtigkeit! Durch Gottes Verordnungen wird aber auch deutlich, dass unsere eigene Natur dem Wesen Gottes nicht entspricht, denn durch das Gesetz kommt „Erkenntnis der Sünde“. Was aber, wenn es darum geht, sündige und gefallene Menschen zu erlösen, zu rechtfertigen und mit Gott zu versöhnen? Dann muss das Gesetz zu Christus sagen: „Löse dir zugut, was ich hätte lösen solle; denn ich vermag es nicht zu lösen.“ Deshalb sagt die Schrift: „Was dem Gesetz unmöglich war ... das tat Gott: er sandte seinen Sohn ...“

Nur einer kann dich und mich erlösen und zu Gott führen – Jesus Christus, der wunderbare (Er)Löser! Mit seinem Kommen kam Gottes Gnade zu uns: „Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“

 

Jener Löser, der nicht in der Lage war, das Erbteil Elimelechs, seiner Frau Noomi und ihrer beiden Söhne zu erhalten, sagte zu Boas: „Kaufe du es!“ Und Boas sprach zu den Ältesten und zu allem Volk: „Ihr seid heute Zeugen, dass ich von Noomi alles gekauft habe, was Elimelech, und alles, was Kiljon und Machlon gehört hat. Dazu habe ich mir Rut, die Moabiterin, die Frau Machlons, zur Frau genommen, dass ich den Namen des Verstorbenen erhalte auf seinem Erbteil und sein Name nicht ausgerottet werde unter seinen Brüdern und aus dem Tor seiner Stadt; dessen seid ihr heute Zeugen.“

Der Vertrag zwischen Boas und dem anderen Löser wurde auf eine für uns ungewöhnliche Art besiegelt. Die Schrift sagt: „Es war aber von alters her ein Brauch in Israel: Wenn einer eine Sache bekräftigen wollte, die eine Lösung oder ein Tausch betraf, so zog er seinen Schuh aus und gab ihn dem andern; das diente zur Bezeugung in Israel.“

Indem der Löser seinen Schuh auszog und dem Boas übergab, trat er damit alle seine Rechte ab, die er an dem Erbe Elimelechs hatte.

 

Was dem Gesetz Gottes unmöglich war, obwohl es heilig und vollkommen ist, das wird auch dir und mir nicht gelingen. Wir können uns nicht selbst verbessern! Ziehe stattdessen „deinen Schuh“ aus und trete zurück! Lass den vortreten, der allein fähig ist, das Herz eines Menschen neu zu machen – Jesus Christus. Bedenke stets, dass du einen Erlöser brauchst! Aber auch die Menschen, die dir heute begegnen, brauchen ihn! Fordere daher weder von dir selbst, noch von anderen, was nur Jesus, der Erlöser, zu tun vermag!

 

Herr Jesus, ich berge mich bei dir! Breite den Zipfel deines Gewandes über mich, denn du bist mein Erlöser.

 

1.Petr.9-10; 2.Kor.13,13; Phil.2,1-4; Rut 1,16-17; 2,2-3.13-14.17; 3,1-13; 4,1-10; 3.Mose 25,25; 5.Mose 25,5-6; Röm.3,20; 7,12.14; 8,3; Jh.1,17

 
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