15. - 16. Juni

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“  Galater 5,1

 

Paulus hatte auf seiner Missionsreise auch die römische Provinz Galatien besucht und den Menschen dort das Evangelium verkündigt. So waren Gemeinden entstanden, um deren geistliches Wohlergehen sich der Apostel sorgte und für die er sich verantwortlich sah. Verständlich, dass es ihn zutiefst schmerzte, als man ihm von großer Verunsicherung und Unruhe unter den Gläubigen berichtete. Grund dafür war der Besuch einiger Männer, die behaupteten, der Glaube an Jesus Christus allein genüge nicht, um vor Gott gerechtfertigt zu sein. Man müsse auch das Gesetz befolgen, das der Herr durch Mose verkünden ließ. So könne man beispielsweise nicht auf die Beschneidung verzichten. Und auch bestimmte Feiertage seien unbedingt zu beachten.

Es war der Widersacher Gottes, der Teufel, der die Gläubigen zu verwirren suchte, sie in ihrem Lauf aufhalten und unter das Joch seiner Knechtschaft zwingen wollte. Gewiss wird er dasselbe auch in deinem Leben versuchen! Und nur, wenn du die Wahrheit des Evangeliums Christi kennst, wirst du gegen seine listigen Anschläge gewappnet sein! Aus diesem Grund wurde dir der Brief an die Galater gegeben!

 

Wie hat uns Gott errettet? Durch die Verkündigung des Evangeliums! Während die frohe Botschaft an unser Ohr drang und Eingang in unserem Herzen fand, wurde uns Jesus Christus vor die Augen gemalt. So wuchs in uns das Verlangen, den wunderbaren Herrn und Retter zu erfahren und in unser Leben aufzunehmen. Wir erkannten, dass man sich die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht verdienen kann. Gott schenkt sie demjenigen, der zu ihm kommt, dem Erlösungswerk Jesu glaubt und ihn in sein Herz und Leben aufnimmt! Der Glaube wiederum wird durch das Hören des Evangeliums geweckt und hervorgebracht. Es ist der Glaube - unsere Wertschätzung für den Sohn Gottes und unser Vertrauen in sein vollbrachtes Werk – der uns das Heil bringt! Von diesem Glauben sprach Paulus, als er sagte: „Weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht … Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.“

Durch den Glauben werden wir nicht nur vor Gott gerechtfertigt, wir empfangen auch den verheißenen Heiligen Geist. Deshalb fragte der Apostel die Galater: „Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?“ Nicht das Gesetz, sondern die Verheißung wurde zuerst gegeben. Vierhundertdreißig Jahre bevor Mose dem Volk Israel das Gesetz gab, empfing Abraham die Verheißung des Geistes. Ihm hatte der Herr zugesagt, dass durch seinen Samen alle Völker der Erde gesegnet werden sollen. Und an diese göttliche Zusage war keine Bedingung geknüpft! Wie aber erfüllte der Herr seine Verheißung? Paulus sagte: „Nun ist die Verheißung Abraham zugesagt und seinem Nachkommen. Es heißt nicht: und den Nachkommen, als gälte es vielen, sondern es gilt einem: 'und deinem Nachkommen' welcher ist Christus.“

Der Segen Abrahams kommt in einer wunderbaren, einzigartigen Person zu uns - in Jesus Christus. Wenn er uns erreicht, kann Gott uns segnen! Wie aber können wir den Sohn Gottes empfangen und in unser Leben aufnehmen? Die Antwort des Paulus lautet: „Damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.“ Der Gekreuzigte und Auferstandene kommt durch seinen Geist zu uns! Durch ihn und in ihm wohnt Jesus selbst in unserem Herzen, weshalb Paulus auch sagen konnte: „Ich lebe; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir!“

Um den Galatern zu verdeutlichen, dass sie sich nun in Christus befinden, erinnerte sie der Apostel an ihre Taufe: So wie das Wasser sie aufgenommen hatte, so waren sie von Gott aufgenommen und in Christus hinein versetzt worden.

 

Gott hat uns, als wir gläubig wurden, vom Reich der Finsternis in das Reich des Lichts versetzt. Er hat uns aus dem Machtbereich der Sünde und des Todes in die Sphäre seiner Liebe und Gerechtigkeit gebracht. Wir wurden in Christus hineingetauft und haben ihn angezogen! Damit aber ist das Alte abgetan, das Vorige vergangen! So konnte der Apostel schreiben: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.“ Und „Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So bist du nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.“

Als Kinder Gottes sind wir von jeder Knechtschaft befreit. Wir stehen unter keinem Zwang und haben keine Forderungen zu erfüllen, um vor Gott gerechtfertigt zu sein. Sein größtes Wohlgefallen ist es, uns seinen Sohn zu offenbaren. Dies bezeugte auch Paulus, denn er sagte: „Als es aber Gott wohlgefiel, der mich von meiner Mutter Leib an ausgesondert und durch seine Gnade berufen hat, dass er seinen Sohn offenbarte in mir...“ Weiter ist es Gottes Wunsch und Wille, dass Christus in uns aufwächst und „Gestalt gewinnt“.

 

Abraham, so ließ Paulus seine Adressaten weiter wissen, hatte zwei Söhne: Hagar, die Magd, gebar ihm den Ismael, Sara, die Freie, den Isaak. Wir lesen: „Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch gezeugt worden, der von der Freien aber kraft der Verheißung.“

Zweierlei Bündnisse, die von zwei Frauen repräsentiert und verkörpert werden und die beide einen Sohn hervorbringen: Hagar symbolisiert den Berg Sinai. Hier empfangen wir das Gesetz mit seinen Geboten, Vorschriften und Satzungen. Hier wird von uns ein Wandel gefordert, zu dem unsere gefallene Natur nicht fähig ist. Deshalb führt uns diese „Mutter“ nicht nur zur Knechtschaft, sie bringt uns sogar unter einen Fluch. Sara hingegen steht für das himmlische Jerusalem - für die göttliche Gnade. Sie bringt Kinder der Verheißung hervor und führt uns zur wahren Freiheit in Christus. Warum? Weil sie uns mit dem Leben Jesu dient!

Von wem stammen wir ab? Von welcher Mutter möchten wir uns ernähren und umsorgen lassen? Von der Magd oder von der Freien? Die Schrift sagt: „Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter.“ Und sie betont: „Ihr aber, liebe Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.“

Wir sind Kinder der Freien! Unsere Mutter ist die Gnade und nicht das Gesetz! Wer sich beschneiden lässt, hat nur eine äußere Veränderung an seinem Fleisch vorgenommen. Das Wesen aber und die Natur Jesu Christi wurde ihm dadurch nicht zuteil. Doch es ist diese Natur, die Gott in uns sehen will!

 

Nicht wir versuchen uns zu verändern, sondern Gottes Geist wandelt uns um und lässt Christus in uns Gestalt gewinnen! Wie aber wollen wir mit der „Magd“ und ihrem „Sohn“ verfahren? Die Schrift sagt: „Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien.“

Wir sollen abweisen, was uns knechten und versklaven will, ja, sogar von uns stoßen, was unsere Freiheit in Christus schmälert. Deshalb heißt es: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen.“

 

Alles, was Gott von uns fordert und erwartet, hat er uns in und mit dem Geist seines Sohnes geschenkt. Deshalb schrieb Paulus: „Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss.“ Und weiter sagte er: „Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz." Und „Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.“

So, wie es zwei Bündnisse gibt, so gibt es auch zwei Bereiche, in denen wir leben können – wir wandeln entweder im Geist oder im Fleisch.

Wir alle kennen unsere alte, gefallene Natur. Wir wissen genau, welche Werke sie hervorbringt, nämlich: „Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen.“ Doch als Kinder Gottes brauchen wir nicht in diesem Bereich zu leben, denn Gott hat uns in Christus hineinversetzt und uns seinen Geist gegeben. Leben und wandeln wir in ihm, wird in unserem Leben eine andere Frucht sichtbar werden, denn die Schrift sagt: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.“

 

Wir gehören Christus an und haben ihn angezogen. Weil er in uns wohnt, können wir ihm zu jeder Zeit anhängen und durch ihn leben. Wenn wir das tun, kommt unsere alte, gefallenen Natur nicht zum Zuge. Davon sprach Paulus, als er sagte: „Welche Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Lüsten und Begierden.“

Wenn wir mit Jesus eins sind, wird seine Menschlichkeit durch uns sichtbar. Dann werden wir auch seinen Wunsch erfüllen können, der da lautet: „Durch die Liebe diene einer dem andern ... Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen ... Lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“

 

Dies ist die Wahrheit des Evangeliums, das uns zur Freiheit führt und in dem wir stehen sollen!

 

Der Brief an die Galater endet mit diesen Worten: „In Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Kreatur. Und alle, die sich nach diesem Maßstab richten - Friede und Barmherzigkeit über sie ... Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, liebe Brüder! Amen.“

 

Vielleicht sagt der Herr heute auch zu dir: Mich wundert, dass du dich so schnell von mir abwenden lässt, hin zu einem anderen Evangelium, obwohl es doch kein andres gibt. Bürde ich dir etwa schwere Lasten auf? Fordere ich Unmögliches von dir? Nein! Ich habe mein Leben für dich hingegeben! Ich habe dich in den Genuss meiner Gnade berufen! Lass dich also nicht verwirren und in deinem Lauf aufhalten! Stoße von dir, was dich versklaven und knechten will. Ich habe dich zur Freiheit befreit. Stehe deshalb fest! Du bist ein Kind Gottes und somit ein Erbe der Verheißung. Wenn du dich aber schwachen und dürftigen Satzungen zuwendest und ihnen dienen willst, bin ich für dich umsonst gestorben. Dann verlässt du den Bereich meiner Gnade. Vertraue meinem Geist, der in dir wohnt! Säe auf ihn und du wirst von ihm das ewige Leben ernten! Er wird in dir die Frucht hervorbringen, die ich begehre, ohne dass du dich anstrengen musst. Bleibe ganz nahe bei mir und wandle in meiner Liebe – Friede und Barmherzigkeit werden mit dir sein! Die Gnade aber, die ich dir frei darreiche und durch die du lebst, erweise allen, denen du begegnest. So wird mein Wohlgefallen auf dir ruhen und du wirst deinen Lauf in Herrlichkeit vollenden! Meine Gnade ist heute mit deinem Geist!

 

Gal.3,1-2; 2,16; 3,26.6-9.14-18.27-29; 4,6-7; 1,15-16; 4,19.22-23.26.28-31; 5,1.5.18.25.19-22.24; 6,2.9-10; 5,13; 1,6-7; 6,15-16.18; 1,6-7; 4,9; 5,4; 6,8

 
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