15. - 16. März

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“  Johannes 12,24

 

Das Passahfest stand unmittelbar bevor. Als Jesus in Jerusalem einzog, jubelten die Menschen. Einige streuten Palmzweige auf den Weg und riefen: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“ Der Mann aus Nazareth schien den Höhepunkt seiner Popularität erreicht zu haben. Alle wollten ihn sehen! Auch einige Griechen waren gekommen und baten Philippus, einen Jünger Jesu: „Herr, wir wollten Jesus gerne sehen.“ Sogar seine ärgsten Gegner mussten neidvoll zugeben: „Ihr sehet, dass ihr nichts ausrichtet; alle Welt läuft ihm nach!“

Jesus ließ sich vom Jubel der Massen nicht beeindrucken. Er sagte: „Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.“

Gewiss waren seine Jünger derselben Meinung. Sie dachten, nun wäre der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr Herr und Meister die Herrschaft antreten und das Königreich Davids wieder aufrichten würde. Doch Jesus machte solche Erwartungen jäh zunichte. Er sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, so bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Im Jubel und in der Begeisterung der Menschen, die sich um ihn scharrten, konnte Jesus keine Verherrlichung erkennen. Auch nicht in der Bewunderung und Anerkennung, die ihm zuteil wurde. Was würde ein Weizenkorn sagen, wenn man es auf ein goldenes Tablett legen und von allen Seiten bestaunen würde? Könnte es reden, müsste es sagen: „Ihr dummen Menschen, was macht ihr mit mir? Was soll ich hier? Bringt mich in einen Garten und legt mich in die Erde. Nur so erfüllt sich meine Bestimmung! Euere Verehrung nützt mir gar nichts!

 

War Jesus etwa zu uns gekommen, um sich von uns bewundern und bestaunen zu lassen? Nein! Er kam, um für uns zu sterben. Mehr noch, er kam, um uns sein Leben zu geben – Leben im Überfluss. Er sagte: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen!“ Wäre Jesus nicht in die Erde gefallen und erstorben, wäre er allein geblieben. Wir hätten seine Herrlichkeit zwar sehen, nicht aber mit ihm teilen können. Das Leben, das in ihm in Fülle wohnte – das göttliche Leben und das sündlose Leben des Menschensohnes – wäre für uns unerreichbar geblieben.

 

Ein Weizenkorn muss in die Erde fallen, um viele Weizenkörner hervorzubringen! Bereits kurz nach der Geburt Jesus hatte der Teufel versucht, ihn umzubringen. Die Soldaten des Herodes töteten alle Neugeborenen, deren sie habhaft werden konnten. Wie sehr hasste Satan den Mann aus Galiläa, wusste er doch genau, warum er gekommen war, nämlich, um ihm den Kopf zu zertreten. Daher versuchte er mit allen Mitteln, Jesus aus dem Weg zu schaffen und unter die Erde zu bringen. Und wie sehr muss er sich gefreut haben, als er ihn endlich am Kreuz hängen sah. Als Jesus schließlich sein Haupt neigte und verstarb, jubelten die Mächte der Finsternis.

Doch den man in Leinentücher gehüllt und in ein Grab gelegt hatte, war kein toter Kieselstein – er war ein Weizenkorn. Er war der Fürst des Lebens! Deshalb konnte ihn der Tod nicht festhalten! Christus überwand ihn und triumphierte in seiner Auferstehung über die Gewalt des Todes. Darauf hatte Jesus gewartet. Jahrelang war er in der „Schale“ seines Menschseins eingeschlossen gewesen. Und wie beengt fühlte er sich hier! Er sagte: „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; und wie wünsche ich, es wäre schon angezündet! Ich habe aber eine Taufe, womit ich getauft werden muss, und wie bin ich bedrängt, bis sie vollbracht ist.“

 

Am Tag der Auferstehung wurde die Frucht des einen „Weizenkorns“ sichtbar, denn es wird und berichtet: „Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!“

Welch ein großartiger und bedeutender Tag in der Geschichte der Menschheit. Zuvor war das göttliche Leben nur in einem einzigen Menschen verkörpert – in Jesus Christus. Die Herrlichkeit Gottes war nur durch ihn sichtbar geworden. Nun aber hatte sich das Weizenkorn von seiner Schale befreit und seine Begrenzung überwunden. Für den Fürsten des Lebens gab es nun kein Hindernis mehr. Jetzt konnte er das Leben, das in Fülle in ihm wohnte, seinen Jüngern darreichen. Jesus konnte jetzt nicht nun durch verschlossene Türen und Wände gehen, er konnte auch die Herzen seiner Jünger durchdringen. In seiner Auferstehung war Jesus zum Geist des Lebens geworden, um nun in denen leben zu können, die an ihn glaubten. Damit erfüllte sich die Verheißung, die er den Seinen kurz vor seiner Gefangennahme gegeben hatte: „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch ... Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“

 

Jesus blieb nicht allein! Jesaja hatte verheißen: „Wenn er sein Leben als Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben!“ Wir sind seine Nachkommen! Wir sind die vielen Weizenkörner, die er hervorgebracht hat. Auch du bist seine Frucht!

 

Jh.12,12-13; 10,10b; 1,4; Mt.2,3,16; Jh.11,25; Apg.2,23-24; 3,15; Lk.12,49-50 (Elberfeld); Jh.20,19-22; 1.Kor.15,45b; Jh.14,18-20.23; Eph.2,5-6; Jes.53,10

 
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