1. - 2. September

„Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!“  1. Korinther 1,31

 

Der gesundheitliche Zustand des Patienten verschlechterte sich von Tag zu Tag. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile, und wen sie erreichte, der war bestürzt und fassungslos, denn bei dem Kranken handelte es sich um keinen geringeren als um den Regenten des Landes. Im Alter von fünfundzwanzig Jahren hatte man ihn einst zum König gesalbt, und seitdem Israel unter Rehabeam, dem Sohn Salomons, in zwei Königreiche zerfallen war, hatte es in Juda, dem südlichen Teil des Landes, keinen Herrscher mehr gegeben, der seinem Gott so vertraute, wie der, der nun auf dem Sterbebett lag. Sein Name war Hiskia.

Seit vierzehn Jahren regierte er in Jerusalem. In dieser Zeit hatte er sein Volk von der Fremdherrschaft der Assyrer befreit und auch die Philister in die Flucht geschlagen, denn „... der Herr war mit ihm, und alles, was er sich vornahm, gelang ihm.“

 

Hiskias war der Mann, der den Gottesdienst wiederherstellte. Sein Vater, Ahas, hatte während seiner Regentschaft Damaskus besucht und dort einen Götzenaltar gesehen, der ihn faszinierte. Wieder nach Jerusalem zurückgekehrt, ließ er ihn nachbilden und in den Tempel stellen, um darauf zu opfern. Eine abscheuliche Tat! Die Türen zum Hause Gottes hatte er zugeschlossen und die heiligen Geräte zerschlagen, um auf den Höhen anderen Göttern zu opfern.

Von Hiskia aber wird uns gesagt: „Er tat, was dem Herrn wohl gefiel, wie sein Vater David. Er tat die Türen am Hause des Herrn im ersten Monat des ersten Jahres seiner Herrschaft auf und besserte sie aus.“

Er befahl den Priestern und Leviten, sich zu heiligen, das Haus des Herrn von allem Unrat zu reinigen, den Gottesdienst wiederherzustellen und dem Herrn die Opfer darzubringen, die Mose verordnet hatte. Hiskia selbst beugte seine Knie vor den Augen der ganzen Gemeinde und betete den Gott Israels an – den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Schließlich ließ er alle Altäre, die in Jerusalem waren, entfernen und lud die Israeliten zum Passahfest ein. Die Bibel berichtet uns: „Und es war eine große Freude in Jerusalem; denn seit der Zeit Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel, war solches in Jerusalem nicht geschehen. Und die Priester und Leviten standen auf und segneten das Volk, und ihre Stimme wurde erhört, und ihr Gebet kam in Gottes heilige Wohnung im Himmel.“

 

Hiskia tat, was „gut, recht und wahrhaftig war vor dem Herrn, seinem Gott“, weshalb wir annehmen dürfen, dass alle, die sich seiner Regentschaft erfreuten und nun von seiner schweren Erkrankung hörten, tief betroffen waren. Schließlich trat sogar der Prophet Jesaja an ihn heran und sprach zu ihm: „So spricht der Herr: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben.“

Damit war das Todesurteil gesprochen! Hiskia wusste nun, was in Kürze geschehen würde. Doch was tat der Todgeweihte? Erwartete er sein Ende? Nein! Hiskia betete zu Gott, dem Herrn!

Wir lesen: „Er aber wandte sein Antlitz zur Wand und betete zum Herrn und sprach: Ach Herr, gedenke doch, dass ich vor dir in Treue und mit rechtschaffenem Herzen gewandelt bin und getan habe, was dir wohl gefiel. Und Hiskia weinte sehr. Als aber Jesaja noch nicht zum mittleren Hof hinausgegangen war, kam des Herrn Wort zu ihm: Kehre um und sage Hiskia, dem Fürsten meines Volks: So spricht der Herr, der Gott deines Vaters David: Ich habe deine Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Siehe, ich will dich gesund machen - am dritten Tage wirst du hinauf in das Haus des Herrn gehen -, und will fünfzehn Jahre zu deinem Leben hinzutun und dich und diese Stadt erretten vor dem König von Assyrien und diese Stadt beschirmen um meinetwillen und um meines Knechtes David willen.“

Danach, um sein Wort zu bestätigen, ließ der Herr den Zeiger auf der Sonnenuhr zehn Striche zurückgehen. Hiskias Lebenszeit wurde um fünfzehn Jahre verlängert, die Zeit seiner Regentschaft verdoppelt. Doch was tat der Mann, dessen Gebet auf so spektakuläre Weise erhört worden war? Der Heilung Hiskias folgte ein eklatantes Fehlverhalten, denn wir lesen: „Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war; denn sein Herz überhob sich. Darum kam der Zorn über ihn und über Juda und Jerusalem …. Als aber die Botschafter der Fürsten von Babel zu ihm gesandt waren, um nach dem Wunder zu fragen, das im Lande geschehen war, verließ ihn Gott, um ihn zu versuchen, damit kundwürde alles, was in seinem Herzen war.“

 

Was war geschehen? Sogar im Ausland hatte man von der wundersamen Heilung Hiskias gehört und Botschafter geschickt, um ihn zu beglückwünschen. Doch kaum, dass die Abgesandten des Königs von Babel sein Haus betreten hatten, wurde Hiskia von großem Eifer erfüllt. Er führte seine Besucher in jeden Winkel seines Hauses, lief hierhin und dorthin, um Schränke zu öffnen und seinen Gäste alles, was ihm wertvoll und kostbar erschien, zu zeigen. Doch nicht, um dem Herrn, seinem Gott, die Ehre zu geben, der ihn so reich gesegnet, gesund gemacht und sein Leben verlängert hatte, sondern um vor seinen Gästen zu prahlen. Dabei übersah Hiskia, dass es sich um Kostbarkeiten und Schätze handelte, die nicht er, sondern seine Vorväter zusammengetragen hatten. Diese Gesinnung aber erregte den Zorn Gottes, weshalb er Jerusalem zerstören und seine junge Mannschaft gefangen wegführen ließ. Welch tragisches Ende einer Lebensgeschichte, die zuvor so beispielhaft verlaufen war.

Die Geschichte Hiskias lehrt uns, auf unser Herz zu achten.

 

Wir erkennen, dass uns der Herr Himmels und der Erde nicht ferne ist, denn er sah die Tränen Hiskias und hörte sein Gebet. Er achtet auf uns und hört unser Rufen. Er geht auch nicht willkürlich mit uns um; er greift ein, wenn wir ihn darum bitten und beweist damit, dass er alles ändern kann. Wer ihn sucht, wird ihn finden und dem, der bei ihm anklopft, verschließt er sich nicht. Keines unserer Gebete wird der Herr unbeantwortet lassen und denen, die ihn suchen, ist er ein Belohner, weshalb der Psalmist sagt: „Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errette mich aus aller meiner Furcht ... Als einer der Elenden rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten ... Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut!“

 

Der Herr hatte Hiskia reich gesegnet, ja, er hatte ihn sogar von seiner tödlichen Krankheit geheilt und sein Leben um Jahre verlängert. Doch dann, als er Hiskia prüfte, um zu erkennen, was in seinem Herzen war, fanden sich darin Stolz und Selbstgefälligkeit.

 

Hiskia fühlte sich geschmeichelt, als sich die Boten aus Babel nach seinem Wohlbefinden erkundigten und ihm die Grüße und Geschenke des großen Königs übermittelten. Und wie sehr genoss er es, die erstaunten Gesichter seiner Besucher zu sehen, als er ihnen seine Besitztümer zeigte. Doch in wessen Glanz sonnte er sich dabei? Wem hatte er seinen großen Reichtum und seine wundersame Genesung zu verdanken? Doch allein dem Gott Israels!

Jedes Zimmer, das Hiskia öffnete, jeder Schrank, in den er seine Gäste blicken ließ, erlaubte auch einen tiefen Einblick in sein Herz. Dabei erkannte er nicht, dass all das, dessen er sich rühmte, in eben derselben Stunde in fremde Hände überging. Alles, was Hiskia zu besitzen glaubte, hatte er in einem Moment verloren – aufgrund seines Stolzes.

 

Du bist ein Empfänger der Gnade Gottes, die er dir in seinem Sohn darreicht. Weil Christus lebt, lebst auch du. Du bist gesegnet, weil er dich gesegnet hat. Gott hat dir keinen Vorzug gegeben und nichts ist deinem eigenen Verdienst zuzuschreiben. Jesus selbst ist deine Gerechtigkeit. Du bist nicht gerecht in dir selbst! Er ist auch deine Weisheit, Kraft und Stärke. Er hält dich, und er trägt dich. Er ist dein Helfer und dein Heil. Alles, was du bist und hast, besteht einzig und allein in ihm. Deshalb ist er allein dein Ruhm und deine Ehre.

Du darfst du dich rühmen, Christus zu kennen und von ihm geliebt zu sein. Das ist es, was jeder hören soll, der sich nach deinem Wohlbefinden erkundigt oder nach dem Grund deiner freudigen Zuversicht fragt.

Doch sei dir stets der Tatsache bewusst, dass du keine eigene Herrlichkeit besitzt. Nur wenn du in das Antlitz Jesu blickst, seine Gnade und Barmherzigkeit betrachtest, kannst du seine Wesensart und Schönheit widerspiegeln.

 

Immer sollten wir uns auch der Tatsache bewusst sein, dass wir alles, was wir von Christus, der Wahrheit Gottes, gehört, gesehen und erkannt haben, jenen verdanken, die – vor unserer Zeit – ihr Herz darauf gerichtet haben, den Herrn zu erkennen. Wer heute seine „Schränke“ öffnet und das Vorhandene begutachtet, der bedenke, dass alles, was darin gefunden wird, Teil der Offenbarung ist, die der Auferstandene in der Vergangenheit seinen treuen Knechten geschenkt hat. Was, so müssen wir uns daher fragen, hätten wir von Christus erkannt, wenn nicht vor uns unzählige Männer und Frauen den Herrn verzweifelt gesucht und ihm treu gedient hätten – nicht selten unter Hingabe ihres Lebens?

 

Wenn wir mit anderen Menschen ins Gespräch kommen, sollten wir nicht mit unserem Bibelwissen oder unseren geistlichen Gaben prahlen. Wir sollten auch nicht „unsere“ Gemeinde in den Mittelpunkt stellen, denn sie gehört nicht uns, sondern dem, der sie mit seinem Blut erkauft hat. Wahre Einheit, herzliche Bruderliebe und geistliches Wachstum sind nicht das Ergebnis unserer eigenen Bemühungen. Sie sind dort zu finden, wo Christus alles und in allen ist!

 

„Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühme, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr.“

 

2.Kön.18,1-7; 16,1-4.10-16; 2.Chr.28,24-25; 29,1-30; 30,1.5-6.12-14.25-27; 31,20-21; 2.Kön.20,1-19; 2.Chr.32,24-25.31; Mt.7,7-8; Hebr.11,6; Ps.34,5.7.9; 1.Kor.4,7; Jer.9,22-23

 
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