21. - 22. Juni

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben.“  Hiob 19,25

 

Die Bibel berichtet uns von Hiob, einem Mann, der zu seiner Zeit ein gottesfürchtiges und rechtschaffenes Leben führte und das Böse mied. Dabei achtete er nicht nur auf seinen eigenen Lebenswandel, er sorgte sich auch um seine sieben Söhne und drei Töchter. Wenn sie gemeinsam ein Fest feierten, tat Hiob am nächsten Morgen Buße. Für jedes seiner Kinder  brachte er dem Herrn ein Brandopfer dar, denn er sagte sich: „Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen.“ Und es heißt: „So tat Hiob allezeit.“

 

Hiobs Name wurde zum Synonym einer Schreckensmeldung. Er erinnert an großes, unsagbares Leid! Doch wer kennt die Ursache der damaligen Ereignisse? Wer erinnert sich der Gottesfurcht Hiobs? Wer weiß, wie die Geschichte endet? Und was noch wichtiger ist: Wer hat dadurch für sein eigenes Leben bedeutsame Erkenntnisse gewonnen?

 

Hiob war sehr vermögend. Er besaß große Viehherden und hatte viele Bedienstete. Die Schrift sagt sogar: „Er war reicher als alle, die im Osten wohnten.“ Dann aber, an einem einzigen Tag, überstürzten sich die Ereignisse: Hiob erhielt die Nachricht, dass der größte Teil seiner Viehherden von wilden Horden geraubt und weggeführt, der Rest aber vom Feuer verzehrt worden war. Noch während man ihm solches mitgeteilte, eilte ein anderer Bote herbei, um ihm von einem großen Sturm zu berichten, der das Haus, in dem sich seine Kinder befanden, zum Einsturz gebracht hatte. Keiner hatte die Katastrophe überlebt!

Wir lesen: „Da stand Hiob auf und zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief und sprach: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen; der Name des Herrn sei gelobt!“ Die Schrift fügt hinzu: „In diesem allen sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider Gott.“

 

Kurze Zeit später wurde Hiob erneut von schwerem Leid heimgesucht. Diesmal traf es ihn selbst, seinen Leib: Vom Scheitel seines Kopfes bis zu den Fußsohlen bedeckten bösartige Geschwüre seinen Körper. Es wird uns gesagt: „Und er nahm eine Scherbe und schabte sich und saß in der Asche. Und seine Frau sprach zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb! Er aber sprach zu ihr: Du redest, wie die törichten Frauen reden. Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ Erneut wird uns gesagt: „In diesem allen versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen.“

 

Als drei seiner Freunde von Hiobs Unglück hörten, kamen sie, um ihm ihr Mitgefühl zu zeigen und ihn zu trösten. Als sie ihn jedoch sahen, erkannten sie ihn nicht wieder. Der Schmerz Hiobs schien grenzenlos. Sieben Tage und Nächte saßen sie so da, weinend und unfähig, angemessene Worte zu finden. Dann war Hiobs Kraft erschöpft, denn er verfluchte den Tag seiner Geburt und sprach: „Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: Ein Knabe kam zur Welt! Jener Tag soll finster sein, und Gott droben frage nicht nach ihm! Kein Glanz soll über ihm scheinen ... Siehe, jene Nacht sei unfruchtbar und kein Jauchzen darin!“

Die Freunde Hiobs waren der Meinung, dass die schrecklichen Schicksalsschläge, die ihn getroffen hatten, Ausdruck des Zornes Gottes und seine Strafe wären. Hiob selbst habe das Leid verschuldet, das über ihn gekommen ist. Sie sagten: „Ist nicht deine Gottesfurcht dein Trost, und die Unsträflichkeit deiner Wege deine Hoffnung? Bedenke doch: Wo ist ein Unschuldiger umgekommen? Oder wo wurden die Gerechten je vertilgt? Wohl aber habe ich gesehen: Die da Frevel pflügten und Unheil säten, ernteten es auch ein. Durch den Odem Gottes sind sie umgekommen und vom Schnauben seines Zorns vertilgt ... Der Mensch erzeugt sich selbst das Unheil.“ Und sie rieten Hiob: „Widersetze dich der Zucht des Allmächtigen nicht. Denn er verletzt und verbindet; er zerschlägt und seine Hand heilt.“

Hiob aber war sich keiner Schuld bewusst. Er war von der Lauterkeit seines Herzens und der Reinheit seiner Hände überzeugt. Daher glaubte er sich der Willkür Gottes ausgeliefert, denn er sagte: „Die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir; mein Geist muss ihr Gift trinken, und die Schrecknisse Gottes sind auf mich gerichtet.“ Er stellte Gott die Frage: „Warum machst du mich zum Ziel deiner Anläufe, dass ich mir selbst eine Last bin?“

Wenn, so dachte Hiob, der Höchste mit einem vergänglichen Menschen rechten und hadern wollte, wer konnte sich seinem Vornehmen widersetzen?

 

Nachdem man allerlei Vermutungen geäußert und so manches Urteil gefällt hatte, meldete sich Gott selbst zu Wort. Er antwortete Hiob aus dem Wetter und sagte zu ihm: „Wer ist's, der den Ratschluss verdunkelt mit Worten ohne Verstand? ... Wer mit dem Allmächtigen rechtet, kann der ihm etwas vorschreiben? Wer Gott zurechtweist, der antworte! ... Willst du mein Urteil zunichte machen und mich schuldig sprechen, dass du recht behältst?“

Hiob war tief betroffen und antwortete dem Herrn: „Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer ... Darum habe ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe.“ Schließlich bekannte Hiob: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche.“

Hiob hatte erkannt, dass er seine Situation nur aus seinem eigenen Blickwinkel beurteilt hatte, nicht aber mit den Augen des lebendigen Gottes. Er konnte es auch nicht, denn ihm war der Einblick in das himmlische Geschehen verborgen geblieben. Auch das Wesen und die Natur Gottes hatte er noch nicht völlig erkannt. Und eben deshalb irrte Hiob in seiner Beurteilung! Gleiches muss auch von seinen Freuden gesagt werden, denn Gott ließ einen von ihnen wissen: „Mein Zorn ist entbrannt über dich und über deine beiden Freunde; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob.“

 

Soweit der biblische Bericht. Bis zu diesem Moment betrachten wir die damaligen Ereignisse nur aus irdischer Sicht. Dabei hören wir von Ereignissen, die uns allen vertraut sind – einem Menschen widerfährt großes, unsagbares Leid. Es gibt Freunde, die kommen und ihn trösten wollen. Schließlich gibt es die rettende Hand Gottes, die den Elenden und Zerschlagenen wieder aufgerichtet.

Das Buch Hiob lässt uns dann aber in einen Bereich blicken, der uns Menschen normalerweise verschlossen bleibt, da unser Blick nur auf das Irdische, Zeitliche und Vordergründige gerichtet ist. Die Bibel hingegen, weil Gottes Wort, vermittelt uns auch das himmlische Geschehen. Sie lässt uns in das Unsichtbare und Ewige schauen. Sie zeigt uns die göttliche Perspektive!

Deshalb erfahren wir, dass Gott, der Herr, über Hiob hoch erfreut war. Er kannte seinen Namen und achtete auf jeden seiner Schritte. Mehr noch, er nannte ihn seinen Knecht und rühmte seinen Lebenswandel. Dies tat er, als sich die Engelsfürsten vor seinem Thron versammelten, unter ihnen auch der Satan. Ihn fragte Gott: „Wo kommst du her?“ Der Teufel antwortete: „Ich habe die Erde hin und her durchzogen.“ „Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob?“, wurde er vom Herrn gefragt, „denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse.“ Der Widersacher aber, korrupt, verschlagen und hinterhältig, gab zur Antwort: „Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat; was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen!“ Gott sprach: „Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht.“ Wir lesen: „Da ging der Satan hinaus von dem Herrn.“

 

Wer also war der Initiator des Unheils, das über Hiob kam? War es Gott? Ganz im Gegenteil! Der hatte seinen Knecht reich gesegnet und wollte ihm auch weiterhin nur Gutes zu tun. Der Herr hatte auch nicht den Entschluss gefasst, Hiobs Treue und Liebe ihm gegenüber zu prüfen. Gott misstraute seinem Knecht nicht! Es war auch nicht seine Absicht, Hiob in der Asche zu läutern oder zu demütigen. Nein! Gott wird nicht Böses benutzen, um Gutes zu bewirken. Die Gerechtigkeit hat nichts zu schaffen mit der Ungerechtigkeit, das Licht hat keine Gemeinschaft mit der Finsternis. Oder meinst du, Gott schlage uns Menschen blutige Wunden, um sich uns hernach als Arzt und Retter anbieten zu können? Niemals! Was sagt uns die Schrift? „Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand.“

Demnach waren es nicht die Pfeile des Allmächtigen, die Hiob getroffen hatten. Nicht dessen Gift wütete in seinem Leib. Hinter all dem Schweren, das Hiob zu ertragen hatte, steckte ein anderer – Satan, der Übeltäter, der Menschenmörder, der Dieb und Lügner von Anfang.

 

Wie sehr hasst es der Teufel, wenn sich jemand seiner Herrschaft widersetzt und das Böse meidet, sein Herz auf Gott ausrichtet, ihn liebt und im Licht seiner Gerechtigkeit wandeln will.

 

Hiob beugte sich sogar vor Gott und tat Buße, wenn er bei seinen Kindern auch nur ein Fehlverhalten vermutete. Satan jedoch, durch und durch verdorben, wollte nicht wahrhaben, dass ein Mensch Gott dient, ohne dabei eigennützige Ziele zu verfolgen. So trat er als Verkläger auf, unterstellte Hiob selbstsüchtige Motive, um dadurch die Harmonie und Eintracht zwischen Gott und Mensch zu zerstören – so, wie er es im Garten Eden auch getan hatte.

Als der Böse sah, dass Hiob Gott nicht absagte, obwohl ihm sein gesamter Besitz geraubt und alle seine Kinder getötet worden waren, trat er ein weiteres Mal vor den Thron des Höchsten und sagte: „Haut für Haut! und alles, was ein Mann hat, lässt er für sein Leben. Aber strecke deine Hand aus und taste sein Gebein und Fleisch an: was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen!“ Gott sprach: „Siehe da, er sei in deiner Hand, doch schone sein Leben! Wir lesen: Da ging der Satan hinaus vom Angesicht des Herrn und schlug Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel.“

Der Herr erlaubte dem Teufel, den Besitz Hiobs, dessen Familie und sogar seinen Leib anzutasten. Doch unter einer Bedingung: „Schone sein Leben!“

 

Es ist möglich, dass auch du, wenn du dem Herrn nachfolgst, ihn liebst und dein Herz vor ihm rein hältst, versucht werden wirst! Doch wisse, dass nicht Gott hinter diesen Anfechtungen und Versuchungen steht! Er wird dich nicht plagen und quälen; er schickt dir kein Leid und wirft dich nicht in den Staub. Vom Thron des Höchsten geht nichts Böses aus! Satan aber, dein Feind und Widersacher, will den Beweis erbringen, dass du deinem Herrn, Jesus Christus, nur solange nachfolgen und ihn lieben wirst, wie er dich segnet, beschenkt und dir wohl tut. Er geht davon aus, dass du Gott schon bald dein Vertrauen entziehen und dich von ihm abwenden wirst, sobald dein Besitz angetastet wird, du Entbehrungen erdulden und Verlust erleiden musst. Oder wenn dein seelisches oder körperliches Wohlbefinden aus den Fugen gerät.

Doch wie sehr wird der Widersacher zuschanden werden und wie sehr ist er bloßgestellt, wenn du auch in diesen Stunden mit ganzem Herzen an Jesus festhältst, ihm dein Vertrauen nicht entziehst, nicht daran zweifelst, dass er in deiner Nähe ist und sich liebevoll um dich sorgt.

Ja, Gott, der Herr, wird dich vor seinen Engeln rühmen, wenn du ihm auch in dunklen Stunden bekennst: Herr, ich liebe dich um deiner selbst willen! Du hast das Recht, mit mir zu tun, was du für das Beste hältst. Ich gehöre dir und nichts kann mich von deiner Liebe scheiden!

 

Vielleicht sitzt auch du gerade in der Asche, und deine Augen können nur Staub und Vergänglichkeit erkennen. Möglich auch, dass du einen bitteren Verlust zu beklagen hast und dir etwas Kostbares genommen wurde. Dann gehorche nicht der Stimme deines Widersachers, der dir rät: „Sage Gott ab und stirb!“ Halte an dem Bekenntnis fest, dass dein Gott gut ist und nicht von deiner Seite weichen wird!

Er wird dein Gefängnis wenden und dich zuletzt mit Herrlichkeit und Ehre krönen. Der letzte, der sich über dem Staub erhebt, wird nicht der Teufel sein, nicht der Verkläger und Versucher, nicht der Dieb und Mörder, sondern der auferstandene Herr und Christus. Lass deshalb Himmel und Erde wissen: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben!“

 

Rufe den Namen Jesu laut an und rühme seine Liebe und Treue. Du wirst sehen, eben noch schwach und zerschlagen, wirst du plötzlich dein Haupt erheben können, weil der Herr seine heilsame Hand auf deine Wunden gelegt hat und dir sein Auferstehungsleben zufließt.

Du hast Gottes Angesicht gesehen! Deshalb kannst du fest stehen! Deshalb wirst du das Feld behalten und dem Feind Widerstand leisten können. Deine Gedanken sind durch den Helm des Heils geschützt. Gottes Wahrheit umgürtet dich, der Brustpanzer seiner Liebe und Gerechtigkeit ist dein Schutz. Und dein Glaube wehrt alle feurigen Pfeile des Bösen ab.

Das aber, was du in dunkler Nacht von deinem Herrn und Heiland erkannt und gesehen hast, das wird zum Licht deines Lebens werden.

 

„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“

 

Hiob 1,1-5.13-22; 2,7-13; 3,1-7; 4,6-9; 5,7.17-18; 6,4; 7,18-20; 38,2; 40,2.8; 42,2-7; 2.Kor.6,14 b; Jak.1,13; Jh.8,44 b; Hiob 1,6-12; 2,1-7.19-25; Eph.6,10-14.16-17; Ps.73,23-26

 
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