25. - 26. Juli

„Und das Land trug in den sieben reichen Jahren die Fülle. Und Josef sammelte die ganze Ernte der sieben Jahre, da Überfluss im Lande Ägypten war, und tat sie in die Städte. Was an Getreide auf dem Felde rings um eine jede Stadt wuchs, das tat er hinein. So schüttete Josef das Getreide auf, über die Maßen viel wie Sand am Meer, so dass er aufhörte zu zählen; denn man konnte es nicht zählen.“  1.Mose 41,47-49

 

Vielleicht erinnerte sich Josef, während er vor dem Pharao stand, an den Tag, an dem er als Sklave nach Ägypten verkauft worden war. Dreizehn Jahre waren seither vergangen, viele Tage, Wochen und Monate, die dem jungen Mann in der Fremde alles abverlangt hatten.

Die Ismaeliter hatten ihn nach Ägypten gebracht und an Potifar, den Kämmerer des Pharao und Obersten der Leibwache, verkauft. Im Hause seines Herrn ging es Josefs zunächst sehr gut, denn als Potifar erkannte, dass Gott mit Josef war und ihm in allem, was er tat, Erfolg schenkte, übertrug er ihm die Verwaltung seines gesamten Besitzes.

Es dauerte jedoch nicht lange, bis erneut ein Schatten auf das Leben Josefs fiel: Die Frau seines Herrn hatte Gefallen an ihm gefunden und versuchte, ihn zum Ehebruch zu verleiten. Er aber weigerte sich hartnäckig, ihr willens zu sein. Eines Tages aber, als ihr Mann außer Haus war, griff sie nach Josef, um ihn zu verführen. Bei dem Versuch, sich ihr zu widersetzen, blieb sein Kleid in ihrer Hand zurück. In ihrer Eitelkeit gekränkt, erklärte sie Josef zum Initiator der ganzen Angelegenheit, der umgehend ins Gefängnis geworfen wurde und erneut vor dem Nichts stand. Mit einem Schlag war ihm alles genommen worden, was er besaß – diesmal sogar seine Ehre und sein guter Ruf. Gemäß seiner Träume sollte sein Weg aufwärts führen. Nun aber war er ganz unten angelangt!

Josef durfte nicht auf ein faires Gerichtsverfahren hoffen – nur auf den Beistand seines Gottes, dem er nach wie vor vertraute und der ihm auch hinter den Gefängnismauern treu zur Seite stand. Wir lesen: „Aber der Herr war mit ihm und neigte die Herzen zu ihm und ließ ihn Gnade finden vor dem Amtmann über das Gefängnis, so dass er ihm alle Gefangenen im Gefängnis unter seine Hand gab und alles, was dort geschah, durch ihn geschehen musste. Der Amtmann über das Gefängnis kümmerte sich um nichts; denn der Herr war mit Josef, und was er tat, dazu gab der Herr Glück“ (das ließ der Herr gelingen).

Die Hände Josefs waren gebunden, die Hände seines Gottes aber nicht. So kam es, dass Pharao seinen Mundschenk und den obersten Bäcker wegen eines Vergehens einsperren ließ. In einer der darauffolgenden Nächte hatten beide einen Traum, dessen Bedeutung sie nicht verstanden. Nur Josef konnte sie deuten! Und was er vorausgesagt hatte, traf genau so ein: Nach drei Tagen wurde der Mundschenk frei gelassen, den Bäcker hängte man an den Galgen. Der Mundschenk aber, nachdem er wieder in Amt und Würden war, vergaß den jungen Häftling schnell. Nur der Herr des Himmels und der Erde hatte Josef nicht vergessen! So kam es, dass der erste Mann des Staates – Pharao – eines Nachts einen Traum hatte, der ihn sehr beunruhigte. Doch keiner seiner Berater und kein ägyptischer Wahrsager konnte den Traum deuten – nur Josef vermochte es.

Nach dreizehn Jahren tiefsten Leids und bitterster Enttäuschungen durfte Josef schließlich seine dunkle Gefängniszelle verlassen und in einen herrlichen Palast einziehen. Der Pharao ernannte ihn zum Herrscher über ganz Ägypten und ließ ihn mit Ehrungen überhäufen. Ein Sklave, einer der Niedrigsten im Land, war zum zweiten Mann des Staates ernannt worden. Welch eine Wende!

 

Die Bibel berichtet uns weiter, dass Josef, als das Land sieben fette Jahre erlebte, den besten Teil der Ernte in große Scheunen sammeln ließ. Als der Zeit des Überflusses sieben dürre Jahre folgten, hatte er keinen Mangel; er konnte sogar allen, die zu ihm kamen, Nahrung austeilen. Doch wer erinnerte sich dann noch der vielen Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre, in denen Josef einsam und allein war, sich ausgestoßen und vergessen fühlte und unter schwersten Anfechtungen litt? Auch in dieser Zeit hatte Josef gesammelt! Er sammelte, was ihm Gott Tag für Tag in der Verborgenheit darreichte: Josef wurde reicher in der Erkenntnis Gottes. Er empfing Trost und gewann Zuversicht. Er nahm zu im Glauben. Sein Vertrauen in Gott wurde gemehrt. Josef ließ sich Sanftmut und Freundlichkeit schenken, seinem Herzen wurde Demut gegeben, Mitgefühl und herzliches Erbarmen.

Äußerlich betrachtet musste Josef dreizehn lange Jahre alles entbehren, wonach er sich sehnte – Geborgenheit und Wärme, Zuwendung und Liebe, Verständnis und Anerkennung, Hoffnung und Zukunft. Doch jede Demütigung und Kränkung, die er erlebte, jede Zurücksetzung und Erniedrigung, die ihm widerfuhr, stärkte seine Beziehung zu Gott, festigte sein Vertrauen in ihn. Der reiche Trost des Höchsten aber, seine Gegenwart und Treue, ließen das Herz Josefs weit werden, was ihn für die Not anderer empfindsam und mitfühlend machte. So gesehen wurde Josef in einer Zeit größter Armut und Entbehrung immer reicher!

 

Schließlich kam der Tag, an dem seine Brüder vor ihm standen und er sich ihnen zu erkennen gab. Doch er empfand keinen Hass, spürte kein Verlangen nach Vergeltung. Im Gegenteil: Das Herz Josefs war voller Liebe, frei von Groll und Rachgier! Er verurteilte seine Brüder nicht wegen ihrer schändlichen Tat. Er empfand auch keine Genugtuung darüber, dass sie nun als Bittsteller vor ihm standen und ihn um Brot baten. Stattdessen sagte er: „Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Und nun bekümmert euch nicht und denkt nicht, dass ich darum zürne, dass ihr mich hierher verkauft habt; denn um eures Lebens willen hat mich Gott vor euch hergesandt ... Aber Gott hat mich vor euch hergesandt, dass er euch übriglasse auf Erden und euer Leben erhalte zu einer großen Errettung. Und nun, ihr habt mich nicht hergesandt, sondern Gott … Und er fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und weinte, und Benjamin weinte auch an seinem Halse, und er küsste alle seine Brüder und weinte an ihrer Brust.“

 

Vielleicht erfährst auch du in diesen Tagen Schweres und Leidvolles. Du fühlst dich vergessen und hinter hohen Mauern eingesperrt. Du verstehst nicht, warum in deinem Leben dieses oder jenes geschieht. Dann lerne von Josef: Konzentriere dich nicht auf deine spezielle Not und hadere nicht mit deinem Schicksal. Glaube, dass die gute Hand deines Gottes auch jetzt noch schützend über dir ausgestreckt ist! Deshalb müssen „magere Jahre“ keinen Verlust bedeuten! Gottes Wort sagt sogar: „Unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“

 

Gib dem Verkläger keinen Raum in deinem Herzen, wenn dich andere verletzt oder von sich stoßen. Behalte das, was dich beschweren und niederdrücken will, nicht in deinem Herzen, sondern schütte dein Herz täglich vor Jesus aus. Wirf alle deine Sorgen auf ihn! Er sorgt für dich! Wende deinen Blick und blicke auf ihn, der dein Leben ist. Vertraue ihm, dass er dich auch im dunklen Tal bewahren kann und zu führen weiß. Er wird dir im Angesicht deiner Feinde einen Tisch decken und dein Haupt mit frischem Öl salben! Er wird die Elenden emporheben und zu Ehren bringen!

Auch dunkle Tage können Tage der Ernte sein! Sammle, was dir Christus von sich selbst zeigt und womit er dich ermutigt. Halte jedes Wort fest, das er dir zuspricht, und bewahre es in deinem Herzen – die kostbaren Zusagen und Verheißungen, womit dich der Herr ermutigt, tröstet, stärkt und aufrichtet. Ernte, was Gott dir darreicht! Vielleicht wird schon morgen ein Mensch vor dir stehen, der deinen Trost und deine Hilfe benötigt. Dann wirst du ihm mit der Gnade dienen können, die du selbst empfangen hast. Du wirst ihn mit dem Trost trösten, mit dem dich Gott getröstet hat. Die Einsamkeit, die du erlebst und die Tiefen, die du durchschritten hast, werden dein Herz für die Not anderer weich und mitfühlend machen.

Du wirst deinem Gegenüber bezeugen können: Gott, der Herr, hat mich vor dir hergesandt, damit ich dich verstehen und mit dir fühlen kann.

 

Wenn du dann auch noch den Menschen in Liebe und mit Sanftmut begegnen kannst, die dir Böses erwiesen haben, dann sind deine Scheunen mit dem Besten gefüllt, das ein Mensch auf dieser Erde sammeln kann.

 

1.Mose 37,2-11, 23-36; 39,1-23; 40,1-23; 41,1-46; 44,14; 45,4-8.14-15; 2.Kor.4,16-18; Ps.62,9; 1.Petr.5,6-10; Hebr.12,1-3; Ps.23,4-5; Lk.2,19; Kol.3,4.16; 2.Kor.1,3-6; Phil.2,1-4

 
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