25. - 26. März

„Eines aber weiß ich: dass ich blind war und bin nun sehend!“ Johannes 9,25

 

Wenn Jesus dein Herrn und Retter geworden ist, bist du qualifiziert, sein Zeuge zu sein. Vielleicht sagst du aber: Das kann ich nicht. Ich bin kein Prediger. Ich wüsste nicht, was ich sagen soll. Auch meine Bibelkenntnisse sind nur unzureichend.

Im Neuen Testament wird uns von einem Mann berichtet, der Jesus bezeugte, obwohl er auf die Fragen, die man ihm stellte, keine Antworten wusste. Von Geburt an blind, hatte er noch nie das Sonnenlicht gesehen. Dann, eines Tages, kam ein Mann zu ihm, der einen Brei auf seine Augen schmierte und ihn zu einem nahegelegenen Teich schickte, wo er sich waschen sollte. Nachdem er das getan hatte, war er geheilt: Von Stund an konnte er alles klar und deutlich sehen.

Der Mann, der ihm das Augenlicht schenkte, war dem Blindgeborenen unbekannt. Er hatte nur dessen Namen gehört. Was also sollte er denen antworten, die ihn fragten: „Wie sind deine Augen aufgetan worden?“ Er sagte: „Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und strich ihn auf meine Augen und sprach: Geh zum Teich Siloah und wasche dich! Ich ging hin und wusch mich und wurde sehend.“

Mit dieser Erklärung wollten sich die Juden nicht zufriedengeben. Das klang ihnen viel zu einfach. Auch widersprach es ihren bisherigen Erfahrungen. „Wo ist er?“ wollten sie daher wissen. Er antwortete: „Ich weiß nicht.“ Vor die Pharisäer gestellt erzählte er auch ihnen seine Geschichte: „Einen Brei legte er mir auf die Augen, und ich wusch mich und bin nun sehend.“ Die Gesetzeslehrer wollten unbedingt verhindern, dass jemand bekennt, Jesus sei der Christus. Sie wollten, dass man in ihm einen ganz gewöhnlichen Menschen sieht. So sagten sie zu dem Geheilten: „Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält.“ Als sie ihn schließlich aufforderten: „Gib Gott die Ehe! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist“, antwortete er: „Ist er ein Sünder? Das weiß ich nicht; eins aber weiß ich: dass ich blind war und bin nun sehend.“

 

Menschen mögen uns verspotten, unser Zeugnis anzweifeln, unsere Motive hinterfrage oder uns in theologische Diskussionen verwickeln. Doch wir bleiben dabei: Wir waren blind und sind nun sehend! Wir können und wollen niemand überreden, doch wir bezeugen, was Jesus an uns getan hat: Früher konnten wir seine Schönheit nicht erkennen. Wir waren blind für seine Herrlichkeit. Doch nun erstrahlt sein Bild vor unseren inneren Augen. Wer sollte uns diese Erfahrung ausreden wollen?

Unser Zeugnis ist auch für Gott überaus kostbar. Deshalb sagte der Apostel Paulus: „So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt, Lasst euch versöhnen mit Gott!" Und an einer anderen Stelle schrieb er: "Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch Christi unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren werden: diesen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben.“

 

Die Juden bedrängten den ehemals Blindgeborenen und wollten wissen, wie er sehend geworden war. Sie fragten nach einer Methode, waren aber nicht an der Person interessiert, die das Wunder der Heilung bewirkt hatte. „Wie sind deine Augen aufgetan worden? ... Wo ist er? ... Wieso ist er nun sehend?“ Keine ihrer Fragen konnte der Geheilte beantworten. Wer Jesus war und woher er kam, wusste er nicht. Eines aber war ihm klar: „Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun.“

Seltsam, anstatt sich darüber zu freuen, dass der, der sein Leben lang blind gewesen war, nun sehend vor ihnen stand, verwickelten ihn die Pharisäer in theologische Diskussionen, ja, sie tadelten ihn und unterstellten ihm unlautere Motive: „Du bist ganz in Sünden geboren und lehrst uns?“ Schließlich stießen sie ihn von sich und untersagten ihm den Zutritt zu ihrem Gotteshaus.

Als Jesus davon hörte, suchte er ihn erneut auf und fragte ihn: „Glaubst du an den Menschensohn?“ Der Geheilte antwortete: „Herr, wer ist's, dass ich an ihn glaube.“ Erst jetzt gab sich ihm Jesus zu erkennen und sagte: „Du hast ihn gesehen und der mit dir redet, der ist's. Er aber sprach: Herr, ich glaube, und betete ihn an.“

 

Rede von dem, was du von Jesus erkannt hast, und der Herr wird sich dir weiter offenbaren. Er verheißt dir: „Wer hat, dem wird gegeben!“

Auch in der Apostelgeschichte wird uns von einem Mann berichtet, der vom Heilsplan Gottes nur wenig erkannt hatte. Das aber, was er wusste, erzählte er begeistert weiter. Die Schrift berichtet: „Es kam aber nach Ephesus ein Jude mit Namen Apollos, aus Alexandria gebürtig, ein beredter Mann und gelehrt in der Schrift. Dieser war unterwiesen im Weg des Herrn und redete brennend im Geist und lehrte richtig von Jesus, wusste aber nur von der Taufe des Johannes.“

Wir müssen nicht warten, bis wir über ein umfassendes biblisches Wissen verfügen. Wenn wir anderen Menschen von dem erzählen, was wir von Jesus erkannt haben und was er uns Gutes getan hat, dann wird Gott unser Erkennen mehren. So war es auch bei Apollos. Gott sah sein Herz an. Und er hatte Mittel und Wege, diesem Mann tiefere Einsicht zu schenken. Wir lesen: „Er fing an, frei öffentlich zu predigen in der Synagoge. Als ihn Aquila und Priszilla hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer aus.“ Apollos liebte Jesus und verkündigte, was er von ihm erkannt hatte. Gleichzeitig besaß er ein demütiges Herz. Er war bereit, zu lernen und sich von Menschen helfen zu lassen. So konnte ihm Gott größere Einsicht und mehr Licht schenken!

Ein Schiff, dessen Segel im Wind stehen, kann man leicht lenken. Ein Schiff aber, das fest vor Anker liegt und keine Segel gesetzt hat, wird man nur schwer bewegen können.

 

In unserem Bemühen, Christus vor anderen Menschen bekennen zu wollen, sind wir uns oftmals selbst das größte Hindernis. Was wird man von mir denken? Wie wird man reagieren? Wird man mir glauben oder mich verlachen?

Als man Jesus nach seiner Verhaftung zum Verhör führte, folgte ihm Petrus in sicherem Abstand. Später saß er im Hof des Hohenpriester und wärmte sich mit anderen an einem Feuer. Plötzlich sagte eine Magd: „Dieser war auch mit ihm.“ Er aber leugnete und sprach: „Frau, ich kenne ihn nicht.“

Wenn wir Jesus nachfolgen und ihn vor anderen bekennen wollen, dann dürfen wir nicht zu lange am „Feuer der Welt“ verweilen. Deshalb sagt Gottes Wort: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen.“

Als Petrus seinen Herrn in jener Nacht schließlich dreimal verleugnet hatte, ergab es sich, dass Jesus gerade vorbeigeführt wurde und ihn anschaute. Danach ging Petrus hinaus und weinte bitterlich!

Wenn wir uns schämen, Jesus zu bezeugen, sollten wir in seine Augen blicken.  Er kam um unsertwillen auf diese Erde. Er erduldete Ablehnung und Spott. Er ließ sich anspucken und peinigen. „Er bot seinen Rücken dar denen, die ihn schlugen.“ Er schämte sich nicht, für uns die bittere Schmach des Kreuzes zu erdulden. Doch wie konnte er uns seine Liebe bezeugt, wie seine Vergebung anbieten, wie unsere blinden Augen öffnen? Er tat es, indem er Menschen benutzte, die uns das herrliche Evangelium seiner Gnade verkündigten. Als er sie zu uns sandte, schämten sie sich nicht, ihren Erlöser zu bezeugen. Und so konnte Jesus unser Herz gewinnen!

Daher wollen auch wir nicht verschweigen, was er uns Gutes getan hat – auch werden wir nicht alle Fragen beantworten können, die man uns stellt. Eins aber wissen wir: Wir waren blind und sind nun sehend.

 

Jh.9,1-34; 2.Kor.5,20; 2,15-16; Mt.13,12; Apg.18,24-26; Lk.22,54-62; Ps,1,1; Jes.50,6

 
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