25. - 26. September

„Hast du mich lieb?“ Johannes 21,16

 

Simon, ein Pharisäer, hatte Jesus in sein Haus eingeladen. Während man gemeinsam zu Tische saß, trat plötzlich eine Frau von hinten an Jesus heran und warf sich ihm zu Füßen. Dabei weinte sie so sehr, dass die Füße Jesu von ihren Tränen nass wurden. Mit ihren Haaren trocknete sie dann seine Füße, küsste sie immerzu und salbte sie mit Öl. Alle, die diesem Geschehen beiwohnten, blieben davon nicht unberührt. Simon aber, der die Frau kannte und wusste, dass sie eine stadtbekannte Sünderin war, rümpfte verächtlich die Nase.

 

Jesus, dem die Reaktion seines Gastgebers nicht verborgen blieb, wandte sich ihm zu und sagte: „Simon, ich habe dir etwas zu sagen ... Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. Da sie aber nicht bezahlen konnte, schenkte er’s beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben?“ Der Pharisäer wusste die Antwort: „Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat.“ „Du hast recht geurteilt“, sagte Jesus und zeigte auf die Frau, die zu seinen Füßen lag: „Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mit kein Wasser für meine Füße gegeben, diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mit keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.“

 

Viel Vergebung bewirkt viel Liebe! Deshalb muss die Frage an dich und mich lauten: Wie oft am Tag lassen wir uns vergeben?

Jakobus sagte: „Wir straucheln oft!“ Wenn wir also ständig fehlen und oftmals versagen, dann benötigen wir auch ständig göttliche Vergebung. Geschieht dies nicht, obwohl wir doch ständig fehlen, wird unser Herz hart und kalt. Ein Mensch, dem wenig vergeben wird, der wird auch wenig lieben.

 

Wie aber kann es dazu kommen, dass wir plötzlich nicht mehr die göttliche Vergebung beanspruchen, obwohl wir doch so fehlerhaft sind? Vielleicht, weil wir unsere Verfehlungen für harmlos halten. Unser Versagen scheint uns nur ein Ausrutscher zu sein, eine Banalität, der man keine besondere Bedeutung beimessen muss. Mit dieser Einschätzung aber unterliegen wir einem Irrtum!

„Die Sünde“, sagt die Schrift, „ist der Leute Verderben!“ Und im Neuen Testament lesen wir sogar: „Der Lohn der Sünde ist der Tod.“

 

Sünde trennt uns vom Lebensstrom Christi. Sie schneidet uns ab vom Baum des Lebens. Sie knechtet und versklavt uns und öffnet dem Verderber eine Tür, damit er in unserem Leben agieren kann. Dann aber wird er stehlen und umbringen, was uns das Kostbarte ist – unsere lebendige Beziehung zu Jesus. Genau deshalb, weil die Sünde uns vom wahren Leben trennt, bringt sie immer den Tod!

 

Auch David, ein Mann nach dem Herzen Gottes, versagte und sündigte. Die Folgen seiner Verfehlungen waren verheerend. Seine inneren Leiden aber beschrieb er in einem Psalm, den er in dieser Zeit dichtete. Er sagte: „Als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird.“

Was tat David, um die Qualen seines Herzens zu beenden? Er kam zu dem, der ihn von der Last seiner Sünde befreien konnte, und er sagte zu seinem Gott: „Da bekannte ich dir meine Sünde und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir meine Sünde.“

 

Nun mag jemand einwenden, dass es in seinem Leben keine schwerwiegenden Verfehlungen gibt, dass er weder in Ehebruch lebt, noch einen Mord begangen hat. Doch David betete auch: „Wer kann merken, wie oft er fehlt? Verzeihe mir auch die verborgenen Sünden!“

In Gottes Augen ist alles, was wir getrennt von Christus tun, was nicht in Ihm, durch Ihn und zu Ihm hin geschieht, eine Zielverfehlung – eine Sünde. Wer aber erkennt, wie oft er an diesem Punkt gefehlt hat? Daher ist es die Aufgabe des Heiligen Geistes, uns dafür die Augen zu öffnen.

Geistliche Kälte und innere Distanz zu Jesus dürfen in unserem Leben niemals zur Normalität werden. Bleibe deshalb ständig im Genuss der Barmherzigkeit Gottes und höre nicht auf, seine Vergebung zu empfangen. Hast du versagt und gefehlt? Dann laufe zu deinem himmlischen Vater, der dich, egal wie fern du von ihm bist, sieht und immer auf dich wartet! Wirf dich in seine Arme! Empfange Reinigung durch das Blut Jesu, seines Sohnes. Lass dich von deinem Herrn und Retter umarmen, herzen und küssen. Hast du „geschlafen“ und nicht an seiner Seite gewacht? Hast du dein „Schwert“ gezogen und einem anderen „das Ohr“ abgehauen“? Oder hast du Jesus im entscheidenden Moment verleugnet?

Dann darfst du jetzt zu Jesus kommen und in seine Augen blicken! Kannst du darin einen Vorwurf erkennen? Er fragt dich nur: „Hast du mich lieb?“

Hast du ihn lieber als alles andere, lieber auch als dein Versagen und deine Frustration? Dann bleibe nicht bei deinen negativen Erfahrungen stehen und verharre nicht länger in Selbstbetrachtung!

Tue das, was David tat, der sagte: „Da bekannte ich dir meine Sünde und meine Schuld verhehlte ich nicht.“ Dann wirst du sagen können: Da vergabst du mir meine Schuld! Da nahmest du mich auf! Da hast du mich an dein Herz gedrückt und mich zum Festmahl geladen. Da hast du mich von aller Ungerechtigkeit gereinigt und mir das beste Kleid angezogen – das Kleid deiner Gerechtigkeit. Da hast du mich emporgehoben. Und plötzlich jubelte der ganze Himmel, die Engel Gottes freuten sich, weil ein Sünder umgekehrt war und seine Verfehlungen bereute. Ich erkannte, dass du um meinetwillen am Kreuz gestorben bist und dein Leben für mich hingegeben hast – weil du mich so sehr liebst. Ich spürte, wie mein Herz in heißer Liebe zu dir entbrannte. Als du mich dann fragtest: Hast du mich lieb?, da konnte ich aus tiefster Überzeugung sagen: Herr Jesus, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Ich liebe dich mehr als alles andere!

 

Wem viel vergeben wird, der liebt viel!

 

Lk.7,36-47; Jk.3,2 (Elberfeld); Spr.14,34; Röm.6,23 (Elberfeld); Ps.32,3-5; 19,13; Jh.16,8; Lk.15,18-24.10; 1.Jh.1,9; Jh.21,15-17

 
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