27. - 28. Juli

„Sechs Tage vor dem Passahfest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den Jesus auferweckt hatte von den Toten. Dort machten sie ihm ein Mahl, und Marta diente ihm; Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch saßen. Da nahm Maria ein Pfund Salböl von unverfälschter, köstlicher Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber wurde erfüllt vom Duft des Öls.“  Johannes 12,1-3

 

Nur noch sechs Tage, dann würde man Jesus in Jerusalem gefangen nehmen und kreuzigen. Der Herr wusste, was ihn erwartete: Verrat, Intrigen, Hass, Spott, Ablehnung und Leiden. Nur noch wenige Tage, dann würde sich die Macht der Finsternis, gepaart mit menschlicher Bosheit, über ihn herfallen und sich an ihm austoben. Jesus wusste aber auch, dass der Leidensweg, der vor ihm lag, dem Ratschluss Gottes entsprach. Er, der Gerechte, sollte die Sünden der ganzen Welt auf sich nehmen und zum Sühneopfer werden. Auf Jesus wartete das Gericht Gottes, dazu eine Einsamkeit, wie er sie zuvor nie erlebt hatte: Der Vater würde sein Angesicht verhüllen und sich eine Zeit lang von ihm abwenden. Danach sollte Jesus für alle den Tod schmecken!

Das alles hatte Jesus vor Augen, als er in einem Haus in Betanien einkehrte. Wie kostbar muss es daher für ihn gewesen sein, als man ihn dort liebevoll aufnahm und ihm zu Ehren ein Mahl bereitete. Wie wohl muss sich Jesus in dieser Gemeinschaft gefühlt haben, angesichts dessen, was ihn in Jerusalem erwartete.

 

Das Festmahl fand im Hause Simons statt, eines ehemals Aussätzigen, den Jesus geheilt hatte. Auch Lazarus war anwesend. Ihn hatte der Herr vom Tod auferweckt. Natürlich waren auch dessen Schwestern, Marta und Maria, zugegen. Während Marta allen diente, nahm Maria kostbares Nardenöl und salbte damit die Füße Jesus, wodurch sich im Haus ein Wohlgeruch verbreitete.

 

Betanien bedeutet: „Haus der Armen“ oder „Haus der Bedrängnis“ und wir wissen, dass es solche Häuser millionenfach gibt! Das Haus in Betanien aber unterschied sich in einem wesentlichen Punkt von anderen Häusern, in denen Arme und Bedürftige wohnen. Jesus selbst war anwesend! Seine Gegenwart ließ die Versammelten ihre Armut und Bedürftigkeit vergessen.

Das Haus in Betanien spiegelt die Gemeinde Jesu wider: Wir alle, die wir in den Armen Jesu Zuflucht und Geborgenheit fanden, sind die Armen, denn wir sind uns der Tatsache bewusst, dass wir der Herrlichkeit Gottes ermangeln. Gleichzeitig sind wir auch die Bedrängten, denn jeder Tag, den wir erleben, offenbart, dass wir nicht mehr unbeschwert im Garten Eden wandeln, sondern in einer Welt leben, in der wir unzähligen Gefahren und Angriffen des Bösen ausgesetzt sind. Wir sind, wie die Schrift sagt: „von allen Seiten bedrängt“.

Doch obgleich innerlich arm und äußerlich hart bedrängt, sind wir dennoch voller Freude und Zuversicht. Es ist die Gegenwart Jesu. Er ist mitten unter uns und tröstet uns. Mehr noch: Christus kann unseren Mangel, wie groß er auch sein mag, mit dem Reichtum seiner Herrlichkeit ausfüllen.

 

Auch wir waren einst – wie Simon – aussätzig und ausgeschlossen. Doch Gott hat uns gereinigt und angenommen. Gleicherweise waren wir – wie Lazarus – tot in unseren Sünden und Übertretungen. Doch Gott hat uns mit Christus lebendig gemacht und mit ihm auferweckt. Wir sind vom Tod zum Leben hindurchgedrungen! Daher ist es nur folgerichtig, dass wir unserem Erretter danken und ihn preisen. Das Lob aber, das aus unserem dankbaren Herzen fließt, gleicht dem kostbaren Nardenöl, das Maria über Jesus ausgoss. Und während wir Jesus ehren und erheben, steigt ein Wohlgeruch auf, der das ganze Haus erfüllt.

 

Wenn wir uns versammeln, wollen wir Jesus unsere Liebe bezeugen. Er ist es wert, dass wir ihn hoch erheben. Wir wollen ihn für das loben, was er ist und was er für uns getan hat! Wir singen zur Ehre seines Namens und nichts darf diesen Lobpreis stören. Niemand darf daran gehindert werden, dem Herrn auf diese Weise zu dienen, denn dadurch bereiten wir Christus ein Mahl.

Alles andere ist zweitrangig und muss sich diesem Wunsch unterordnen.

 

Wie sehr genießt Jesus, der Herr, solche Versammlungen: Wir genießen seine Anwesenheit und preisen ihn für sein Errettungswerk, und er freut sich an uns, seinen Erlösten.

 

Wenn wir einer Gemeinschaft beiwohnen, in der Jesus gelobt wird und ihm die Erlösten ihre Liebe bezeugen, dann werden wir davon nicht unberührt bleiben. Egal, womit wir uns gerade beschäftigen, durch den Lobpreis wird unser Herz Jesus nähergebracht. Plötzlich spüren wir, dass er selbst, der Auferstandene, zu uns spricht, dass er uns berührt, tröstet und von der Last befreit, die uns eben noch niederdrückte. Wenn wir dann den Namen Jesu anrufen – voller Liebe, Sehnsucht und Dankbarkeit –, werden wir, wie Simon, innerlich gereinigt und, wie Lazarus, neu belebt.

In „Betanien“ wird unsere Liebe zu Jesus, unserem Herrn, immer wieder neu geweckt!

 

Solch ein Gemeinschaftsleben kann nicht verborgen bleiben! Deshalb lesen wir: „Da erfuhr eine große Menge der Juden, dass er dort war, und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern um auch Lazarus zu sehen, den er von den Toten erweckt hatte.“

 

Wie sehr verlangt es Jesus – mitten in einer Welt des Unglaubens und der Ablehnung – nach einem Ort, an dem er willkommen geheißen wird, an dem ihm Menschen ihre Liebe bekennen, ihn ehren und hoch erheben, nach einem Ort, an dem ihm ein Dankopfer dargebracht wird – das Lobopfer der Lippen, die seinen Namen preisen.

Aber auch wir brauchen „Betanien“, den Ort, an dem wir uns mit Jesus und den Seinen versammeln, wo wir ihm dienen, unsere Wertschätzung bekunden und unser Lob darbringen.

 

Dies wird das Haus auf dem Berg sein, das nicht verborgen bleiben wird!

 

Lk.22,53b; Jes.53,3-4.10a; Mt.26,56b; 27,46; Hebr.2,9b; Röm.3,23; 2.Kor.4,8; Röm.8,31-32; Phil.4:19; Eph.2,1-5; Mk.14,3; Jh.5,24; Hebr.13,15; Mt.5,14

 
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