„Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda!“ Offenbarung 5,5

 

Die ersten Tränen, von denen die Bibel berichtet, wurden von Hagar, der Magd Saras, vergossen. Abraham hatte sie mit ihrem Sohn aus dem Haus gewiesen, woraufhin beide hilflos in der Wüste umherirrten. Wir lesen: „Als nun das Wasser in dem Schlauch ausgegangen war, warf sie den Knaben unter einen Strauch und ging hin und setzte sich gegenüber von ferne, einen Bogenschuss weit; denn sie sprach: Ich kann nicht ansehen des Knaben Sterben. Und sie setzte sich gegenüber und erhob ihre Stimme und weinte.“

Der Prophet Jeremia sprach sogar vom Klagen und Weinen eines ganzen Volks, denn er sagte: „Man hört ein klägliches Heulen und Weinen der Israeliten auf den Höhen, weil sie übel getan und den Herrn, ihren Gott, vergessen haben.“

Auch Petrus, der Jünger Jesu, weinte. Er vergoss bittere Tränen, nachdem er seinen Herrn und Meister dreimal verleugnet hatte.

Die Gründe, weshalb wir weinen, können vielfältig sein, doch zumeist sind unsere Tränen Ausdruck unserer eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit.

 

Die Bibel berichtet uns von einem Tag, an dem viele Tränen flossen: Lazarus war nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Vier Tage zuvor hatten seine beiden Schwestern, Marta und Maria, Jesus eine Nachricht geschickt und ihn wissen lassen, wie ernst es um ihren Bruder stand: „Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank.“

Als Jesus endlich kam, war Lazarus bereits entschlafen. Deshalb waren die Tränen, die am Grab vergossen wurden, mit Bitterkeit und Enttäuschung vermischt. Einer der Trauernden sprach aus, was viele dachten: „Er hat dem Blinden die Augen aufgetan; konnte er nicht auch machen, dass dieser nicht sterben musste?“ Auch Marta scheute sich nicht, Jesus Vorhaltungen zu machen und sagte: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.“ Die Bibel berichtet uns: „Als Jesus sah, wie sie weinte und auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, ergrimmte er im Geist und wurde sehr betrübt ... Und Jesus gingen die Augen über.“

Auch Gottes Sohn weinte!

 

Jesus tadelte die Leidtragenden nicht. Er machte niemand einen Vorwurf. Er weinte! Jesus weinte jedoch nicht aus Verbitterung oder Enttäuschung. Seine Tränen waren auch nicht Ausdruck von Ratlosigkeit, denn er wusste genau, dass Lazarus das Grab in Kürze verlassen würde. Jesus trauerte mit den Trauernden und weinte mit den Weinenden!

Am Grab des Lazarus fühlte Jesus unseren Schmerz – seine Tränen vermischten sich mit unseren. Jesus spürte das Leid, das der Tod über uns Menschen brachte. Während Gott, der Vater, uns die Fülle des Lebens zugedacht hatte, war Satan, der Dieb und Mörder, in unser Leben getreten, um uns permanent Lebenskraft und Lebensfreude zu rauben, ja, er plante sogar, uns alle in den Rachen des Todes zu stoßen.

Doch während wir jammern und klagen, weint Jesus – nicht weil er unsere Umstände als hoffnungslos erachtet, sondern wegen unseres Unglaubens – weil wir an ihm zweifeln und ihm nicht vertrauen, wo er doch sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“

 

Tränen flossen sogar am Tag der Auferstehung: Maria war am frühen Morgen zu dem Grab geeilt, in das der Leichnam Jesu gelegt worden war. Als sie ihn jedoch nicht finden konnte, weinte sie. Plötzlich erkannte sie zwei Engel, die sie fragten: „Frau, was weinst du?“ Sie antwortete: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“

Jesus hatte seinen Jüngern mehrmals gesagt, was ihn in Jerusalem erwartete: „Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“ Nun aber, in der Stunde des größten Sieges, nachdem Jesus die Sünde, den Tod und Satan überwunden, das Leben und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hatte, waren die Seinen ratlos und verzweifelt – nun vergossen sie Tränen. Sie weinten, weil sie nicht sahen, was Gott sah!

 

Im letzten Buch der Bibel wird uns eine Szene im Himmel beschrieben, die wir zu Herzen nehmen sollten: Johannes sah den, der auf dem Thron sitzt. In seiner rechten Hand hielt er ein Buch, inwendig und auswendig beschrieben. Doch niemand vermochte darin zu lesen, denn es war mit sieben Siegeln verschlossen. Dann fragte ein Engel: „Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen?“ Johannes wartete gespannt, ob jemand hervortreten würde, doch keiner wurde gefunden, weder im Himmel, noch auf der Erde, noch unter der Erde, der qualifiziert gewesen wäre. Wir lesen: „Und ich weinte sehr, weil niemand würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen.“

Johannes weinte, weil niemand würdig war, das Buch zu öffnen. Nehmen wir einmal an, dass dieses Buch die Geschichte Gottes mit uns Menschen beinhaltet – vom Anbeginn bis zu ihrer Vollendung, alles, was Gott in unserem Leben zu tun beabsichtigt, was er für uns vorbereitet hat und uns schenken will. Und natürlich auch, wie er sein Vorhaben zu bewerkstelligen gedenkt. Nehmen wir an, in diesem Buch wäre auch niedergeschrieben, was der lebendige Gott dir ganz persönlich zugedacht hat und wie du zu einem Königskind wirst, zum Erben seiner Herrlichkeit.

Doch während du das Buch öffnen willst, stellst du fest, dass es mit sieben Siegeln verschlossen wurde. Und dass es niemand öffnen kann. Das wäre ein Grund, sich die Augen auszuweinen!

Was aber sagt Gottes Wort? Johannes berichtete weiter: „Einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegeln. Und ich sah mitten zwischen dem Thron und die vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, dass sind die Gebete der Heiligen, und sie sangen ein neues Lied und sprachen: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.“

Mitten im Thronsaal Gottes steht ein Lamm – mit sieben Augen und sieben Hörnern. Es ist Jesus Christus, der Sohn Gottes und Sohn des Menschen. Er ist der Heilige und Gerechte, der Gekreuzigte und Auferstandene, der Fürst des Lebens, der Löwe von Juda, der Sieger über Sünde, Satan und den Tod. Er ist der Erstgeborene aus den Toten. In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit. Er ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen. Er ist qualifiziert, den Plan Gottes auszuführen.

Gott hat Jesus dazu bestimmt, deine und meine Heilsgeschichte zu erfüllen!

 

Als das Lamm das Buch nahm und die Siegel brach, begann ein neues Zeitalter für uns Menschen. Seither kann Gott Sünder reinigen, rechtfertigen und zu seinen Kindern machen. Wir können Teilhaber seiner göttlichen Natur und  Erben seiner Herrlichkeit sein.

Es gibt ein Lamm, das um unsertwillen erwürgt wurde. Sein Blut verliert nie seine Kraft und ist immer wirksam. Es wurde vergossen, um deine und meine Sünden abzuwaschen.

Christus ist aber auch der Löwe von Juda, der Überwinder, der starke Held. Er hat alles überwunden und aus dem Weg geräumt, was uns von Gott getrennt hat. Auch alle unsere Feinde hat er in den Staub getreten. Nun führt er uns in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes.

 

„Weine nicht! Siehe, es hat überwunden ...!“ Bleibe nicht am Boden liegen, wenn du versagt hast. Es gibt ein Lamm, das um deinetwillen erwürgt wurde, das deine Schuld und dein Versagen trug. Und wenn sich dir der Verkläger, der Dieb und Mörder, in den Weg stellt, dann kannst du ihn in den Staub stoßen – mit den sieben Hörnern des Lammes.

Welch herrliche Vision. Welch überragende Sicht. Niemals darfst du diese Tatsache vergessen und aus den Augen verlieren. Gott hat über dir den Himmel geöffnet und dich sehen lassen, was er sieht: Mitten in deinem Leben steht ein Lamm! Es ist der Löwe von Juda. Er hat überwunden, was du nicht überwinden konntest! Weine also nicht! Siehe! Wenn du erkennst, dass Gottes Lamm deine Gerechtigkeit, deine Reinheit, deine Kraft, dein Reichtum, deine Weisheit und deine Stärke ist, wird dein Herz in Dankbarkeit überfließen. Während du deinem Erretter Lob und Anbetung bringst, steigt dein Gebet als kostbares Räucherwerk zum Vater auf.

 

Weine nicht! Siehe!

 

1.Mose 21,9-19; Jer.3,21; Mt.26,75; Jh.11,1-3.5-6.37.21.32-35.25-26; 10,10; Hebr.2,17; Röm.12,15b; Jh.20,11-14; Mk.8,31-32; 2.Tim.1,10; Kol.1,18-20; 2,9; 1.Kor.15,22-25

 
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