29. - 30. Oktober

„Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt.“  Lukas 7,22

 

Lukas berichtet uns von einem sehr bewegenden Ereignis: Als sich Jesus mit seinen Jüngern der Stadt Nain näherte, waren sie nicht allein. Eine große Menschenmenge hatte sich ihnen angeschlossen. Alle waren gespannt und voller Erwartung, was der Mann aus Nazareth tun würde. Schließlich hatte man viel von ihm gehört und wollte dabei sein, wenn etwas Außergewöhnliches geschah.

Doch während sich die Menge der Stadt näherte, versuchte eine andere Gruppe, die Stadt zu verlassen. Diese Menschen aber befanden sich nicht in gehobener Stimmung. Im Gegenteil: Sie trugen einen Verstorbenen zu Grabe – den einzigen Sohn einer Witwe. Seine Mutter war nun allein! Wer würde für sie sorgen! An ihrem großen Schmerz konnten auch die vielen Menschen nichts ändern, die sich ihr tief bewegt angeschlossen hatten. Auch ihren bitteren Verlust vermochte keiner zu schmälern. Nur Jesus konnte es!

Die Bibel berichtet: „Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht. Und die Kunde von ihm erscholl in ganz Judäa und im ganzen umliegenden Land.“

Wem haben wir uns angeschlossen? Welcher Schar folgen wir heute? Sind wir mit Jesus unterwegs, voller Erwartungen, wie er sich uns offenbaren wird? Dann ist unser Herz froh gestimmt! Oder befinden wir uns gerade in einem „Trauerzug“? Dann sind unsere Augen voller Tränen, weil wir einen  Verlust zu beklagen haben. Schließlich kommt der Moment, in dem sich beide Gruppen treffen! Und Jesus ist in der Mitte!

Sein Herz ist voller Mitgefühl und Erbarmen! Er kennt deine Situation. Er weiß genau, was dich froh macht oder traurig stimmt. Es ist nicht nur sein Mitempfinden, das ihn veranlasst, sich dir zuzuwenden. Er will dir neues Leben schenken! Von ihm, dem Auferstandenen, geht Kraft aus. Christus ist das Leben! Wenn er dich berührt, kannst du dich von deiner Bahre erheben. Und die Worte, die er zu dir spricht, sind voller Autorität und Schöpferkraft.

 

Der Jüngling begann zu reden, nachdem Jesus ihn angerührt hatte. Und wenn deine Zunge die Barmherzigkeit und Lieblichkeit Jesu rühmt, dann wirst auch du leben und seinen Namen preisen können!

 

Verständlich, dass sich die Nachricht von der Auferweckung des Jünglings schnell verbreitete. „Gott hat sein Volk besucht“, war die einhellige Meinung. Doch während die Menschen den Besuch des Allmächtigen in ihrer Mitte verkündigten, gab es einen Menschen, den in dieser Stunde große Zweifel plagten: War Jesus tatsächlich der Messias, der Gesandte Gottes? Doch es war nicht ein Pharisäer oder Schriftgelehrter, den diese Frage umtrieb? Es war Johannes den Täufer! Die Bibel berichtet: „Und die Jünger des Johannes verkündigten ihm das alles. Und Johannes rief zwei seiner Jünger zu sich und sandte sie zum Herrn und ließ ihn fragen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“

 

Kann man glauben, was man liest? War das derselbe Mann, der zuvor das nahende Reich Gottes verkündigte, die Menschen zur Buße aufgerufen und Tausende im Jordan getauft hatte? Hatte er nicht bezeugt: „Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.“

Von wem hatte Johannes damals gesprochen? Doch von dem Mann aus Nazareth, an dem er nun zweifelte. Wie konnte es dazu kommen?

 

Wir alle wissen aus eigener Erfahrung, dass beides möglich ist. Obwohl wir die Barmherzigkeit und das Mitgefühl Jesu vor Kurzem erst erfahren haben und er unsere „Bahre“ angerührt hat, sodass wir ihn mit unserem Mund loben und preisen konnten, kann es doch sein, dass wir schon am nächsten Tag voller Zweifel sind. Auch eine tiefe innere Berührung mit Jesus ist keine Garantie dafür, dass wir nicht mehr an ihm zweifeln werden.

 

Was antwortete Jesus denen, die Johannes zu ihm gesandt hatte? „Geht und verkündigt Johannes, was ihr gesehen und gehört habet: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht ärgert an mir.“

Nachdem die Boten gegangen waren, sprach Jesus zum Volk. Er sprach von Johannes dem Täufer, als er sagte: „Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das vom Wind bewegt wird? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen sehen in weichen Kleidern? ... Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch: Er ist mehr als ein Prophet. Er ist’s, von dem geschrieben steht: 'Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.' Ich sage euch, dass unter allen die von Frauen geboren sind, keiner größer ist als Johannes; der aber der Kleinste ist im Reich Gottes, der ist größer als er.“

 

Wenn auch der Größte von Frauen geborene an Jesus zweifeln und sich über ihn ärgerte konnte, dann sind auch wir davor nicht gefeit. Oder glaubst du etwa, dass du größer bist?

 

Die Fragen, die Jesus dem Volk stellte, stellt er auch dir: Wonach suchst du? Warum folgst du Jesu nach? Was hast du von ihm erkannt? Was lässt dich zu der Überzeugung gelangen, dass er der Heiland Gottes ist? Die entscheidende Frage aber ist: Kann dir das, was du von Jesus erkannt und gesehen hast, auch in dunklen Stunden Halt geben? Oder wirst du dich dann an ihm ärgern?

Es ist wichtig, dass du nicht nur ein „Rohr“ gesehen hast, das der Wind bewegt – einen Menschen vielleicht, den Gott in beeindruckender Weise gebraucht hat. Zählen wird am Ende nur das, was der Herr an dir getan hat! Konnte er dir deine blinden Augen öffnen, sodass du seine Herrlichkeit gesehen hast? Durftest du seine Auferstehungskraft erfahren, sodass es dir möglich wurde, in einem neuen Leben zu wandeln? Hat er dich innerlich gereinigt? Hat er dir das Ohr geöffnet, so dass du seine Stimme hören und ihm folgen kannst? Gehörst du zu den Armen, die sich des Reichtums Christi erfreuen? Oder bist du der Meinung, dass du zu klein und unbedeutend bist? Weißt du nicht, dass der Kleinste im Neuen Bund größer ist als der Größte im Alten Bund? Die Geburt im Geist überragt die Geburt im Fleisch so weit, wie der Himmel die Erde! Wenn Gott dich also von neuem geboren hat, dann darf du dich deiner Größe rühmen, weil Gott dich in Christus herrlich gemacht und bis in die Himmel erhoben hat!

 

Jh.1,29-34; Lk.7,11-28; Eph.2,4-6; Jh.3,3; 2.Kor.5,17

 
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