3. - 4. Februar

„Christus ist mein Leben.“  Philipper 1,21

 

In den frühen Tagen der Gemeinde Jesu gab es einen Menschen, der sagen konnte: Christus ist mein Leben! Wer wissen möchte, auf welche Weise das Leben Jesu durch diesen Mann zum Ausdruck kam, dem sei der Brief des Paulus an die Philipper empfohlen.

Als Paulus diese Zeilen schrieb, befand er sich nicht etwa auf einer Missionsreise, um Menschen das Evangelium der Errettung zu verkündigen. Er besuchte auch keine Gemeinde, um die Heiligen im Glauben zu stärken. Nein! Als Paulus an die Gemeinde in Philippi schrieb, war er kein freier Mann, sondern ein Gefangener Roms. Deshalb ließ er seine Adressaten wissen: „Wie es um mich steht, das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten. Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium (oder "Richthaus") und bei allen anderen offenbar geworden.“

Der Apostel trug Fesseln – um Jesu willen, nicht wegen eines Vergehens. Doch während er Tag für Tag viele Unannehmlichkeiten ertragen musste, kamen keine Klagen über seine Lippen. Seinem Brief ist auch keine Resignation zu entnehmen. Weder heischte Paulus nach Mitleid, noch suchte er Anteilnahme. Ihn bewegte auch nicht die Frage: Herr, warum muss ich das alles erleiden? Ich bin doch dein Diener! Könnte ich dir in Freiheit nicht besser dienen und nützlicher sein? Stattdessen schrieb er: „Ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werden, sondern frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werden an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben!“

 

Wenn Christus unser Leben ist, dann können wir nur gewinnen! Alles, was wir erleben, soll dazu dienen, dass wir erkennen, wie stark und siegreich das Leben ist, das Gott uns in seinem Sohn geschenkt hat. Wie uns das Leben Jesu erreicht, beschrieb Paulus mit folgenden Worten: „Ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi!“

Welch eine großartige und unfassbare Tatsache: Christus, der gekreuzigte, auferstandene und erhöhte Herr, kann uns allezeit erreichen – ganz gleich, wo wir uns gerade befinden. Mehr noch: Er umgibt uns nicht nur von allen Seiten, der Geist Jesu Christi wohnt sogar in den Herzen seiner Gläubigen. Es ist eine wunderbare Wahrheit, dass unser Erretter, während er zur Rechten des Vaters sitzt, um für uns einzustehen, gleichzeitig in uns wohnt. Deshalb können auch wir sagen: Christus ist mein Leben!

Paulus rühmte sich nicht seiner Leidensbereitschaft und Hingabe. Nein! Er rechnete mit dem Beistand des Geistes Jesu Christi! Der Apostel wusste, dass ihn Jesus überall und an jedem Ort erreichen konnte – wie die Luft, die ihn umgab, die er atmete und die vor seiner Gefängniszelle nicht haltmachte. Deshalb konnte Paulus die Gläubigen sogar ermutigen: „Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freut euch!“

Der Geist Jesu Christi kennt keine Mauern! Ihm bleibt keine Gefängniszelle verschlossen. Der Auferstandene durchdringt jedes Hindernis und erreicht uns an jedem Ort. So kommt Gottes Gnade zu uns, egal, wo wir uns gerade befinden.

 

Vielleicht sitzt du heute nicht in einem Gefängnis. Und doch gibt es Stunden oder sogar Tage, in denen du dich eingesperrt und deiner Bewegungsfreiheit beraubt fühlst. Davon sprach der Psalmist, als er sagte: „Gott, du hast uns geprüft und geläutert, wie das Silber geläutert wird; du hast uns in den Turm werfen lassen, du hast auf unsern Rücken eine Last gelegt, du hast Menschen über unser Haupt kommen lassen, wir sind in Feuer und Wasser geraten.“ Dann aber bezeugte er: „Aber du hast uns herausgeführt und uns erquickt.“

Jeder von uns kennt und erlebt „Gefängnis-Atmosphäre“. Doch gleichzeitig haben wir, die Gläubigen, eine einzigartige Möglichkeit – wir können durch Christus leben! Er erreicht uns durch den reichen Zustrom seines Geistes. So dient er uns mit der Kraft seiner Auferstehung, die uns aufhebt und an himmlische Örter versetzt, sogar dann, wenn wir äußerlich „eingeschlossen“ und bedrängt sind. Ohne diese Lebensversorgung würden wir in unserem „Gefängnis“ verzweifeln oder sogar Schaden erleiden.

 

Jesus, der Auferstandene, beschränkte sich jedoch nicht nur darauf, Paulus aufzurichten und zu ermutigen; der Beistand seines Geistes bewirkte weit mehr: Paulus betete für die Heiligen und sorgte sich um ihr Wohlergehen. So konnte er den Gläubigen in Philippi schreiben: „Ich danke meinem Gott, sooft ich eurer gedenke – was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden.“

Das Leben Jesu bewirkte in Paulus, dass Gebete gesprochen wurden, die zum Segen für andere Menschen wurden. Während Paulus an die Gläubigen in Philippi dachte, floss sein Herz in Dankbarkeit über. So gesehen war er keineswegs einsam. Er fühlte sich nicht alleingelassen – die Gläubigen waren in seinem Herzen, und er war mit ihnen aufs Engste verbunden. Die Fürbitte des Apostels durchbrach alle Gefängnismauern! Sie erreichte den Thron des Höchsten und blieb dort nicht ungehört! Gleichzeitig beteten die Gläubigen auch für Paulus, was ihm zur Stärkung diente.

 

Das Leben Jesu bewirkte in Paulus auch, dass er mit großer Dankbarkeit erfüllt wurde, wenn er für die Gläubigen betete. Deshalb schrieb er: „Und bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu. Wie es denn recht und billig ist, dass ich so von euch allen denke, weil ich euch in meinem Herzen habe, die ihr alle mit mir an der Gnade teilhabt in meiner Gefangenschaft und wenn ich das Evangelium verteidige und bekräftige. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von Herzensgrund in Christus Jesus.“

Durch die Standhaftigkeit und den Bekennermut des Apostels wurden viele Gläubige ermutigt. So schrieb Paulus: „Wie es um mich steht, das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten. Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind um so kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu.“

Dann aber sagte er: „Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft.“

Kann man glauben, was man hier liest? Ist es möglich, Christus aus eigennützigen Motiven zu verkündigen? Was aber sagte der Apostel, nachdem er diese Erkenntnis gewonnen hatte? Er schrieb: „Was tut's aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen.“

Auch daran wird deutlich, was das Leben Jesu in Paulus bewirkte – sein Herz war weit geworden.

Wir erkennen, wie falsch unsere Motive sein können, sogar während wir Gottes Wort verkündigen. Wenn wir es tun, dann nur mit der Absicht, Christus zu verherrlichen – nicht, um uns selbst groß zu machen. Beides zugleich ist nicht möglich! Auch konkurrieren wir nicht mit anderen Gläubigen. Wenn wir also hören, dass das Evangelium Gottes verkündigt wird, dann sollten wir uns darüber freuen.

Möge Gott, unser Vater, an jedem Ort Menschen erwecken, die sein wunderbares Evangelium bezeugen und bekannt machen. Darüber wollen wir uns freuen! Dabei ist es nicht unsere Aufgabe, die Motive und Beweggründe derer zu erforschen, die Gottes Wort verkündigen. Das wollen wir dem überlassen, in dessen Namen sie tätig sind.

 

Christus ist dein Leben geworden Rechne mit dem Beistand des Geistes Jesu Christi. Er kann auch deine „Gefängnismauern“ durchdringen, damit du dich in ihm freuen kannst – allezeit, überall. Und wenn dich das Verhalten anderer betrübt, dann kann der Auferstandene bewirken, dass dir sogar dies zum Heil und zur Errettung dient. Du wirst für Menschen beten können, die Gott dir aufs Herz legt und dabei große Freude und Zuversicht erfahren. Und wenn du hörst, dass Christus verkündigt wird, dann kannst du dich darüber freuen.

 

Das alles ist möglich, weil Christus dein Leben ist.

 

Phil.1,1-21; 4,4; Psalm 66,10-12; Röm.14,4.10-13

 
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