„Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.“ Lukas 2,52

 

Vielleicht bist du der Ansicht, dass Jesus keiner speziellen Prüfung bedurfte und sich nicht bewähren musste. War er nicht der Sohn Gottes, vom Heiligen Geist gezeugt, sündlos und gerecht? Besaß er nicht schon das Vertrauen des Vaters, bevor er auf diese Erde kam?

Wer so denkt, übersieht, dass Jesus auch ein wahrer Mensch war, ein menschliches Leben führte und als der Sohn des Menschen „Gehorsam lernte“. So nahm er zu an Weisheit, Alter und Gnade – bei Gott und den Menschen!

Die Bibel berichtet uns von einem Ereignis, das uns zeigt, welch reine Menschlichkeit Jesus besaß!

 

Als er zwölf Jahre alt war nahmen ihn seine Eltern mit nach Jerusalem zum Passahfest. Auf dem Rückweg war man zunächst der Meinung, Jesus sei mit Freunden vorausgeeilt. Bis sich herausstellte, dass er sich nicht unter den Verwandten und Bekannten befand. Die besorgten Eltern kehrten sofort um und eilten nach Jerusalem zurück, wo sie ihren Sohn drei Tage später fanden: Er saß mitten im Tempel unter den Schriftgelehrten, denen er interessiert zuhörte und Fragen stellte.

Die Schrift berichtet: „Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.“ Als ihn seine Mutter fragte: „Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht“, antwortete er ihr: „Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?“ Dann aber lesen wir: „Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan.“

 

Bereits mit zwölf Jahren wusste Jesus genau, wer er war – der Sohn Gottes. Wenn uns gesagt wird, dass sich die Gelehrten der damaligen Zeit über seine Klugheit staunten, dann dürfen wir annehmen, dass Jesus Kenntnisse besaß und über Einsichten verfügte, die seinen Eltern verborgen waren. Dennoch war er ihnen gehorsam, ordnete er sich ihnen unter – ohne aufzubegehren, zu murren und zu widersprechen. Und das, obwohl Josef und Maria keine fehlerfreien Menschen waren, während Jesus eine vollkommene, sündlose Natur besaß.

 

Was waren die Folgen seines Gehorsams und seiner Unterordnung? Wir lesen: „Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.“

 

Bevor Jesus im Alter von etwa dreißig Jahren seinen Dienst begann, kam er an den Jordan, um sich von Johannes dem Täufer taufen zu lassen. Der aber wehrte ihm mit den Worten: „Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?“ Worauf ihm der Herr antwortete: „Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“

Niemand war qualifiziert, Jesus zu taufen. Er selbst bedurfte auch nicht der Taufe, denn es gab in seinem Leben nichts, das er hätte ablegen müssen. Doch anstatt besondere Privilegien zu beanspruchen, war er bereit, sich untertauchen zu lassen. Damit zeigte er, dass er gewillt war, sich völlig mit uns und unserer Geschichte zu identifizieren – bis zum bitteren Tod am Kreuz, wo er um unsertwillen zur Sünde gemacht wurde.

Was aber geschah, als Jesus sich taufen ließ? Die Bibel berichtet: „Da tat sich der Himmel auf, und der heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ Danach lesen wir: „Jesus aber, voll heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan und wurde vom Geist in die Wüste geführt und vierzig Tage lang von dem Teufel versucht.“

 

Nachdem Jesus auch diese Prüfung bestanden hatte, wird uns gesagt: „Und Jesus kam in der Kraft des Geistes wieder nach Galiläa, und die Kunde von ihm erscholl durch alle umliegenden Orte. Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von jedermann gepriesen. Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen. Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht: 'Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat' ...“

 

Wie wurde Jesus zum Gesalbten Gottes? Seine Bewährungsprobe fand schon in seinem Elternhaus statt! Bereits dort entfaltete das Leben, das in ihm wohnte, seine Kraft und Schönheit. Warum konnte sich Jesus willig unterordnen? Weil er Stunde um Stunde in dem sein wollte, was seines Vaters ist! So blieb er in der Liebe Gottes bewahrt, aber auch in dessen Gerechtigkeit und Frieden. Demnach begann sein „Gottesdienst“ nicht erst in der Synagoge. Er diente dem, der ihn gesandt hatte, immer und überall. So konnte er seine Eltern ehren, sich ihnen unterordnen und ihnen gehorsam sein.

 

Wir alle sehnen uns nach der Fülle des Geistes und seiner Führung. Froh wären wir auch, wenn wir voller Gnade und Weisheit wären. Gerne würden wir auch sehen, wie der Versucher vor uns die Flucht ergreift. Doch geistliche Reife erlangen wir nicht über Nacht! Sie wird dem gegeben, den Gott als bewährt erfunden hat! Deshalb ruft Paulus seinem jungen Mitarbeiter Timotheus zu: „Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als ein rechtschaffener und untadeliger Arbeiter …“

 

Fällt es dir schwer, dich unterzuordnen – Eltern, Geschwistern, deinem Ehepartner oder deinen Arbeitskollegen? Pochst du auf dein Recht? Dann wirst du schwerlich Weisheit gewinnen! Auch an Gnade bei Gott und den Menschen wirst du nicht zunehmen.

Bist du dir der Tatsache bewusst, dass die Umgebung, in der du lebst, dein „Nazareth“ ist – der Ort deiner Bewährung? Hier will dich Gott zurüsten!

 

Betrachte die Menschlichkeit Jesu. Begib dich in „das Seine“! Lass sein Gesinnung zu deiner Gesinnung werden. Sei willig, loszulassen und abzusteigen! Tauche unter im Tod Jesu und lege alles eigene ab. Du wirst erfahren, wie sich der Himmel über dir öffnet. Gottes Geist wird wie eine Taube auf dir ruhen – Christus wird zu deiner Sanftmut und Freundlichkeit, zu deiner Güte und Langmut! Und während du in ihm bleibst und dich seiner Gegenwart erfreust, wächst sein Leben in dir auf.

So wirst du an Weisheit und Gnade zunehmen – bei Gott und den Menschen!

 

Lk.2,41-52; Hebr.5,8; Mt.3,13-15; Lk.3,21-22; 4,1-2.14-18, Phil.2,5-8; 2.Tim.2,15

 
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