„Ich habe David gefunden, den Sohn Isais, einen Mann nach meinem Herzen, der soll meinen ganzen Willen tun.“ Apostelgeschichte 13,22

 

Die Israeliten hatten einen König gefordert „wie ihn alle Heiden haben“. Gott entsprach ihrem Wunsch und gebot Samuel: „Gehorche ihrer Stimme und mache ihnen einen König.“ Von Saul, dem Mann, den der Herr daraufhin erwählte, wird uns berichtet: „Der war ein junger, schöner Mann, und es war niemand unter den Kindern Israel so schön wie er, eines Hauptes länger als alles Volk.“

Sogar Samuel war von der äußeren Erscheinung Sauls beeindruckt, denn als er ihn dem Volk vorstellte, sagte er: „Da seht ihr, wen der Herr erwählt hat; ihm ist keiner gleich im ganzen Volk.“ Und die Bibel berichtet: „Da jauchzte das ganze Volk und sprach: Es lebe der König!“

 

Als Sauls zum König erwählt wurde, war er ein bescheidener und demütiger Mann, denn er sagte zu Samuel: „Bin ich nicht ein Benjaminiter und aus einem der kleinsten Stämme Israels, und ist nicht mein Geschlecht das geringste unter allen Geschlechtern des Stammes Benjamin?“

Es wird uns sogar gesagt, dass Saul sich versteckt hatte, als er vor die Ältesten des Landes treten sollte. Was also geschah hernach? Warum verwarf Gott später den Mann, den er erwählt hatte? Lag es daran, dass die Kinder Israel mit der Wahl eines Königs einen schwerwiegenden Fehler begangen hatten und der Herr nun den bekämpfte, der seinen Platz eingenommen hatte? Nein, denn er ließ durch seinen Propheten verkündigen: „Fürchtet euch nicht! Ihr habt zwar all das Unrecht getan, doch weicht nicht vom Herrn ab, sondern dient dem Herrn von ganzem Herzen und folgt nicht den nichtigen Götzen nach; denn sie nützen nicht und können nicht erretten, weil sie nichtig sind. Der Herr verstößt sein Volk nicht um seines großen Namens willen; denn es hat dem Herrn gefallen, euch zu seinem Volk zu machen ... Nun fürchtet den Herrn und dient ihm treu von ganzem Herzen ... Werdet ihr aber Unrecht tun, so werdet ihr und euer König verloren sein.“ Auch Samuel ließ das Volk wissen: „Es sei aber ferne von mir, mich an dem Herrn dadurch zu versündigen, dass ich davon abließe, für euch zu beten und euch zu lehren den guten und richtigen Weg!“

 

Unter der Führung Sauls errangen die Israeliten zunächst einen bedeutenden Sieg über die Ammoniter. Doch bereits im nächsten Kampf, gegen die Philister, zeigte es sich, dass Saul lieber seinen eigenen Ideen anhing, anstatt nach dem Willen Gottes zu fragen. Auch seine persönliche Rache war ihm wichtiger, als das Wohlergehen seiner Männer, denn er verbot ihnen, während dem Kampf etwas zu essen. Mehr noch, um sich an seinen Feinden rächen zu können, belegte Saul seine Streitmacht sogar mit einem Fluch. Dadurch aber wurde den Israeliten die Speise verwehrte, die Gott zu ihrer Stärkung bestimmt hatte.

Gott wollte seinem Volk an diesem Tag einen überwältigenden Sieg über seine Feinde schenken. Doch dazu kam es nicht, denn die Israeliten waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Sie mussten Probleme lösen, die sie selbst verschuldet hatte. So lesen wir: „Aber Saul ließ von den Philistern ab und zog hinauf, und die Philister zogen in ihr Land.“ Die Folge davon war, dass die Philister bereits nach kurzer Zeit erneut gegen Israel in den Kampf zogen. Nun aber wurden sie von einem Kriegsmann angeführt, bei dessen Anblick Saul und seine Männer vor Furcht erstarrten – sein Name war Goliath!

 

Zuvor aber befahl der Herr dem Saul: „Ich habe bedacht, was Amalek Israel angetan und wie es ihm den Weg verlegt hat, als Israel aus Ägypten zog. So ziehe nun hin und schlage Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und an allem, was er hat; verschone sie nicht.“

Die Anweisung des Herrn war klar und unmissverständlich. Doch was tat Saul nach seinem Sieg über die Amalekiter? Er verschonte Agag, ihren König, und mit ihm die besten Schafe, Rinder, Lämmer und alles, was in seinen Augen von Wert war. Nur an dem, was wertlos und gering war, vollstreckte er den Bann. Danach richtete er sich ein Siegeszeichen auf und ließ sich feiern. Der Herr aber sagte zu Samuel: „Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und meine Befehle nicht erfüllt.“

Schweren Herzens musste der Prophet nun zu Saul gehen und ihm verkündigen: „Weil du des Herrn Wort verworfen hast, hat er dich auch verworfen, dass du nicht mehr König seist.“ Doch wie reagierte Saul auf dieses Urteil? Er sagte: „Ich habe gesündigt; aber ehre mich doch jetzt vor den Ältesten meines Volks und vor Israel.“

 

Wir erkennen, dass der Mann, den Gott erwählt hatte, dass er König sein soll über sein Volk, kein Ohr hatte für die Stimme des Herrn. Stattdessen hing er seinen eigenen Vorstellungen an. Was in den Augen des Herrn verderbt war, was Gott hasste und austilgen wollte, das verschonte Saul, ja, er wollte es Gott sogar opfern. Dann aber, als ihm Samuel sein Fehlverhalten vorhielt, sorgte er sich nur um sein Ansehen, anstatt darüber bekümmert zu sein, dass er den Herrn enttäuscht hatte. Und es war diese Ehrsucht, die Saul immer tiefer in den Abgrund zog!

 

Man kann verstehen, dass Davids Sieg über Goliath von allen gerühmt wurde, schließlich war er ein Teenager und Schafhirte, als er dem gefährlichsten Krieger der Philister unerschrocken entgegentrat und ihn mit seiner Schleuder niederstreckte. Als er wenig später sogar zum Heerführer ernannt wurde und siegreich aus der Schlacht heimkehrte, sangen die Frauen im Reigen: „Saul hat tausend erschlagen, aber David zehntausend.“

Das aber wollte Saul nicht hören! Solche Worte brannten in seinem Innern wie glühendes Feuer. Plötzlich glaubte er, in David einen Gegner zu erkennen, denn wir lesen: „Da ergrimmte Saul sehr, und das Wort missfiel ihm, und er sprach: Sie haben David zehntausend gegeben und mir tausend; ihm wird noch das Königreich zufallen. Und Saul sah David scheel an von dem Tage an und hinfort.“

 

Gott hatte Saul nicht nur verworfen, auch sein Geist ruhte nicht mehr auf ihm, denn es wird gesagt: „Saul fürchtete sich vor David; denn der Herr war mit ihm, aber von Saul war er gewichen.“ Warum? Weil Saul, nachdem er dem Wort des Herrn ungehorsam war, hartnäckig an seiner Position festhielt. Er war nicht bereit, loszulassen, was Gott ihm anvertraut hatte. Er wollte auch nicht zurücktreten, obgleich der Herr den David bereits zu seinem Nachfolger bestimmt und Samuel ihn öffentlich zum König gesalbt hatte.

 

Saul wollte sein Ansehen bewahren – er klebte an seinem Thron, sodass er in David einen Rivalen sah und ihn als Feind betrachtete. So verfolgte er ihn nicht nur, er trachtete ihm sogar nach dem Leben. Diese Gesinnung  aber öffnet dem Teufel Tür und Tor!

David musste schließlich fliehen und sich verstecken. Doch während er Wüsten durchwanderte, wurde Saul immer häufiger von einem bösen Geist gepeinigt. Er geriet derart in Raserei, dass er sogar seinen eigenen Sohn mit Flüchen belegte und den Spieß nach ihm warf. Am Ende lesen wir, dass Saul und seine Männer im Kampf gegen die Philister unterlagen. Er selbst wurde schwer verwundet. Um nicht in die Hände seiner Feinde zu fallen, stürzte er sich in sein eigenes Schwert, womit sein Königreich und das seiner Söhne ein Ende fand. Wir lesen: „So starben Saul und seine drei Söhne und sein Waffenträger und alle seine Männer miteinander an diesem Tage.“

 

Es schmerzt, wenn wir das bittere Ende Sauls betrachten: Einst hatte ihn Gott erwählt, sein Volk zu führen und zu leiten, bis der Tag kam, an dem Saul sein eigenes Siegeszeichen aufrichtete. Danach sehen wir, wie er immer mehr in den Sog des Bösen geriet - weil er festhalten wollte, was ihm Gott zuvor zwar anvertraut hatte, dann aber, durch eigenes Verschulden, wieder nehmen musste.

 

Nachdem der Herr den Saul verworfen hatte, erwählte er David, von dem er sagte: „Ich habe David gefunden, den Sohn Isais, einen Mann nach meinem Herzen, der soll meinen ganzen Willen tun.“

Was schätzte Gott an David? Gemessen an den Maßstäben, die wir Menschen anlegen, hätte er sicherlich keine Chance gehabt, König zu werden. Zunächst war er, als ihn Samuel unter seinen Brüdern salbte, der jüngste von allen. Sogar Samuel war überzeugt, dass der Herr den Eliab erwählt hatte, den Bruder Davids, denn als er ihn sah, dachte er: „Fürwahr, da steht vor dem Herrn sein Gesalbter.“ Doch Gott sagte: „Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn nicht sieht der Herr auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.“

 

Als Gott seine Hand auf David legte, war der ein Schafshirte, nur mit einer Steinschleuder vertraut und des Harfenspiels kundig. Wer hätte damals geglaubt, dass der Herr seinem Volk durch die Hand dieses Mannes Sieg über alle seine Feinde schenken würde?

Es war das Herz Davids, das dem Herrn gefiel: Er liebte den Gott Israels über alles und war bereit, seiner Stimme zu folgen – beim Hüten der Schafe, in der Verborgenheit, im Kampf mit Bären und Löwen, genau so wie im Streit mit dem hünenhaften Goliath, da, wo die Augen aller Anwesenden jeden seiner Schritte beobachteten – zunächst skeptisch oder mitleidig lächelnd, dann erstaunt und bewundernd.

Später lesen wir immer wieder: „Und David fragte den Herrn!“ Von Saul hingegen wird uns berichtet, dass er den Herrn erst befragte, nachdem ihn ein Priester dazu aufgefordert hatte. Und am Ende seines Weges angelangt, suchte Saul bei einer Wahrsagerin Rat, was Gott zutiefst verabscheute. Die Bibel berichtet uns: „So starb Saul um seines Treuebruchs willen, mit dem er sich an dem Herrn versündigt hatte, weil er das Wort des Herrn nicht hielt, auch weil er die Wahrsagerin befragte, den Herrn aber nicht befragt hatte. Darum ließ er ihn sterben und wandte das Königtum David, dem Sohn Isais, zu.“

 

David war ein Mann nach dem Herzen Gottes, weil er dem Herrn nahe sein wollte! Er vertraute seinem Gott und konnte auf dessen Eingreifen warten. Jahrelang war er gezwungen, sich vor Saul zu verbergen, durchzog dürre Stätten, lebte in kargen Verhältnissen und musste große Entbehrungen erdulden. Und das, obwohl ihn der Herr zum König über Israel gesalbt hatte. Doch anstatt zu hadern und bitter zu werden, wurde er zum Anführer derer, die unterdrückt und verfolgt wurden, denn wir lesen: „Und es sammelten sich bei ihm allerlei Männer, die in Not und Schulden und verbitterten Herzens waren, und er wurde ihr Oberster; und es waren bei ihm etwa vierhundert Mann.“

Während David ein Gejagter war und oft nicht wusste, was der nächste Tag bringen würde, nahm er sich derer an, die verfolgt wurden und unter Ungerechtigkeit litten. Dort, im Staub der Wüste, begann sein Königreich: Er wurde der Beschützer der Entrechteten, ein Fürst der Armen, Elenden und Geschundenen.

 

Eines Tages geriet Saul sogar in die Hände Davids. Dem Sohn Isais bot sich dabei die Chance, den Mann zu töten, der ihn hasste und ihm nach dem Leben trachtete. Doch während seine Männer zu ihm sagten: „Siehe, das ist der Tag, von dem der Herr gesagt hat: Siehe, ich will deinen Feind in deine Hände geben, dass du mit ihm tust, was dir gefällt“, sagte David: „Das lasse der Herr ferne von mir sein, dass ich das tun sollte und meine Hand legen an meinen Herrn, den Gesalbten des Herrn; denn er ist der Gesalbte des Herrn ... Und David wies seine Männern von sich mit harten Worten und ließ sie sich nicht an Saul vergreifen.“

Warum handelte David so? Er vertraute seinem Gott! Er wartete auf den Tag, an dem ihm der Herr das Königreich anvertrauen würde. Und sogar später noch, als er bereits viele Jahre König über Israel war, konnte er loslassen, was ihm gegeben worden war. Dann nämlich, als ihn sein eigener Sohn, Absalom, vom Thron stoßen wollte und David fliehen musste. Er sagte: „Werde ich Gnade finden vor dem Herrn, so wird er mich zurückbringen ... Spricht er zu mir: Ich habe Wohlgefallen an dir - siehe, hier bin ich. Er mach's mit mir, wie es ihm gefällt.“

 

Als Saul erfuhr, wie großmütig und edel sich David ihm gegenüber verhalten und sein Leben geschont hatte, sagte er: „Wo ist jemand, der seinen Feind findet und lässt ihn mit Frieden seinen Weg gehen? Der Herr vergelte dir Gutes für das, was du heute an mir getan hast! Und siehe, ich weiß, dass du König werden wirst und das Königtum über Israel durch deine Hand Bestand haben wird.“

Tatsächlich, solch ein Herz wird vor dem Herrn bestehen können, ein Herz, das vergibt, das den Frieden sucht und das Böse mit Gutem überwindet.

 

Die Schrift verschweigt auch nicht die Fehler und Verfehlungen, die David beging. Doch er tat Buße und bekannte dem Herrn: „Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde; denn ich erkenne meine Missetat und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan ... Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich schneeweiß werde. Lass mich hören Freude und Wonne, dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast ... Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen beständigen Geist. Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.“

David leugnete seine Sünde nicht. Er versuchte nicht, sie zu verbergen oder zu entschuldigen. Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes!

Nach solchen Menschen hält Gott heute Ausschau. Mit ihnen baut er sein Königreich!

 

1.Sam.8,5.22; 9,1-2.21; 10,1,17-24; 12,1,13-25; 11,1-15; 14,21-30,36-46; 5.Mose 12,16; 1.Sam.17,1.4; 15,1-30; 17,48-51; 18,5-8.12; 18,3-4; 19,9-10; 20,30-42; 23,14; 31,1-6; 13,14; 16,1-19.23; 23,2.4; 30,8; 2.Sam.2,1; 5,19,23; 1.Sam.14,36-37; 1.Chron.10,13-14; 3.Mose 19,31; 20,6; 1.Sam.22,2; 24,1-8.20-21; Röm.12,17-21; Ps.51,1-14; 2.Sam.15,1-6.13-14.25-26

 
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