5. - 6. Februar

„Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzug umherführt in Christus und den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Orte durch uns offenbart!“ 2.Korinther 2,14 (Elberfeld)

 

Gott führt uns im Triumphzug umher! Wie aber stellen wir uns diesen Aufmarsch vor? Sind wir, wenn wir Christus nachfolgen und ihm dienen, von einer jubelnden Menschenmenge umgeben?

Das wäre, gemäß unserer Vorstellung, ein Triumphzug: Wir kommen in eine Stadt, um das Evangelium Christi zu predigen. Viele Menschen bekehren sich und werden gerettet – eine große Tür ist uns aufgetan. Der Sieg des Lebens über den Tod wird vor allen Augen offenbar. Der Name Jesu wird hoch gelobt. Und wir, die Triumphalen, ziehen unter dem Jubel der Erlösten zum nächsten Ort, um weitere Siege zu erringen.

Wunderbar, wenn uns solches widerfährt! Was aber, wenn uns die Menschen nicht aufnehmen, wenn sie unseren Worten sogar widersprechen und uns davonjagen? Was, wenn sie uns, wie Paulus in Lystra, sogar steinigen? Sind wir uns dann immer noch im Siegeszug Christi?

War Petrus erfolgreicher als Stephanus? Er durfte an Pfingsten vor das Volk treten, das Evangelium verkündigen und Christus dreitausend Menschen zuführen, während Stephanus nach seiner Predigt unter „dreitausend“ Steinen begraben wurde. Wessen Dienst war erfolgreicher? Beide dienten Jesus, doch mit völlig unterschiedlichen Folgen. Von beiden Jüngern wird berichtet, dass sie voll des Heiligen Geistes waren und ihre Predigt die Herzen der Zuhörer berührte: Die, die den Worten des Petrus lauschten, taten Buße. Sie empfingen Vergebung und ewiges Leben. Jene aber, die Stephanus zuhörten, wurden von unbändigem Zorn erfüllt. Wegen ihrem unbußfertigen Herzen wurden sie verurteilt und kamen unter göttliches Gericht. Stephanus hatte das getan, was auch Petrus tat – er sprach aus, was ihm Gott befohlen hatte. Wenn wir dies tun, ist das Ergebnis unseres Dienstes Gottes Sache.

 

Als Paulus nach Troas kam, wurde ihm dort, wie er bezeugte, „eine Tür aufgetan“. Wir dürfen daraus schließen, dass es in dieser Stadt viele Menschen gab, die Gottes Wort hören wollten. Hätten wir, angesichts solch großen Interesses, Zweifel gehabt, am richtigen Platz zu sein? Paulus war, um den Menschen in dieser Stadt die Botschaft der Errettung verkündigen zu können, viele Kilometer gereist, war beschwerliche Wege gegangen. Nun, nachdem ihm so viele Ohren zugewandt waren, waren keine weiteren Überlegungen erforderlich. Gottes Absicht war offenkundig. Paulus war am richtigen Ort.

Seltsam, obwohl Paulus eine Tür aufgetan war, spürte er doch eine innere Unruhe. Er hatte keinen Frieden in seinem Herzen. Warum? Er bezeugte: „Als ich nach Troas kam, zu predigen das Evangelium Christi, und mir eine Tür aufgetan war in dem Herrn, da hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, weil ich Titus, meinen Bruder, nicht fand; sondern ich nahm Abschied von ihnen und fuhr nach Mazedonien.“

 

Woran sind Kinder Gottes zu erkennen? Wovon werden sie geleitet? Was treibt sie an? Die Schrift sagt: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Es ist der Heilige Geist, der uns leitet, nicht äußere Umstände. Auch „Erfolge“ treiben uns nicht voran. Ebenso wenig können uns „Misserfolge“ aufhalten und zurückwerfen. Wir, die Kinder Gottes, werden von Gottes Geist geführt! Und wenn Christus, unser Herr, der in unserem Geist lebt, in uns reagiert und plötzlich die Richtung ändert, dann können wir nicht einfach weitergehen. Dann müssen wir innehalten und uns wenden. Dann folgen wir ihm nach, wohin er geht! Tun wir es nicht, haben wir keine Ruhe in unserem Geist!

 

Eine Tür, die Gott geöffnet hat! Menschen, die der Verkündigung des Wortes Gottes lauschen und es zu Herzen nehmen. Und ein Apostel, der innerlich unruhig ist und die Stadt verlassen will. Wie passt das zusammen?

 

Was hättest du dem Paulus geraten, wenn du an seiner Seite gewesen wärst? Vielleicht hättest du gesagt: Paulus, ich verstehe dich nicht! Wie kannst du uns jetzt verlassen? Hier sind so viele Menschen, die Gottes Wort hören wollen. Was lässt dich daran zweifeln, am richtigen Ort zu sein? Und wieso bist du in deinem Geist so unruhig? Warum fragst du jetzt nach Titus? Kannst du nicht ohne ihn auskommen? Brauchst du ihn, um hier predigen zu können? Willst du uns jetzt allein lassen, dazu Tausende, die Jesus noch nicht kennen, nur um einen Mann zu finden, der schon gerettet ist?

Viele gute Argumente, die den Apostel in seinem Entschluss nicht wanken ließen. Er ließ sich vom Heiligen Geist führen, nicht von menschlicher Logik. Und so machte er sich auf, um Titus zu suchen!

Paulus lebte in enger Gemeinschaft mit Jesus, seinem Herrn. Ihm allein folgte er nach, von ihm ließ er sich leiten! Der Diener Christi lebte nicht sich lebst, handelte nicht nach Gutdünken. Was der Auferstandene nicht in ihm gewirkt hatte, das konnte und wollte Paulus nicht tun. Er war ein Besiegter Jesu! Von ihm, seinem geliebten Herrn, war er abhängig, seiner Gnade und Liebe unterstellte er sich, in seinem Frieden wandelte er. Und so wurde der Apostel im Triumphzug Christi umhergeführt!

 

Paulus war jedoch nicht nur von Christus abhängig, wichtig war ihm auch die Gemeinschaft mit seinem Bruder Titus. Ihn wollte er an seiner Seite haben! Paulus sehnte sich danach, von Brüdern begleitet zu werden. Sie waren ihm eine Ermutigung und eine Stärkung. Der Apostel war sich der Tatsache bewusst, dass er die Fülle Christi nicht allein zum Ausdruck bringen konnte. Er bedurfte der Gaben, die der Herr seinem Leib gegeben hatte. Paulus war in seinem Dienst auf die Ergänzung durch andere Brüder angewiesen! Und auch daran wird deutlich, dass dieser einst so starke, fähige und selbstbewusste Mann jetzt ein Unterworfener, ein Besiegter Jesu Christi war!

 

Lass dich nicht von äußeren Umständen leiten! Gehe auch nicht durch jede Tür, die geöffnet ist. Eine günstige Gelegenheit mag dir verheißungsvoll erscheinen, doch nicht immer ist das Gute gut genug – Gott, der Vater, will dein Bestes! Auch die Zustimmung der Menschen ist noch kein Beweis dafür, dass das, was du tust, dem Willen Gottes entspricht! Lass dich daher auch nicht vom Erfolg wie von einer Meereswoge emporheben. Erfolge kommen, Erfolge gehen – Christus allein bleibt ewig! Denn was wirst du tun, wenn die erwartete Anerkennung ausbleibt? Wirst du dann im Meer der Enttäuschung versinken?

Achte auf den Frieden in deinem Herzen! Schwindet er, solltest du „deinen Abschied nehmen“. Suche in allem, was du tust, das Angesicht Jesu, deines Herrn. Diene ihm in deinem Geist und lass dich von ihm führen. Er wird dich davor bewahren, etwas zu tun, das er nicht in dir gewirkt hat. Und wenn du vor einer wichtigen Entscheidung stehst und nicht weißt, was das Beste ist, dann halte inne und suche Gemeinschaft mit anderen Gläubigen, den Gliedern Christi. Versichere dich ihrer Gebete und ihres Beistands. Gottes Weg führt dich immer zu deinem Bruder, nie in die Isolation! Lass dir dienen und sei bereit, Ergänzung anzunehmen.

Wenn du den Herrn im Gebet suchst und ihn nach seinem Willen fragst, gemeinsam mit deinem Bruder oder deiner Schwester, dann kann das nur von Nutzen für dich sein. Vielleicht war deine Sicht nicht objektiv gewesen, während der Blick deines Bruders ungetrübt geblieben ist. Bedenke auch, dass Gemeinschaft mit anderen Gläubigen den Aufbau des Leibes Christi fördert, denn nur dadurch können unsere Herzen in Liebe verbunden werden. Daher ist die wichtigste Tür, die Gott uns öffnet, die Tür zum Herzen unseres Bruders oder unserer Schwester! Glückselig sind wir, wenn wir solche Türen erkennen.

 

Bleibe heute von Christus abhängig! Lass dich von seinem Frieden regieren und durch seinen Geist leiten! Diene dem Herrn in deinem Geist, und sei offen für die Ergänzung durch deinen Bruder! So wird dich Gott im Triumphzug Christi umherführen können. Sei gewiss, dass du ihm dann ein Wohlgeruch bist!

 

Apg.14,19; 2,41; 6,8.10-15; 7,51-56; 2.Kor.2,12-17; Röm.8,14; Jh.3,8; Röm.15,18; Phil.4,7; Kol.3,15; Röm.1,9a

 
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