5. - 6. Januar

„Ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen.“ Ruth 1,1

 

Josua hatte das Volk Israel aus der Wüste geführt und in das verheißene Land gebracht. Doch nachdem er gestorben war, begann für die Israeliten eine Zeit des Niedergangs, denn uns wird berichtet: „Als auch alle, die zu der Zeit gelebt hatten, zu ihren Vätern versammelt waren, kam nach ihnen ein anderes Geschlecht auf, das den Herrn nicht kannte noch die Werke, die er an Israel getan hatte. Da taten die Israeliten, was dem Herrn missfiel, und dienten den Baalen und verließen den Herrn, den Gott ihrer Väter, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, und folgten andern Göttern nach von den Göttern der Völker, die um sie her wohnten, und beteten sie an und erzürnten den Herrn. Denn sie verließen je und je den Herrn und dienten dem Baal und den Astarten. So entbrannte denn der Zorn des Herrn über Israel, und er gab sie in die Hand von Räubern, die sie beraubten, und verkaufte sie in die Hände ihrer Feinde ringsumher. Und sie konnten nicht mehr ihren Feinden widerstehen ... Und sie wurden hart bedrängt. Wenn dann der Herr Richter erweckte, die ihnen halfen aus der Hand der Räuber, so gehorchten sie den Richtern auch nicht, sondern liefen anderen Göttern nach und beteten sie an und wichen bald von dem Wege, auf dem ihre Väter gegangen waren ... Wenn aber der Herr ihnen Richter erweckte, so war der Herr mit dem Richter und errettete sie aus der Hand ihrer Feinde, solange der Richter lebte ... Wenn aber der Richter gestorben war, so fielen sie wieder ab und trieben es ärger als ihre Väter, indem sie anderen Göttern folgten, ihnen zu dienen und sie anzubeten. Sie ließen nicht von ihrem Tun noch von ihrem halsstarrigen Wandel.“

 

Einer Epoche des Sieges und der Eroberung folgte eine Zeit der Niederlage und Fremdherrschaft. Das, was die Israeliten unter der Führung eines von Gott eingesetzten Richters gewonnen hatten, wurde ihnen schon bald von Plünderern geraubt. Schließlich geriet das kostbare Land, das einst von den Vätern erobert worden war, wieder in Feindeshand. Und warum? Weil Israel seinem Gott untreu wurde und anderen Göttern anhing. So ist es auch zu verstehen, dass das Buch Rut mit folgenden Worten beginnt: „Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen.“

 

Ein Ehepaar wollte der Hungersnot entfliehen, unter der alle zu leiden hatten. So packte man zusammen, was man besaß und verabschiedete sich von Verwandten, Nachbarn und Freunden. Danach machten sich die Eheleute mit ihren beiden Söhnen auf, um ins Nachbarland zu ziehen und dort ansässig zu werden.

 

„Bethlehem“ bedeutet „Haus des Brots, der Nahrung“ oder auch „Brothaus der Fruchtbaren“, was auf einen Ort hinweist, an dem es eigentlich keinen Mangel geben dürfte. Was aber geschieht, wenn sich unser Herz von Gott abwendet und wir fremden Göttern nachlaufen und sie mehr ehren als den Herrn, der uns aus „Ägyptenland“ errettet hat? Wird Gott uns auch dann Brot geben und unseren Hunger stillen können, wenn wir nicht nach ihm fragen und eigene Wege gehen?

Ohne die lebendige Gegenwart Gottes, ohne seine Fürsorge und seinen Beistand, werden sich unsere Erwartungen nicht erfüllen! Leben im Überfluss kann uns Christus nur dann geben, wenn wir zu ihm kommen und aus seiner Fülle nehmen. Wer ihn hingegen nicht sucht und nicht nach ihm fragt, wird früher oder später von einer Hungersnot ereilt werden und darben müssen.

 

Zweifellos waren die Auswanderer voller Hoffnung ins Moabiterland gezogen. Doch der Ort, an dem sie sich niederließen, erfüllte ihre Erwartungen nicht! Im Gegenteil, er erwies sich schon bald als Stätte des Todes, denn Elimelech starb. Von seiner Frau wird uns gesagt: „sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen.“ Damit nicht genug, verstarben zehn Jahre später auch Noomis Söhne. Nun war sie ganz allein – ohne Schutz und ohne Versorger – in einem fremden Land. Nur die beiden Moabiterinnen, die ihre Söhne geheiratet hatten, waren bei ihr. Die Schrift berichtet uns: „Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der Herr sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. Und sie gingen aus von dem Ort, wo sie gewesen waren.“

 

Ein Ortswechsel, der nicht tragischer hätte enden können! Als sich Noomi danach aufmachte, um in ihre Heimat zurückzukehren, schlossen sich ihr die beiden Schwiegertöchter, Orpa und Rut, bereitwillig an. Doch Noomi wusste, dass es den beiden Frauen in Israel nicht anders ergehen würde, als ihr im Moabiterland. Dort würden sie Fremde sein! So sagte sie zu ihren Begleiterinnen: „Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Haus! Und sie küsste sie. Da hoben sie ihre Stimme auf und weinten und sprachen zu ihr. Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? ... Mein Los ist bitter für euch, denn des Herrn Hand ist gegen mich gewesen. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber blieb bei ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Rede mir nicht ein, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies oder das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen. Und als sie nach Bethlehem hineinkamen, erregte sich die ganze Stadt über sie, und die Frauen sprachen: Ist das die Noomi? Sie aber sprach zu ihnen: Nennt mich nicht Noomi (lieblich), sondern Mara (bitter), denn der Allmächtige hat mir viel Bitteres angetan. Voll zog ich aus, aber leer hat mich der Herr wieder heimgebracht. Warum nennt ihr mich Noomi, da doch der Herr gegen mich gesprochen und der Allmächtige mich betrübt hat?“

 

Noomi war gramgebeugt! Sie war sogar der Meinung, ihr Name passe nicht mehr zu ihr. In ihrem Leben war nichts Liebliches mehr zu erkennen. In der Fremde war sie all dessen beraubt worden, was ihr lieb und teuer gewesen war. Freudlos, tief enttäuscht und innerlich ausgebrannt kehrte Noomi nun zurück. Sie hatte bitteren Verlust erlitten!

Ist es nicht traurig, wenn an dem Ort, an dem Gott sein Volk geistlich ernähren, stärken und sättigen will, kein Brot vorhanden ist, wenn Menschen zwar erwartungsvoll kommen, danach aber innerlich leer nach Hause gehen müssen? Die Namen der beiden Söhne, Machlon und Kiljon, spiegeln den Mangel wider, der zu jener Zeit in Juda herrschte. „Machlon“ bedeutet „kränklich, schwach“. „Kiljon“ heißt „sich abhärmend, verschmachtet“.

„Machlon“ und „Kiljon“ beschreiben unsere geistliche Konstitution, unsere innere Verfassung, in der wir uns befinden, wenn wir von Gott, dem Vater, und seinem Sohn Jesus Christus getrennt leben. Dann sind wir der Macht der Sünde und des Todes schutzlos ausgeliefert. Dann nehmen wir ab, dann schwindet unsere Kraft und Lebensenergie. Ein Mensch, der sich nicht beständig vom Brot des Lebens nährt und nicht vom Quell des Lebens trinkt, dessen geistliches Leben wird sich im Alltag als schwach, labil und wenig widerstandsfähig erweisen.

Doch welche Alternativen bieten sich uns, wenn wir „Bethlehem“, das „Haus des Brotes“ verlassen? Können wir auch im „Land der Moabiter“ – in der Gottesferne – satt werden? Wird sich Gottes Plan für unser Leben auch dann noch erfüllen, wenn wir die Gemeinschaft seiner Heiligen meiden und unseren eigenen Weg gehen? Und schließlich: Welche Zukunft bietet das „Land der Moabiter“ unseren Söhnen und Töchtern?

 

Wo wird Christus hervorgebracht – in Bethlehem oder in Moab? Der Prophet Micha gibt uns die Antwort und sagt: „Und du Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“

Wer wird uns im „Moabiterland“ mit Christus dienen, wer den Auferstandenen vor die Augen malen? Es mag sein, dass wir dort zwar keinen physischen Mangel leiden, doch wie steht es um unsere geistliche Versorgung? Woher sollen uns Kraft, Hoffnung, Freude und Trost zufließen?

Es mag in „Bethlehem“ Zeiten der Not und der Bedrängnis geben, doch eine Alternative zum „Haus des Brotes“ gibt es für uns nicht!

 

Im letzten Kapitel des Johannesevangeliums wird uns von einer Nacht berichtet, in der einige Jünger Jesu in einem Boot saßen und fischten – doch ohne Erfolg. Die Frustration, Ratlosigkeit und Enttäuschung der Männer war mit Händen zu greifen und das, obwohl Jesus nur wenige Tage zuvor siegreich von den Toten auferstanden war. Als der Morgen graute, stand Jesus am Ufer und lud die Seinen ein, mit ihm das Mahl zu halten! Es war Johannes, der den Auferstandenen zuerst erkannte und rief: „Es ist der Herr!“, woraufhin Petrus sich sogleich ins Meer warf, um zu Jesus zu gelangen.

Diese Begebenheit macht deutlich, wie sehr wir auf die Gemeinschaft derer angewiesen sind, die an Jesus glauben, besonders dann, wenn es Nacht um uns geworden ist und wir nur ein leeres Netz vor Augen haben. Jeder, der im Glauben wachsen will, ist auf die Hilfe und Handreichung der Glieder Christi angewiesen.

 

Wenn wir uns im Namen Jesus versammeln, dann, so hat er es uns verheißen, wird er selbst in unserer Mitte sein. Er hat gesagt: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Unser Herr und Retter wandelt heute, wie wir im letzten Buch der Bibel erfahren, „mitten unter den goldenen Leuchtern“. Er ist also mitten unter uns, wenn wir, seine Erlösten, uns versammeln und seinen Namen gemeinsam anrufen! Gewiss, wir können Jesus an jedem Ort nahe sein, doch „der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes“ ist, wie Paulus betonte, in seinen Heiligen! Hier, in der Versammlung der Erlösten, werden wir auch in Liebe zusammen aufgebaut – zu einem „heiligen Tempel in dem Herrn“, einer „Wohnung Gottes im Geist“.

So gesehen kann es für uns außerhalb der Gemeinschaft der Heiligen keine Zukunft geben! Im „Lande der Moabiter“ erwartet uns nicht die Fülle des Lebens – hier wohnen Siechtum und Tod, Enttäuschung und Verbitterung!

 

Lass „Bethlehem“, das „Brothaus der Fruchtbaren“ immer in deinem Herzen sein! Verlass diesen Ort nicht, denn mit ihm sind kostbare Verheißungen verbunden, die sich für dich an keinem anderen Ort erfüllen werden. Verlass „Bethlehem“ auch dann nicht, wenn du dort Mangel erkennst und die Fülle Christi vermisst. Bete stattdessen für die Versammlung der Heiligen und rufe zum Herrn, dass er seinem Volk Brot gibt. Sagt doch die Schrift: „Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen.“ Und „Brich dem Hungrigen dein Brot ... und entziehe dich nicht deinem Fleisch und Blut.“

Jesus, der unter den goldenen Leuchtern wandelt, kann jeden Mangel ausfüllen! Wir dürfen ihm sagen: Herr Jesus, du weißt, wo deine Gemeinde Mangel hat. Nimm dich deiner Gläubigen an und gib ihnen Brot die Fülle. Erwecke treue Hirten, die dich kennen, mit dir vertraut sind und deine Herde weiden, wie es dir gefällt. Beende die Zeit des Raubes und füge hinzu, was fehlt! Verändere die Herzen derer, die du mit deinem Blut erkauft hast. Deine Erlösten sollen freudig zusammenkommen und deinen Namen gemeinsam rühmen, loben und preisen. Alle Bitterkeit aber und jedes Seufzen soll von ihnen fliehen! Und wenn betrübte und enttäuschte Menschen in dein Haus kommen, dann sollen sie hier getröstet, aufgerichtet, belebt und gestärkt werden. Sind sie innerlich ausgebrannt und leer, sollen sie gesättigt von dannen ziehen. Erbarme dich deines Volkes und gib ihnen Brot die Fülle.

 

Es gibt einen Ort, an dem uns Gott den Tisch decken will – „Bethlehem“, das Haus des Brotes. Hier, in der  Versammlung der Herausgerufenen und Geliebten Gottes, des Vaters, will uns der auferstandene Christus Brot zu essen geben. Hier gehören wir hin!

 

Richt.2,6-7.10-19; Micha 5,1; Jh.21,1-13; Mt.18,20; Offb.1,12-13.20; Eph.4,15-16; 1,18 (Elberfeld); 2,19-22; 2.Kor.6,14-18; Eph.6,18; Jes.58,7; 51,11; Phil.4,19

 
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