5. - 6. März

„Und der Herr erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber. Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum. Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labet; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast.“  1. Mose 18,1-5

 

Der Tag begann wie viele andere zuvor: Abraham und seine Frau Sara waren vom Schlaf erwacht, hatten gefrühstückt und danach ihr Tagwerk in Angriff genommen. Doch um die Mittagszeit geschah etwas völlig Unerwartetes, etwas, das Abraham in helle Aufregung versetzte. Bald darauf sah man ihn, den Hochbetagten, laufen. Er eilte ins Zelt zu seiner Frau, um sie zu bitten, einen Kuchen zu backen. Dann lief er zu den Ställen, wo er ein junges Kalb aussuchte und es dem Diener gab, damit er es zubereiten sollte. Warum die plötzliche Hektik, mag sich der Bedienstete gefragt haben? Unverhoffter Besuch war gekommen. Mitten in der Gluthitze des Mittags hatten sich drei Männer der Behausung Abrahams genähert. Während des Gesprächs erkannte der sofort, dass die Ankömmlinge keine gewöhnlichen Reisende waren. Gott selbst war gekommen, denn Abraham sagte: „Herr, habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber.“

 

Welch bewegende Geschichte! Wir können erkennen, dass unser Gott, der Vater der Herrlichkeit, unterwegs ist, um uns Menschen zu besuchen. Nicht wenige sind der Meinung, er befände sich weit entfernt von uns im Himmel und habe uns unserem Schicksal überlassen. Die Bibel lehrt uns aber, dass Gott an dem, was wir erleben und was uns bewegt, regen Anteil hat. Unser himmlischer Vater hält nicht nur nach uns Ausschau – er kommt zu uns, spricht zu uns, wirbt um uns und bietet uns seine Hilfe an. Unser Gott ist nicht statisch, sondern in Bewegung und deshalb für dich und mich erfahrbar! Plötzlich steht er vor deiner Tür. Er berührt dein Herz und du spürst, dass er selbst zu dir gekommen ist. Deshalb sagt er: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“

Erfolgt der Besuch Gottes immer auf die gleiche Art und Weise? Keineswegs! Damals waren es drei Männer, die Abraham und seine Frau besuchten. Mose erschien der Herr in einem brennenden Dornbusch. Und als Gott dem Josua mit einem Schwert in der Hand entgegentrat, meinte der, den Anführer einer Heeresmacht vor sich zu haben. Daniel und seine Freunde erkannten den Herrn mitten im Feuerofen, weshalb ihnen die Gluthitze nichts anhaben konnte. Und wie erlebte Saulus von Tarsus den Besuch Gottes vor Damaskus? Es war ein gleißendes helles Licht, das ihn umleuchtete, blendete und zu Boden warf.

Seinen Jüngern erschien Jesus nach seiner Auferstehung auf andere Weise: Am Morgen hatte er ein Feuer angezündet und Fische darauf gelegt. Danach lud er die frustrierten Männer, die die ganze Nacht vergeblich die Netzte ausgeworfen hatten, zum Mahl ein. Als der Herr Jahre später dem Apostel Johannes auf der Insel Patmos begegnete, fiel dieser wie tot zu Boden, denn die Begegnung mit dem Sohn Gottes war für ihn gewaltig und erschreckend. Paulus wiederum berichtete in seinem Brief an die Korinther von einem Menschen, der in das Paradies Gottes und den dritten Himmel entrückt worden war, wo er Worte hörte, die keine menschliche Zunge auszusprechen vermag.

Wie wird dir der lebendige Gott heute begegnen? Fest steht, dass er dich persönlich treffen will. Er sehnt sich nach einer innigen Berührung mit dir – damit du ihn in einer tieferen Weise erkennen kannst. Von einer solchen Erfahrung berichtete auch Hiob, denn er bekannte: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen." Und Jesus sagte zu seinen Jüngern: "Ihr sollt mich sehen, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.“

 

Abraham hatte sein Zelt im Hain Mamre aufgeschlagen. Danach errichtete er dem Herrn einen Altar. So wusste Gott, dass er an diesem Ort stets willkommen war. Eine andere Bibelübersetzung sagt: „Und der Herr erschien ihm bei den Terebinthen von Mamre!“ „Mamre“ bedeutet „Fettigkeit, Lebenskraft, Festigkeit“ aber auch „Betrübnis, Verdruss, Anfechtung, Bitterkeit“.

Die Terebinthe diente als willkommener Schattenspender, da sie sehr laubreich und im Wuchs nicht sehr hoch ist. Jesaja nannte diejenigen, die das Evangelium Gottes freudig im Glauben annehmen "Terebinthen der Gerechtigkeit, eine Pflanzung des Herrn". Welchen Menschen wird sich Gott demnach offenbaren? Denen, die sich nach seiner Fettigkeit und seiner Lebenskraft sehnen. Ebenso denen, die es nach innerer Festigkeit und Stabilität verlangt. Gott will aber auch denen begegnen, die betrübt sind – den Verbitterten und Angefochtenen, die sich nach seiner Gerechtigkeit sehnen und unter dem „Schatten seiner Flügel“ Zuflucht suchen. Auch an ihnen wird unser himmlischer Vater gewiss nicht vorübergehen!

 

Wann besuchte Gott den Abraham? „Als der Tag am heißesten war“. Wer von uns würde sich zu einer solchen Tageszeit aufmachen und freiwillig einen staubigen Pfad unter die Füße nehmen? Unser Herr und Retter tut es. Ihm ist kein Weg zu beschwerlich! Auch der Samariterin begegnete Jesus „um die sechste Stunde“ – zur Mittagszeit. Damals, als der Mensch noch im Garten Eden lebte, erfolgte der Besuch Gottes zu einer sehr viel angenehmeren Tageszeit, nämlich „als der Tag kühl geworden war“. Doch solche Annehmlichkeiten liegen heute weit hinter uns! Heute verrichten wir Menschen unser Tagewerk in der „Gluthitze des Alltags“. Dabei findet unsere Seele nur sehr selten „kühlenden Schatten“. Daher muss Gott seine Besuchszeiten unseren Gegebenheiten anpassen. Und gerade dann, wenn der Tag am heißesten ist, kommt er, um dich und mich zu erquicken. Wie wunderbar ist unser Herr!

 

Wie reagierte Abraham auf den Besuch Gottes? Er sagte nicht: Ach, ihr kommt sehr ungelegen. Ich bin gar nicht vorbereitet, um Gäste zu bewirten. Nein! Abraham beugte sich nieder, um die drei Männer zu ehren! Dann eilte er, um sie zu bewirten, wobei er ihnen das Beste anbot, das er besaß. Schließlich bat er den Herrn: „Herr, habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber.“

Mögen auch wir unserem Gott entgegeneilen, sobald er uns innerlich berührt und zu sich ruft. Er wartet nur darauf, dass wir ihn erkennen und uns ihm zuwenden. Seine Anwesenheit ist, wie der Psalmist bezeugt, „Freude die Fülle“.

Erwarte den Besuch Gottes – heute, an diesem Tag! Richte dein Augenmerk nicht zuerst auf äußere Umstände. Starre auch nicht unentwegt auf deine Probleme, sondern sorge dafür, dass es in deinem Herzen einen Altar gibt – eine Anbetungsstätte für den lebendigen Gott. Lass deinen Herrn und Retter erkennen, dass er bei dir zu jeder Tageszeit willkommen ist. Achte sorgsam darauf, dass deine Gemeinschaft mit Christus durch nichts getrübt oder gehindert wird. Lobe ihn und danke ihm – allezeit für alles. Erhebe ihn über alle Beschwernisse deines Alltags! Suche unter dem Schatten seiner Flügel Zuflucht, egal, ob du Mangel hast und angefochten bist, oder, äußerlich zufrieden, vor dem Eingang deines „Zeltes“ ruhst. Ersehne und erwarte zu jeder Zeit eine tiefe, innige Berührung mit deinem Gott. Christus zu erkennen ist ewiges Leben!

 

Immer dann, wenn Gott dich besucht, will er dir ein Belohner sein! Mehr noch: Als der Herr den Abraham besuchte, sprach er mit ihm auch über dessen Zukunft und die seiner Familie, denn er sagte: „Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben.“

Schließlich wollten die drei Besucher weiterziehen: „Da brachen die Männer auf und wandten sich nach Sodom, und Abraham ging mit ihnen, um sie zu geleiten. Da sprach der Herr: Wie könnte ich Abraham verbergen, was ich tun will, da er doch ein großes und mächtiges Volk werden soll und alle Völker auf Erden in ihm gesegnet werden sollen?“

Gott wollte Abraham seine Absichten kundtat, ihn seine Pläne wissen ließ. Und das will er auch bei dir tun! Er will dich wissen lassen, was in seinem Herzen ist und er zu tun gedenkt. Er will dich zu seinem vertrauten Mitarbeiter machen.

Nun erfahren wir, warum der Herrn nach Sodom ziehen wollte. Er sagte: „Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, dass ihre Sünden sehr schwer sind.“

Wir hören, dass Gott die beiden Städte wegen ihrer zum Himmel schreienden Gottlosigkeit richten und austilgen wollte. Doch Abraham, der Knecht Gottes, blieb „stehen vor dem Herrn“ und fragte ihn: „Willst du den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären?" Gott war bereit auf das Angebot Abrahams einzugehen, der daraufhin mit ihm zu handeln begann, bis er schließlich sagte: "Ach, zürne nicht, Herr, dass ich nur noch einmal rede. Man könnte vielleicht zehn (Gerechte) darin finden. Er aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen.“

 

Der Besuch Gottes im Hain Mamre wurde zur entscheidenden Wende im Leben Abrahams: Ihm und seiner Frau wurde der so lang ersehnte Sohn und Erbe angekündigt, denn „sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?“ Gleichzeitig bestätigte Gott seine Absicht, Abraham zu einem großen und mächtigen Volk machen zu wollen und durch ihn alle Völker auf Erden zu segnen. Was das ungläubige Lachen der Sara betraf, so hatte der Herr auch dies bemerkt, denn immer dann, wenn er uns besucht und wir ihn in einer tieferen Weise berühren, bleiben auch unsere geheimen Schwächen nicht verborgen. Doch nur, damit wir nicht dieselben bleiben, sondern eine Veränderung unseres Charakters erfahren und „Christus in uns Gestalt gewinne“.

Als Abraham erkannte, was der Herr tun wollte, blieb er vor ihm stehen! Nun ging es ihm nicht mehr um seine eigenen Angelegenheiten. Jetzt war er bereit, sein Herz für das zu öffnen, was Gott bewegte. Abraham wurde zu einem Mitarbeiter Gottes, einem Mann, der für andere Menschen Fürbitte tat. Er bat den Herrn, die Gerechten zu erretten und vor seinem Gericht zu bewahren.

 

Wenn Gott dich heute besucht, dann verheißt er dir Frucht des Lebens – Leben im Überfluss! Er will dich und dein Haus segnen. So wirst du auch für andere zum Segen sein. Wenn du Christus innerlich berührst, kann er in dir wachsen und zunehmen. Dabei wirst du den Wunsch verspüren, für andere Menschen zu beten. Du wirst ihren Namen vor dem Thron Gott nennen und dafür einstehen, dass sie errettet und vor dem künftigen Zorn bewahrt werden. Gott wird dich in sein Herz blicken lassen. Du wirst sein Mitarbeiter sein!

 

Offenb.3,20; 2.Mose 3,2-4; Jos.5,13-15; Dan.3,21-25; Apg.9,3-9; Joh.21,1-12; Offb.1,17; 2.Kor.12,2-4; Hiob 42,5; Joh.14,19; 1.Mose 13,18; Jes.61,3 (Elberfeld); Ps.91,1; Joh.4,6; 1.Mose 3,8; Ps.16,11; 17,8; Joh.17,3; Hebr.11,6; 1.Mose 18,16-33; Gal.4,19; Joh.10,10b; Eph.6,18; Röm.15,30-31; 2.Thess.3,1-2

 
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