5. - 6. September

„Geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder!“ Matthäus 5,24

 

Jesus begann seine Bergpredigt, indem er diejenigen als glückselig pries, die offen sind für Erneuerung und sich nach  Veränderung sehnen. Auch jene, die nach Gerechtigkeit hungern und reines Herzens sind, nannte er glückselig, ebenso die Leidtragenden, die Friedensstifter und all jene, die ihren Mitmenschen Barmherzigkeit erweisen. Dabei machte Jesus deutlich, welche Tugenden in seinem Reich vorherrschend sind und wie unsere Herzenshaltung sein muss, wenn wir Bürger seines Reiches sein wollen.

Danach beleuchtete der Herr Lebensbereiche, die uns allen vertraut sind. Er zeigt uns, wie sich das neue Herz, das er uns schenken will, in ganz alltäglichen Situationen bewährt.

 

Vielleicht hätten wir erwartet, dass Jesus am Anfang seiner Bergpredigt über unsere Beziehung zu Gott spricht. Doch er stellte unsere Beziehung zu unserem Bruder in den Mittelpunkt seiner Ausführungen.

 

Dadurch, dass wir an Christus glauben und mit ihm Gemeinschaft pflegen, lässt sich für einen Außenstehenden noch nicht die Gesinnung unseres Herzens erkennen. Erst im Umgang mit unseren Glaubensgeschwistern wird deutlich, wie unser Herz gestaltet ist.

Auch Kain brachte dem Herrn ein Opfer dar. Doch erst, als sein Bruder Abel dem Herrn ebenfalls opferte, zeigte es sich, wie finster das Herz Kains war. Plötzlich war er von Neid und Eifersucht erfüllt, ja, Hass stieg in ihm auf, sodass er seinen Bruder schließlich totschlug.

Wenn wir also wissen wollen, wie unser Herz gestaltet ist, sollten wir darauf achten, wie wir mit unserem Bruder oder unserer Schwester umgehen.

 

Jesus sagte: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: 'Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.' Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz! der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe. Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf dem  Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.“

 

Wir sind nicht allein unterwegs – wir gehen auf dem schmalen Weg des Lebens gemeinsam voran! Dabei lernen wir uns nicht nur besser kennen, wir werden einander auch zum Anstoß und Ärgernis. Obwohl es keiner von uns beabsichtigt, geschehen Dinge, die andere betrüben oder sogar verletzen. Wie schnell fallen Worte, die wie scharfe Messer ins Herz dringen oder wie ein Feuer einen ganzen Wald in Brand setzen. Wollen wir unserem Bruder oder unserer Schwester dann grollen oder aus dem Wege gehen? So zu reagieren, entspräche nicht dem Wesen und der Natur Jesu! Deshalb mahnt uns Gottes Wort: „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, und gebt nicht Raum dem Teufel.“

 

Wenn du dich beleidigt zurückziehst, wirst du nicht nur verpassen, was dir Gott in seiner Liebe zugedacht hat, du wirst innerlich auch nicht zur Ruhe kommen, denn in deinen Gebeinen wird ein Feuer lodern, das du aus eigener Kraft nicht löschen kannst. Mehr noch: Wenn du deinem Bruder nicht vergibst, wird dein Inneres früher oder später zu einer düsteren Gefängniszelle. Und das, obwohl du vielleicht nicht der Verursacher des Ärgernisses warst. Du wurdest aber zum Gefangenen deiner eigenen Unversöhnlichkeit.

 

Jesus, der Herr, schlägt uns eine bessere Lösung vor, denn er sagt: „Geh hin und versöhne dich mit deinem Bruder!“ Die Kraft, auf andere zuzugehen und ihnen zu vergeben, schenkt uns Christus, der in uns wohnt. Sein Leben beinhaltet die Stärke, die uns befähigt, auf unseren Bruder zugehen und ihm zu vergeben – ohne ihm zu grollen oder Vorwürfe zu machen.

Doch wann soll dies geschehen? So schnell wie möglich! Am besten heute noch vor Sonnenuntergang! Sobald wir unserem Bruder vergeben haben, können wir mit Freimut vor Gottes Angesicht erscheinen und ihm unsere Gabe opfern. Demnach ist das Opfer, das wir dem Höchsten darbringen, unsere Bereitschaft, demjenigen zu vergeben, der an uns schuldig geworden ist.

 

So wie du täglich der Vergebung bedarfst und Gott sie dir auch gewährt – umfassend und ohne, dass du sie verdient hast –, so bereitwillig solltest du deinem Schuldner auch vergeben. Erinnere dich des Gebets, das Jesus seine Jünger lehrte. Er sagte: „Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern.“

Was aber geschieht, wenn du dich weigerst, anderen ihre Schuld zu vergeben? Dann wird Gott dir auch nicht vergeben! Deshalb sagte Jesus: „Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

 

Die Menschlichkeit Jesu ist frei von Bitterkeit und Groll. Seine Liebe „lässt sich nicht erbittern“. Deshalb ermahnt uns Gottes Wort: „Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung sei ferne von euch samt aller Bosheit. Seid aber miteinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem andern, gleichwie Gott euch vergeben hat in Christus.“

 

Wenn du heute bereit bist, deinem Bruder, der mit dir auf dem Wege ist, zu vergeben, dann wird dir Gott auch deine Übertretungen vergeben! So kann das Leben Jesu Christi ungehindert in deinem Herzen aufwachsen!

 

Mt.5,21-26; 1.Mose 4,3-8; Eph.3,26-27; Jak.3,5-8; Mt.6,12.14-15; 1.Kor.13.5; Eph.4,31-32; 1.Jh.2,9-10; 4,20-21; 5,1

 
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