„Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ Johannes 15,13

 

Diese Worte Jesu müssen sich tief in das Herz des Johannes eingegraben haben, denn Jahre später schrieb er in seinem Brief: „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen.“ Dann fuhr er fort und sagte: „Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt dann die Liebe Gottes in ihm? Meine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.“

 

Wir lassen unser Leben nicht erst dann, wenn wir den physischen Tod erleiden. Wir tun es auch, wenn wir – aus Liebe zu unserem Bruder oder unserer Schwester – unsere Seele verleugnen. Wir geben unser Eigenleben in den Tod, wenn wir eine vorgefasste Meinung aufgeben oder unsere Bequemlichkeit überwinden. Vielleicht müssen wir auch kostbare Zeit opfern oder unseren Geldbeutel öffnen, um anderen dienen zu können.

Denken wir an Stephanus, einen Mann „voll Glaubens und Heiligen Geistes“. Er war bereit, als Märtyrer zu sterben und scheute sich nicht, den gekreuzigten und auferstandenen Herrn vor dem Hohen Rat zu bezeugen. Wer liest, wie furchtlos er diesen religiösen Eiferern entgegentrat, wird von der Kühnheit und dem Bekennermut des jungen Mannes tief beeindruckt sein. Doch wer erinnert sich seiner Hingabe, mit der er zuvor den Witwen gedient hatte – und das Tag für Tag, viele Stunden lang? Zweifellos ergaben sich dabei viele Gespräche, in denen Stephanus den Alleinstehenden Trost zusprechen oder ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen musste. Auch dabei war Stephanus ein Zeuge der Auferstehung Jesu! Auch dabei gab er sein Leben hin!

 

Gott, unser Vater, will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Liebe erfahren. Wie aber kann er anderen seine Liebe erweisen, wenn wir, seine Kinder, mit uns selbst beschäftigt sind? Dann kann es passieren, dass wir in einer Versammlung von der Liebe Gottes hören, ohne zu merken, dass derjenige, der neben uns sitzt, dieser Liebe bedarf. Und anstatt unserem Nächsten unser Herz zu öffnen, gehen wir, nachdem wir einige Lieder gesungen und einer Predigt gelauscht haben, wieder nach Hause. Können wir das einen 'Gottesdienst' nennen? Wie viel Zeit haben wir für unseren Bruder oder unsere Schwester hingegeben? Wie viel Aufmerksamkeit und Zuwendung haben wir ihm oder ihr geschenkt?

Als Paulus der Gemeinde zu Korinth schrieb, war sein Herz beschwert. Er sagte: „O ihr Korinther, unser Mund hat sich euch gegenüber aufgetan, unser Herz ist weit geworden. Eng ist nicht der Raum, den ihr in uns habt; eng aber ist's in euren Herzen. Ich rede mit euch als mit meinen Kindern; stellt euch doch zu mir so, und macht auch ihr euer Herz weit.“

Hat dein Bruder Raum in deinem Herzen? Ist in deinem Herzen Platz für deine Schwester? Öffne die Türen deines Herzens. Gib dein Leben hin – um Jesu willen, so wie auch er sein Leben um deinetwillen hingegeben hat. Wenn du deinem Bruder dein Herz öffnest, kann die Liebe Christi ihn erreichen. Den Thessalonichern schrieb Paulus: „So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart.“ Und den Galatern riet er: „Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“

 

Niemand hat größere Liebe, als der, der sein Leben lässt für seine Freunde! Du kannst es tun, weil Jesus in dir lebt! Zweifellos taten dies auch die Galater, denn Paulus bezeugte später: „Und obwohl meine leibliche Schwäche euch ein Anstoß war, habt ihr mich nicht verachtet oder vor mir ausgespuckt, sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, ja wie Christus Jesus.“

Die Liebe, die du deinem Nächsten erweist, erweist du Jesus selbst. Deshalb sagte er zu denen, die andere gespeist, getränkt und in ihrer Not besucht hatten: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.“

 

Liebe nicht nur mit Worten, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit!

 

1.Jh.3,16-18; Apg.6,1-5.12.15; 7,55-60; 1.Tim.2,4; Röm.5,5; Lk.18,15-16; 2.Kor.6,11-13; 1.Thess.2,8 (Elberfeld); Gal.6,10; Jh.13,20; Gal.4,14; Mt.25,34-40

 
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