7. - 8. Mai

„Mein Gott aber wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.“  Philipper 4,19

 

Jesus begann seine Bergpredigt mit den Worten: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“ Damit machte er deutlich, zu wem das Reich der Himmel kommt und wen es glückselig macht. Gottes Reich kommt zu denen, die innerlich arm und bedürftig sind. Gesegnet sind diejenigen, die ihren eigenen Mangel erkannt haben. Diese Menschen kann Gott beschenken! Sie kann er reich machen!

In seiner Bergpredigt zeigt Jesus aber nicht nur, wer das Reich der Himmel empfangen kann, er offenbart auch, dass, wer in diesem Reich leben will, eine Menschlichkeit benötigt, die unsere weit überragt. Doch Jesu will uns mit dem, was er lehrt, nicht bloßstellen – er will Raum schaffen in unserem Herzen! Er zeigt uns unseren Mangel und wirkt in uns die Sehnsucht nach der Menschlichkeit, die in ihm sichtbar wird. Wir werden hungrig, ihn zu empfangen, verlangend, durch ihn zu leben und zu wandeln.

Demnach ist es keine Schande, wenn wir Mangel haben. Im Gegenteil, wer der Meinung ist, ihm fehle nichts, der ist nicht nur blind, er wird dem Sohn Gottes auch nur wenig Raum geben, damit er in seinem Herzen Neues schaffen kann.

 

Auch als Jesus auf dieser Erde lebte, gab es einige, die glaubten, in ihrem Leben sei alles in Ordnung. Ihnen sagte der Herr: „Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, damit, die nicht sehen, sehend werden, und die sehen, blind werden.“ Einige Pharisäer fühlten sich angesprochen und fragten ihn: „Sind wir denn auch blind?“, worauf Jesus antwortete: „Wärt ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; weil ihr aber sagt: Wir sind sehend, bleibt eure Sünde.“

Gott hat uns lieb, und er will uns gerne helfen. Doch wenn wir ihm dazu keine Gelegenheit geben, muss er sich in unserem Herzen Raum schaffen!

Auch im Leben des reichen Jünglings war es so: Er war zu Jesus gekommen und hatte ihn gefragt: „Guter Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“ Er hatte hart an sich gearbeitet und sich ernsthaft bemüht, Gottes Gebote zu befolgen. Daher besaß er eine hohe Meinung von sich. Er war sich keines Mangels bewusst. Offensichtlich besaß er keine Schwächen, kannte er kein persönliches Versagen. In seinen Augen war alles, was er bisher getan hatte, tadellos gewesen. Er war der festen Überzeugung, dass er ein guter Mensch war. Doch Jesu lobte ihn nicht. Er erwiderte: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Du kennst die Gebote: 'Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!“ Die Antwort des Jünglings lautete: „Das habe ich alles gehalten von Jugend auf.“

Was hättest du diesem Mann geantwortet? Jesus schaute ihn voller Liebe an. Mit dem, was er dem jungen Mann nun riet, wollte er ihn nicht beschämen, nicht bloßstellen. Der Herr versuchte lediglich, Raum im Herzen seines Gegenübers zu schaffen – Raum für sein Wirken, Raum für das Leben, das Gott uns schenken will. So sagte er: „Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!“

Mit seiner Forderung hatte Jesus die „Latte“ so hoch gelegt, dass der Jüngling nicht darüberspringen konnte. Nun musste er passen! Nun war sein Mangel offenkundig geworden! Der junge Mann wandte sich traurig ab und ging davon. Daraufhin sagte der Herr zu seinen Jüngern: „Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes! Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.“ Alle, die diese Worte hörten, fragten sich bestürzt: „Wer kann dann selig werden?“ Jesus antwortete: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“

 

Kannst du ein Kamel durch ein Nadelöhr schieben? So wenig dir das gelingen wird, so wenig wirst du loslassen können, was dir wertvoll und kostbar erscheint. Wer kann das, was er besitzt und ihm ein Gefühl von Unabhängigkeit und Sicherheit bietet, plötzlich aufgeben und verschenken? Zweifellos nur ein Mensch, der davon überzeugt ist, dass er dadurch etwas viel Kostbareres gewinnen wird.

Und so geht es jedem, der Jesus vertraut – egal, was er um Jesu Willen preisgibt, er kann nicht verlieren, sondern nur mehr gewinnen.

Was aber können wir tun, wenn unser Versuch, ein „Kamel“ durch ein „Nadelöhr“ zu schieben, kläglich misslingt? Jesus hatte nicht nur gesagt: „Verkaufe alles, was du hast!“ Er sagte auch: „Komm und folge mir nach!“

Das ist es, was Jesus auch von dir und mir erwartete: Wir sollen bei ihm bleibe, besonders dann, wenn wir Defizite in unserem Leben erkennen! Wir sollen uns auch nicht selbst verbessern. Kann ein Leopard seine Flecken verschwinden lassen? Sage aber auch nicht: Das ist nun mal nicht zu ändern, damit muss ich leben. Nein! Wenn du deinen eigenen Mangel erkannt hast, dann darfst du nicht traurig davongehen. Auch hier heißt es: Verkaufe, was du hast! Halte nicht an dem fest, was du nicht kannst. Trenne dich von deiner Selbstbetrachtung! Nichts darf dazu führen, dass du dich von Christus abwendest: weder dein eigener „Reichtum“, noch dein Mangel.

Nur das Leben Christi kann in dir wahre Veränderung bewirken! Bleibe deshalb bei Jesus, und setzte dein Vertrauen ganz auf das Leben, das er dir überfließend darreicht. So wird Christus zu deinem Reichtum werden und all deinen Mangel ausfüllen. Du wirst erleben, wie ein „Kamel“ durch ein „Nadelöhr“ geht!

 

Mt.5,3; Jh.9,39-41; Mk.10,17-22; Lk.18,18-27.9-14; Phil.3,7

 
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