9. - 10. Mai

„Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus lieb hatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu.“  Johannes 13,23

 

Die Jünger waren bestürzt als Jesus zu ihnen sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.“ Wir lesen: „Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.“

Sie alle waren nun schon dreieinhalb Jahre mit Jesus unterwegs. Sie hatten Wunder erlebt und seine Herrlichkeit gesehen. Sie hatten Worte der Wahrheit und des ewigen Lebens empfangen. Jesus hatte ihnen Gottes Liebe offenbart, sie unzählige Male getröstet, ermutigt und gestärkt. Keiner von ihnen hatte seither Mangel gehabt, keiner Verlust erlitten. Im Gegenteil, sie fühlten sich privilegiert, weil ihr Meister sie erwählt und in seine Nachfolge gerufen hatte.

Und nun sollte einer von ihnen Jesus verraten und an seine Gegner ausliefern? Der Gedanke schien völlig absurd zu sein! Wer von ihnen sollte zu einer solch abscheulichen Tat fähig sein?

Petrus war sich sicher, dass er seinen Herrn niemals enttäuschen würde! Er sagte zu Jesus: „Ich will mein Leben für dich lassen!“ Doch was musste er von Jesus hören? „Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast.“

 

Auch wir haben Jesus freudig aufgenommen und folgen ihm nun nach. Vieles haben wir von ihm erkannt und mit ihm erlebt. Tief in unserem Herzen sind wir davon überzeugt, dass er der Herr und Christus ist, der Sinn und die Bedeutung unseres Lebens. Wir lieben ihn! Wir sind ihm dankbar und haben ihm schon oft bekannt, wie kostbar er uns ist. Und trotzdem gab es immer wieder Momente, in denen wir Jesus verleugnet und alleingelassen haben. Danach waren wir über uns selbst entsetzt.

Was tun wir, wenn wir jämmerlich versagen oder unter dem Fehlverhalten anderer zu leiden haben?

Dies ist immer die Stunde, auf die der Feind gewartet hat. Nun erkennt er eine Chance, uns von Christus abzuschneiden. Jetzt tritt er neben uns, der Verkläger, der Dieb und Mörder, der Vater der Lüge. Und wenn sein Werk vollbracht ist und er seine böse Saat in unser Herz gesät hat, dann ziehen wir uns frustriert zurück. Ja, vielleicht verlassen wir sogar die Gemeinschaft der Gläubigen – aus Enttäuschung über uns selbst oder andere.

 

So war es auch bei Judas, denn nachdem ihm der Herr beim Abendessen einen Bissen Brot gereicht hatte, wird uns gesagt: „Da er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.“

Sobald wir uns dem Versucher zuwenden und seinen Worten Glauben schenken, wird es Nacht um uns werden. Es wird dunkel in unserem Herzen, wenn wir uns von Jesus abwenden! Und auch, wenn wir der Gemeinde den Rücken kehren und die Versammlungen der Heiligen verlassen.

 

Was hatte Judas zu erwarten, nachdem ihn die Nacht aufgenommen hatte?

Als er seinen schrecklichen Verrat bereute, fand er unter den Pharisäern und Schriftgelehrten keinen, der ihm in seiner Verzweiflung beistehen wollte. Im Gegenteil, man stieß ihn von sich und sagte: „Was geht uns das an? Da sieh du zu!“ Judas war mit seiner Schuld allein! Und weil er sich von Jesus entfernt hatte, fand er nicht mehr ins Licht zurück. Das aber kann nicht unser Weg sein.

 

Johannes, der Jünger Jesu, zeigt uns, wo wir in Stunden des Zweifels und der Anfechtung hingehören. Wir lesen: „Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus lieb hatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu.“

Hier ist unser Bestimmungsort! Hier gehören wir hin – in die Gemeinschaft mit Jesus und in den Genuss seiner Liebe! Nur wenn wir ihm ganz nahe sind, können wir bewahrt bleiben, besonders dann, wenn wir angefochten sind oder entmutigt am Boden liegen. Bei ihm finden nicht nur die Mühseligen und Beladenen Ruhe, hier gibt es auch Geborgenheit für die, die versagt haben, frustriert aufgeben wollen oder von anderen enttäuscht wurden.

 

Egal, was geschehen ist, nie darf unser Weg von Christus wegführen. Was außer Dunkelheit kann uns dann erwarten? Nein! Alles, was wir erleben, muss dazu führen, dass wir nur noch inniger mit Jesus verbunden werden. Dann werden wir erfahren, „dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“

Doch auch wenn unser Leben eingerahmt ist von Verleugnung und Verrat, auch wenn wir unser eigenes Versagen vor Augen haben, auch wenn wir Einsamkeit erfahren und uns Dunkelheit umgibt, so bedeutet dies nicht das Ende. Welches Ende hatte Hiob vor Augen, als sein bisheriges Leben im Staub zu versinken drohte? Er sagte: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben.“ Das letzte ist nicht unser Verderben, nicht unser Untergang – der Letzte ist immer Jesus, unser Herr!

 

Gottes Liebe und seine Barmherzigkeit hören niemals auf. Im Gegenteil, gerade dann, wenn wir versagt haben, ist er uns besonders nahe. Dann ist er herbeigeeilt, um uns an sein Herz zu ziehen, so wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn.

 

Auch in der Nacht, in der Jesus von seinen Jüngern verraten, verleugnet und schließlich alleingelassen wurde, werden wir an eine Wahrheit erinnert, die sich nie ändern wird – auch dann nicht, wenn wir ihm untreu geworden sind: Wir lesen: „Und wie er (Jesus) die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.“

Als Jesus seinem Jünger Judas das Brot reichte, stand dessen Entschluss fest: Er wollte seinen Herrn verraten und ihn seinen Widersachern ausliefern. Trotzdem verweigerte ihm Jesus seinen Dienst nicht. Er beugte sich nieder und wusch allen die Füße – auch Judas! Dieses Ereignis war sogar Jahrhunderte zuvor vorausgesagt worden, denn die Schrift sagt: „Der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen.“

Jesus wusch auch Petrus die Füße, obwohl er wusste, dass der Jünger nur wenige Stunden später schwören würde, ihn nicht zu kennen.

So ist unser Herr! Er kommt uns immer wieder neu entgegen. Er streckt seine Hand nach uns aus und will uns dienen. Er reicht uns sein Brot! Er wäscht uns die Füße! Er vergibt uns! Er reinigt uns und erweist uns seine nie endende  Liebe. Und dabei fragt er nicht, ob wir seine Liebe erwidern werden!

 

Es werden Stunden kommen, in denen dir der Teufel einreden will, dass dir die Nachfolge Jesu nur Nachteile bringt. Er wird dir raten, deine Haut zu rettest. Doch mit seinen Lügen will er dich einsam machen und in die Nacht führen. Du aber sollst wissen, dass dir Jesus gerade jetzt ganz nahe ist. Er will dich zu sich ziehen, an sein Herz – und dich seine nie endende Liebe spüren lassen. Hier gehörst du hin! Hier will er sich dir offenbaren, so, wie er es bisher vielleicht noch nicht tun konnte. Er wird dir Worte zusprechen, deren Sinn und Bedeutung du zuvor nicht erkannt hast.

Dein Platz ist heute nicht in Nacht und Einsamkeit. Jesus hat für dich einen Ehrenplatz reserviert – an seiner Brust. Bleibe in seiner Liebe!

 

Mt.27,3-5; Röm.8,28; Hiob 19,25; Lk.15,20; Jh.13,1-5.26.36-38; Ps.41,10; Jh.15,9

 
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