9. - 10. Oktober

„Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ Johannes 3,14-15

 

Der Weg durch die Wüste schien endlos zu sein. Doch nicht der Sand und die Trockenheit waren das Problem der Israeliten, sondern ihre innere Einstellung. Anstatt der Fürsorge und Leitung ihres Gottes zu vertrauen, murrten sie unentwegt über ihn. Die Wunder, die der Herr vor ihren Augen tat, waren schon nach kurzer Zeit vergessen. Ihr Blick war auf den Sand der Wüste gerichtet. Es wurde geseufzt und geklagt. Verständlich, dass so jeder Schritt zur Last wurde. Die Bibel berichtet: „Da brachen sie auf von dem Berg Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und es ekelt uns vor dieser mageren Speise. Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben.“

Gott hatte auf das Murren reagiert und das widerspenstige Volk gerichtet. Entsetzt eilten die Israeliten zu Mose, der kurz zuvor noch Ziel ihres Unmuts gewesen war: „Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme.“ Als Mose daraufhin für sein Volk zu Gott schrie, sprach der Herr: „Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben.“

Wieder einmal hatte das Volk Israel gesündigt. Warum? Ja, warum sündigen wir? Weil die Sünde in uns wohnt! Das ist auch der Grund, weshalb wir so oft an Gott zweifeln, gegen ihn aufbegehren und an seiner Fürsorge zweifeln. Dahinter verbirgt sich Satan, der Urheber jeder Rebellion gegen Gott. Bereits im Garten Eden war es der Schlange gelungen, Zweifel an Gott zu säen. Und nachdem der Mensch ihrer Stimme gehorchte und gegen Gott sündigte, steckt ihr totbringendes Gift in unseren Gliedern.

Davor aber hatte Gott den Menschen gewarnt, als er sagte: „ … an dem Tag, da du von ihm issest (vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen) musst du des Todes sterben.“

 

Wenn ein Israelit von einer feurigen Schlange gebissen wurde, dauerte es nicht lange, bis das Gift in seinen Adern wirkte – er wurde immer schwächer, bis die Lähmung sein Herz erreichte. Und genau so verhält es sich mit dem Gift, mit dem Satan uns infiziert hat – es lähmt uns, raubt uns die Kraft und wirkt in uns den Tod.

So sagt die Schrift: „Deshalb wie durch einen Menschen (Adam) die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.“

 

Warum tun wir Dinge, die wir im Grunde unseres Herzen verabscheuen? Warum tun wir nicht das, was wir als richtig erkannt haben und für das Beste erachten? Weil in uns das Gift der Schlange wirkt! Es ist ihre böse, zerstörerische Natur, die uns lähmt und verhindert, dass wir das tun, was Christus ehrt und verherrlicht.

 

Es ist beeindruckend, wie ehrlich Paulus in seinem Brief an die Gläubigen in Rom war. Er bekannte freimütig, wie es in seinem Innern aussah, denn er schrieb: „Ich bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich ... So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.“

Zu den Pharisäern sagte Jesus: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier! ... Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch erscheinen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! So auch ihr: von außen scheinet ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht ... Ihr Schlangen, ihr Otternbrut!“

Harte Worte! Doch sie beschreiben exakt unsere alte, gefallene Natur. Daran wollte Jesus auch Nikodemus erinnern, als er die Schlangen erwähnte, welche die Israeliten zur Zeit ihrer Wanderschaft in der Wüste bedrohten. Doch dann fuhr Jesus fort und sagte: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“

 

Jesus wurde ein Mensch, um den Raub des Lebens in uns zu stoppen. Mehr noch, er kam, um der totbringenden Natur Satans, die in uns wirkt, die Macht zu nehmen. Jesus kam aber auch, um uns das wahre Leben zu bringen, das Leben, das aus Gott ist, das ewige Leben, das heilig und gerecht ist, rein und unbefleckt, stark und siegreich, machtvoll und fähig, die Macht des Todes zu überwinden. Deshalb sagte Jesus. „Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.“

 

Um den Verursacher der Sünde in uns zunichtezumachen, wurde Christus am Kreuz zur „ehernen Schlange“. Diese Tatsache bestätigt auch der Schreiber des Hebräerbriefs, denn er sagt: „Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er's gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel.“

Obgleich in Jesus keine Sünde wohnte, er nicht einmal von Sünde wusste, war er doch, was seine äußere Gestalt betraf, in der Gestalt des sündigen Menschen gekommen. Daher sah Gott, als der Menschensohn am Kreuz hing, in ihm die Gesamtheit des gefallenen Menschengeschlechts verkörpert. Als Jesus gekreuzigt wurde, wurde mit ihm Adam und allen seinen Nachkommen gekreuzigt und gerichtet! Auch du und ich waren im Tod Christi eingeschlossen! Am Kreuz wurde Jesus, obwohl er ohne Sünde war, für uns „zur Sünde gemacht“. In der Stunde seines Todes lag alles auf ihm, was Gott richten wollte – auch unsere Schlangennatur mit ihrem tödlichen Otterngift.

Als Gott seinen Sohn richtete, wurde aber auch der Urheber der Sünde und aller Verderbtheit verurteilt und gerichtet – Satan, die alte Schlange. Am Kreuz vollstreckte Gott das Urteil, das er bereits im Garten Eden über dem Teufel ausgesprochen hatte: „Ich will Feindschaft setzten zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten und du wirst ihn in die Ferse stechen.“

Am Kreuz verdammte Gott „die Sünde im Fleisch“. Dort wurde Satan seiner Macht entkleidet und öffentlich zur Schau gestellt. Es waren nicht die bösen Mächte, die auf dem Hügel Golgatha triumphierten. Nein! Gott triumphierte in Christus über sie.

 

Als die eherne Schlange hat Christus den vernichtet, der die Gewalt der Sünde und des Todes besaß! Bleibe also nicht auf deinem Lager liegen, wenn du den Biss der Schlange spürst. Konzentriere dich auch nicht auf das, was ihr Gift angerichtet hat. Hebe deine Augen auf und blicke auf Jesus – den gekreuzigten und erhöhten Menschensohn. Er ist die eherne Schlange! Er trug dein Gericht! Er hat der alten Schlange den Kopf zertreten! Von Jesus geht das ewige Leben aus! Und er schenkt es dir – hier und jetzt! Wer auf ihn blickt, wird heil!

Deshalb sagt die Schrift: „Denn wenn wegen der Sünde des Einen der Tod geherrscht hat durch den Einen, um wieviel mehr werden die, welche die Fülle der Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus.“

 

So wie die Schlange in der Wüste erhöht wurde, musste Christus erhöht werden – auf dem Hügel Golgatha, um die Macht der Sünde und des Todes zu zerstören. Erfahrbar für dich wird sein Sieg aber erst dann, wenn du ihn ebenfalls erhöhst – in deinem Herzen. Sobald du Jesus erhöhst, ihm dankst und ihn lobst, für das, was er für dich ist und getan hat, stehst du im Genuss der Fülle seiner Gnade. Dann empfängst du die Gabe der Gerechtigkeit, dann wirkt das Leben Jesu in dir, dann machst du dich eins mit der Herrschaft dessen, der der alten Schlange den Kopf zertreten hat. Sei gewiss, dass das Gift der Schlange dann nicht in dir wirken kann!

 

Bevor der Herr ans Kreuz ging, gab er seinen Jüngern eine großartige Verheißung. Er sagte: „Wenn er kommt (der Tröster, der Geist der Wahrheit), wird er der Welt die Augen auftun ... über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.“

 

4.Mose 21,4-8; 1.Mose,2,17; Röm.5,12; Röm.7,14-20; Mt.23,25-33; Hebr.2,14; 1.Jh.3,5; 2.Kor.5,21; 1.Mose 3,15; Röm.8,3; Kol.2,14-15; Röm.5,17; Jh.16,7-8+11

 
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