11. - 12. Dezember

„Und Elia sprach zu Elisa: Bleibe du hier, denn der Herr hat mich nach Bethel gesandt. Elisa aber sprach: So wahr der Herr lebt und du lebst; ich verlasse dich nicht.“ 2.Könige 2,2

 

Gottes Plan für unser Leben erfüllt sich nicht in der „Wüste“ des Unglaubens! Wenn wir voller Zweifel sind, murren und resignieren, wird Christus nur wenig in uns vollbringen können. Dann sind wir nicht in der Verfassung, das Gute Land einzunehmen! Deshalb mahnt uns die Schrift: „Seht zu, dass keiner unter euch ein böses, ungläubiges Herz habe, das abfällt von dem lebendigen Gott.“ Darum müssen wir nach „Gilgal“ kommen, an den Ort, an dem der Glaube wohnt. Hier haben Entmutigung und Resignation keine Überlebenschance! Hier wird die „Schande Ägyptens“ – der Unglaube – von uns abgetan. In Gilgal setzen wir unseren Fuß auf das verheißene Land und beanspruchen, was uns Gott zugesagt hat. Wir haben eine Entscheidung getroffen: Wir wollen unser himmlisches Erbe Stück für Stück einnehmen!

„Ohne Glauben“, sagt die Schrift, „ist’s unmöglich, Gott zu gefallen.“ Der Glaube ist das Tor, durch das uns Gottes Segnungen erreichen! Deshalb sagte Jesus zu denen, die zu ihm kamen und ihm vertrauten: „Dein Glaube hat dir geholfen!“ Und er ließ Petrus wissen: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhört!“

Doch Gilgal ist nicht das Ziel unserer Reise – es ist der immer neue Ausgangspunkt unseres Lebens! Bereits morgens, wenn das Licht des Tages die Schatten der Nacht vertreibt, sollten unsere Füße in Gilgal stehen, nicht erst am Abend oder nur nach einem Gottesdienstbesuch. Gewiss, wir werden nicht vermeiden können, dass „Schlangen und Skorpione“ unseren Weg kreuzen und uns bedrohen. Wir können auch nicht verhindern, dass sich „Wüstenstaub“ auf uns herabsenkt und unsere Zunge am Gaumen kleben lässt. Doch beherrschen darf uns die „Wüste“ nicht, denn Jesus hat uns verheißen: „Wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Und er sagt auch: „Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden.“

 

Elia wollte nicht in Gilgal bleiben, denn Gott hatte ihn weiter nach Bethel gesandt. Elisa blieb beharrlich an seiner Seite, auch dann noch, als sein Meister zu ihm sagte: „Bleibe du hier!“ Elisa antworte: „So wahr der Herr lebt und du lebst: Ich verlasse dich nicht!“

 

Was will uns Gott in „Bethel“ zeigen?

 

Jakob hatte auf seinem Weg nach Haran ein Nachtlager aufgeschlagen. Er war auf der Flucht! Auf hinterhältige Weise hatte er seinen Bruder betrogen und um sein Erstgeburtsrecht gebracht. Nun trachtete ihm Esau nach dem Leben! Nicht genug damit, hatte Jakob auch seinen blinden Vater hintergangen und belogen. Und so kam es, dass er, der stets an der Schürze seiner Mutter hing, plötzlich auf sich allein gestellt war. Was erwartete ihn in Mesopotamien? Wer würde in der Fremde für ihn sorgen, wer ihn beschützen und beraten? Gab es dort Menschen, die ihm gewogen waren?

Düstere Wolken überschatteten das Leben des jungen Mannes, während die Dunkelheit hereinbrach und er sich zur Nacht bettete. Jakob hatte keine Ahnung, dass er nicht allein war. Er wusste nicht, dass ihn der Gott seiner Väter sah und jeden seiner Schritte beobachtete. Der Herr gedachte der Verheißung, die er Abraham und Isaak gegeben hatte und griff nun in das Leben des entwurzelten und heimatlos gewordenen Wanderers ein.

In der Nacht hatte Jakob einen Traum: Er sah eine Leiter, die auf der Erde stand und mit ihrer Spitze den Himmel berührte. Die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder und oben stand der Herr und sprach: „Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.“

Als Jakob von seinem Schlaf erwachte, fürchtete er sich und sprach: „Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! ... Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.“ Dann tat er ein Gelübde und sagte: „Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen und mich im Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der Herr mein Gott sein.“ Danach nahm er den Stein, auf dem sein Kopf in der Nacht geruht hatte, richtete ihn zu einem Steinmal auf und übergoss ihn mit Öl. Daraus, so sagte er: „... soll ein Gotteshaus werden!“

 

Wenn du dein Lager in Gilgal aufgeschlagen hast, will dich Gott nach Bethel bringen, denn dort ist die Pforte des Himmels – hier wohnt Gott selbst! Vielleicht haben schon deine Vorväter Gottes Verheißungen gekannt, ihm geglaubt und ihn geliebt, doch du wirst dein Leben nicht darauf aufbauen können – du musst dem lebendigen Gott persönlich begegnen. Die Botschaft Bethels lautet: Der Herr des Himmels und der Erde möchte sich dir offenbaren! Er sehnt sich nach Gemeinschaft mit dir. Er will, dass du in einer lebendigen Beziehung zu ihm stehst. Deshalb bringt er dich von Gilgal nach Bethel, an den Ort, an dem du seine Stimme hörst und er seine Hand auf dich legt.

Vielleicht fühlst du dich – wie Jakob – allein gelassen, entwurzelt und heimatlos! Du weißt nicht, wie es weitergeht, und fragst dich, was der morgige Tag bringen wird. Du vermisst den Rat derer, die dir früher zur Seite standen. Oder du leidest unter Schuldgefühlen, weil du Fehler gemach hast und vieles falsch gelaufen ist. Vielleicht quälen dich Erinnerungen, die dir nicht zur Ehre gereichen. Möglich auch, dass du Menschen kennst, denen du unter keinen Umständen begegnen willst. Wenn deine augenblickliche Situation so oder so ähnlich ist, dann sollst du wissen, dass Gott dich in „Bethel“ erwartet und sich dir dort offenbaren will. Er will dich aber auch dann in „Bethel“ begrüßen, wenn dich gegenwärtig nichts beunruhigt oder bekümmert! Komme trotzdem zu diesem Ort und bette dich hier zur Ruhe. Nimm dir Zeit für eine Begegnung mit Gott! Lass ihn neu zu dir reden!

 

Jakob sah in seinem Traum eine Leiter auf der Erde stehen: Während das eine Ende zum Greifen nahe war, berührte das andere Ende den Himmel. Zwischen Himmel und Erde konnte man einen regen Verkehr beobachten, denn die Engel Gottes stiegen hinauf und herab. Jakob, der einsame Wanderer in eine ungewisse Zukunft, sah eine Wirklichkeit, die größer und ausdrucksvoller nicht sein konnte!

 

Hier die Erde, dort der Himmel, hier der Mensch, vergänglich und in den Staub der Zeit gehüllt, dort der lebendige Gott, ewig und unwandelbar. Da, wo unsere Füße jetzt stehen, ist alles im Wandel begriffen. Hier sehen wir Könige und Herren, die kommen und gehen. Dort aber, wo Gott ist, erkennen wir ein Reich, das unvergänglich und unzerstörbar ist. Auf der Erde erleben wir Einsamkeit und Enttäuschungen, finden wir Ungerechtigkeit und vielfältiges Leid. Hier sind Menschen in großer Bedrängnis, hier werden Tränen vergossen, hier regiert Gewalt, hier herrscht der Tod. Dort aber, im Licht der Herrlichkeit Gottes, erkennen wir ein liebendes Vaterherz, voll Erbarmen, Mitgefühl, Freundlichkeit und Güte. Dort erklingt ein Lied, das in uns, wenn wir es hören, freudigen Jubel weckt. Bei ihm, dem Vater der Barmherzigkeit und dem Gott allen Trostes, sind wir willkommen. In seinen Armen finden wir herzliche Liebe, Geborgenheit und ewiges Heil! Er gibt uns Leben im Überfluss, Leben, das ohne Anfang und ohne Ende ist – Gottes Leben. Und während auf dieser Erde Stürme toben und unser Herz sich fürchtet, steht der Himmel über uns weit offen. Hier lädt uns Gott zur heilsamen Ruhe ein, verheißt er denen, die mühselig und beladen sind, Erquickung, gewährt er Heimatlosen und Entwurzelten Zuflucht und Schutz.

 

Bevor Jesus seinen Dienst begann, erwählte er einige Jünger. Einer von denen, die er in seine Nachfolge rief, war Philippus. Nachdem der Herr ihn aufgefordert hatte: „Folge mir nach“, begegnete Philippus einem guten Bekannten, Nathanael, dem er zurief: „Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth.“ Doch Nathanael war nicht beeindruckt, denn er antwortete: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen?“ Dann aber ließ er sich von Philippus zu Jesus bringen. Als der Herr ihn sah, sagte er: „Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist.“ „Woher kennst du mich?“, fragte ihn Nathanael überrascht. Jesus antwortete ihm: „Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich“, worauf Nathanael verblüfft ausrief: „Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!“ Die Bibel berichtet weiter: „Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, dass ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum. Du wirst noch Größeres als das sehen." Dann fuhr Jesus fort und sagte: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn“ (oder „auf den Sohn des Menschen“).

Kein Zweifel: Die Worte Jesu erinnern an den Traum Jakobs. Wir erkennen, dass beim Kommen des Sohnes Gottes auf diese Erde, das Wirklichkeit wurde, was Jakob einst in Bethel gesehen hatte!

 

Willst du heute durch die Pforte des Himmels eingehen? Dann musst du zu Jesus kommen, denn er sagt von sich selbst: „Ich bin die Tür!“ Nur in ihm kannst du den lebendigen Gott sehen, hören, erkennen und erfahren! Jesus bringt Gott, den Vater, zu dir und dich zu ihm. Er ist die himmlische Leiter, die den Himmel mit der Erde, die Zeit mit der Ewigkeit und Gott mit uns Menschen verbindet. Jesus ist die Pforte des Himmels! Wo er ist, steht der Himmel weit offen. In ihm berührt dich Gottes Hand! In ihm erreicht dich sein Segen!

 

Während Jesus auf dieser Erde lebte, war er die lebendige Wohnstätte, das Haus Gottes – Bethel. Dann aber führte ihn der Vater nach Golgatha. Dort, am Kreuz, richtete und verdammte Gott, was uns von ihm getrennt hat. Als Jesus starb, zerriss der Vorhang im Tempel: Nun stand die Tür in das ewige Reich Gottes weit offen – nun war der Weg zum Thron seiner Gnade frei. Nachdem Jesus auferstanden und zum Vater aufgefahren war, sandte er den verheißenen Heiligen Geist. Seit diesem Tag ist er der Garant für einen ungehinderten Verkehr zwischen Himmel und Erde! Mit Gottes Geist kommt der Lichtglanz der Herrlichkeit Jesu zu dir. In ihm erreicht dich sein lebendiges Sprechen! Er reicht dir das ewige Leben dar. Er lässt dich an Gottes Gnade, dem Heil und der Auferstehungskraft Jesu Christi teilhaben. Er bringt dir den Strom der Liebe Gottes und gießt ihn in deinem Herzen aus.

Der Geist eines Menschen, der das Leben Jesu nicht empfangen hat, ist tot. Jeder aber, der Jesus in sein Herz und Leben aufnimmt, wird so zur Wohnstätte Gottes. Den Gläubigen zu Rom schrieb Paulus: „Wenn Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.“ Welcher Geist ist Leben? Unser menschlicher Geist! Warum? Weil Gottes Geist in ihm wohnt und mit ihm eins geworden ist. Deshalb sagt die Schrift: „Wer dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm.“

Deshalb musst du nicht in den Himmel steigen, wenn du die Pforte des Himmels berühren willst. Sie ist in dir – in deinem wiedergeborenen Geist. Als ein Tempel, eine Wohnstätte, des Heiligen Geist, stehst du in direkter Beziehung zu Gott, weshalb er an jedem Ort und zu jeder Tageszeit zu dir sprechen, dich innerlich berühren,  leiten und in seinem Frieden bewahren kann. Gleichzeitig kannst du allezeit zu seinem Thron kommen und an seinen Segnungen teilhaben. Der Heilige Geist kommt, wie die Himmelsleiter, aus der Sphäre Gottes. Er ist nicht nur von Gott – er ist Gott und bringt Gott zu dir! Durch seinen Geist wohnt Gott selbst in dir – in deinem Geist und in deinem Herzen!

 

Nachdem Jakob am Morgen aufgewacht war, richtete er den Stein auf, auf dem sein Kopf geruht hatte und salbte ihn.

In „Bethel“ bist du, wie Petrus sagte: „zu dem lebendigen Stein gekommen, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott ist er auserwählt und kostbar.“ Lehne dich an diesen Stein und komme hier zur Ruhe! Auch wenn alles um dich herum ins Wanken gerät, so wird doch der Fels deiner Errettung fest und unerschütterlich bleiben. Sobald du Christus, den Gesalbten, den Mittler zwischen Gott und den Menschen, betrachtest und ihn in deinem Herzen aufrichtest – ihn lobst und über alle Last des Tages erhebst – atmet deine Seele himmlischen Frieden. Du wirst den Himmel offen sehen und spüren, wie das kostbare Salböl, mit dem Christus gesalbt wurde, dein Innerstes heilsam durchströmt. Und während du zuvor noch ängstlich zurückgeblickt hast oder besorgt an die Zukunft dachtest, erkennst du nun, dass Gott seine Hand auf dich gelegt hat. Du hörst, wie er zu dir sagt: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.“

 

Hebr.3,12; 11,6; Mt.9,2.22.29; Lk.22,32; 10,19; Jh.6,35b; 1.Mose 28,10-22; Ps.34,8-9; Jh.1,43-51; 14,9; 10,9; Mt.27,51; Hebr.10,19-20; Apg.2,33; Röm.5,5; Eph.2,1; Röm.8,10.16; 1.Kor.6,17; 1.Petr.2,4; 1.Tim.2,5; Hebr.1,9; 2.Kor.1,21; Offb.1,17-18

 
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