„Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf Erden.“ 1.Könige 17,14

 

Die Trockenheit, die Gott wegen der Abtrünnigkeit seines Volkes über das ganze Land hatte kommen lassen, war so groß, dass auch viele Menschen in Nachbarländern Not litten. Elia, der Prophet des Herrn, erlebte die ersten Monate der Dürre am Bach Krit, einem Nebenfluss des Jordans. Es wird uns berichtet, dass er von Raben versorgt wurde, die ihm, auf Anweisung des Herrn, morgens und abends Brot und Fleisch brachten. Als auch der Fluss ausgetrocknet war, befahl ihm Gott: „Mach dich auf und geh nach Zarpat, das bei Sidon liegt, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dich zu versorgen.“

Während sich der Prophet dem Stadttor näherte, bemerkte er eine Frau, die Holz sammelte. Ihr rief er zu: „Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke“. Als er der Frau auch noch nachrief: „Bringe mir auch einen Bissen Brot mit“, erwiderte sie: „So wahr der Herr, dein Gott, lebt; ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, dass wir essen – und sterben.“ Wir lesen weiter: „Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach's, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir's heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf Erden. Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des Herrn, das er durch Elia geredet hatte.“

 

Während das Land unter der anhaltenden Dürre ächzte, ernährte der Herr seinen Knecht Elia mit Hilfe einiger Raben. Elia war sich also auch in einer Zeit großer Not der Hilfe und des Beistands seines Gottes sicher. Er konnte erkennen, welche Bedeutung ihm beigemessen wurde und wie wichtig er war – für Gott und die Menschen. Durch sein Wort war der Himmel zugeschlossen worden und nur auf sein Wort hin würde es wieder regnen! Doch dieses Wissen ließ Elia nicht stolz werden! Im Gegenteil, als ihn der Herr in das Haus einer mittellosen Witwe führte, fühlte er sich nicht erniedrigt oder gedemütigt. Nein! Willig kehrte er bei ihr ein, um sich ihrer Not anzunehmen und für sie zu sorgen. Durch die Anwesenheit des Propheten wurde der Sidonierin die Liebe und Anteilnahme Gottes nahegebracht. Durch ihn erfuhr sie die Fürsorge des Allmächtigen. Die Vollmacht, die Elia von Gott empfangen hatte, nutzte er, um einer mittellosen Witwe beizustehen und ihren Mangel auszufüllen. So wurde Elia, der Knecht Gottes, zum Diener einer einsamen, bedürftigen Frau. Er brachte Trost und Hoffnung in ihre Hütte, während in den Häusern der Israeliten, wegen der anhaltenden Dürre, die Sorgen täglich größer wurden.

 

Danach berichtet uns die Bibel: „Und nach diesen Geschichten wurde der Sohn seiner Hauswirtin krank, und seine Krankheit wurde so schwer, dass kein Odem mehr in ihm blieb.“

Elia war tief betroffen, als der Junge immer schwächer wurde und schließlich seinen letzten Atemzug tat. Er konnte und wollte sich nicht damit abfinden, dass ins Haus der Witwe Trauer und Herzeleid eingekehrt waren. So legte er sich dreimal auf den Leib des Kindes, rief den Herrn an und sprach: „Mein Herr, lass sein Leben in dies Kind zurückkehren“. Der Herr erhörte das Gebet seines Knechtes und erweckte den Knaben zu neuem Leben. Als die Mutter das sah, rief sie: „Nun erkenne ich, dass du ein Mann Gottes bist, und des Herrn Wort in deinem Munde ist Wahrheit.“

Elias Herz war voller Mitgefühl und Erbarmen! Es war seine Herzenswärme, die den erstarrten Körper des Jungen durchströmte. Und es war das machtvolle Eingreifen Gottes, das das Kind zu neuem Leben erweckte.

 

Mitten in einer Zeit der Rezession hatte Gott nicht nur auf wundersame Weise den Mangel der Witwe gestillt, er hatte auch dafür gesorgt, dass, als der Tod in ihr Haus kam, Hoffnung erhalten blieb, Trauer und Leid weichen mussten. Als Elia sich eines Tages von ihr verabschiedete, hatte die Witwe durch ihn die Liebe, Barmherzigkeit, Fürsorge und Lebenskraft des lebendigen Gottes erfahren. Sie hatte den Gott Israels kennengelernt. Und das, obwohl sie nicht Abrahams Geschlecht angehörte.

 

Reagiert dein Herz mitfühlend, wenn du siehst, dass dein Nächster Not leidet? Hast du den Wunsch, ihm beizustehen? Möchtest du ihm die Liebe Christi nahe bringen? Dann darfst du sicher sein, dass Gottes Hand auf dir ruht und sein Geist in dir wirkt. Die Schrift sagt: „Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat ... Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm ... Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“

Unserem Gott bleibt kein Leid, kein Seufzen und keine Klage verborgen. Der Psalmist war sogar sicher, dass Gott seine Tränen zählte, denn er sagte: „Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie.“

Wie mitfühlend reagierte der barmherzige Samariter, als er den Elenden, der unter die Mörder gefallen war, am Wegesrand liegen sah. So auch unser Herr und Retter! Doch wen kann „der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes“, in das Haus eines Bedürftigen und Notleidenden senden, um ihm seine Hilfe zuteil werden zu lassen?

Möchtest du das Feuer der Liebe Christi in deinem Herzen spüren? Möchtest du ein Diener Jesu sein? Dann sei ein Beschützer der Witwen und Waisen, ein Tröster der Trauernden, ein Helfer für Ausgestoßene und Verachtete! Die Schrift sagt: „Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten.“ Und „Weint mit den Weinenden.“ Und „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

 

Lege deinem Nächsten keine Last auf, sondern hilf ihm, dass er seine Bürde zu Füßen Jesu ablegen kann. Gottes Wort sagt dir: „Reiß jedes Joch weg!“ Und „Lass den Hungrigen dein Herz finden!“

 

Es ist der Wille deines Vaters im Himmel, dass die Liebe, mit der er dich liebt und die er durch seinen Geist in dein Herzen ausgegossen hat, auch zu deinem Nächsten fließt. Vielleicht gibt es jemand in deiner Nähe, der große Not leidet und keinen Ausweg sieht. Lass ihn wissen, dass es jemand gibt, der sein Leid kennt, mit ihm fühlt und bewirken kann, dass in seinem Haus das „Mehl im Topf“ und das „Öl im Krug“ nicht verzehrt werden.

Vielleicht kannst du auch die Kälte vertreiben, die das Herz eines Menschen erstarren lässt, weil er die grenzenlose Liebe Jesu nicht kennt. Wie wunderbar wäre es, wenn einer dieser Mittellosen eines Tages sagen würde: „Nun erkenne ich, dass du ein Mann Gottes bist, und des Herrn Wort in deinem Munde ist Wahrheit.“

 

1.Kön,17; 18,1,19-39; Röm.15,1-2; 1.Jh.4,12-13.16.19; Ps.56,9; 10,12-14; 68,6-7; Lk.10,33; 2.Kor.1,3; Jak.1,27; Röm.12,15b; Gal.6,2; Jes.58,6-7.10-11

 
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