15. - 16. Dezember

„Und Elia sprach zu ihm: Bleibe du hier, denn der Herr hat mich an den Jordan gesandt. Er aber sprach: So wahr der Herr lebt und du lebst: ich verlasse dich nicht. Und es gingen die beiden miteinander. Und fünfzig von den Prophetenjüngern gingen hin und standen von ferne; aber die beiden standen am Jordan. Da nahm Elia seinen Mantel und wickelte ihn zusammen und schlug ins Wasser; das teilte sich nach beiden Seiten, so dass die beiden auf trockenem Boden hinübergingen. Und als sie hinüberkamen, sprach Elia zu Elisa: Bitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde. Elisa sprach: Dass mir zwei Anteile von deinem Geiste zufallen.“ 2.Könige 2,6-9

 

Welcher Ort könnte noch vor uns liegen, wenn wir Gilgal, Bethel und Jericho kennengelernt haben?

 

Gilgal ist der Ort, an dem der Glaube wohnt. Hier setzten wir unseren Fuß auf die Verheißungen Gottes, hier ergreifen und beanspruchen wir, was er uns zugesagt hat. In Gilgal schaffen wir uns selbst Speise, indem wir die Früchte des Guten Landes ernten und genießen.

In Bethel sind wir zur Wohnstätte Gottes gekommen. Hier offenbart sich uns der Herr. Hier spricht er zu uns. Hier spüren wir, dass er seine Hand auf uns gelegt hat! Hier lernen wir ihn persönlich kennen. In Bethel sehen wir den Himmel über uns weit offen! Gott ist uns näher, als wir es erahnten! Er ist in seinem geliebten Sohn zu uns gekommen! Er wurde unser Nachbar, Freund und Bruder! Wir erkennen, dass wo Jesus ist, die Pforte des Himmels offensteht! Obwohl er zur Rechten des Vaters sitzt, wohnt er zur selben Zeit auch in unserem Herzen! Durch ihn fließt uns das wahre Leben zu! In Christus berühren wir Gott, genießen wir ungetrübte Gemeinschaft mit unserem himmlischen Vater – ganz gleich, was um uns herum geschieht. Der Genuss seiner Gegenwart und Liebe ist unsere höchste Freude. Schließlich lehnen wir unseren Kopf an Christus – den auserwählten, köstlichen Stein – und kommen zu seiner Ruhe.

In Jericho tritt uns der Widersacher entgegen, um unser Vorangehen zu stoppen. Hier stoßen unsere Füße an ein Hindernis! Doch unsere Entschluss steht fest: Wir wollen uns durch nichts und niemand von Christus abschneiden lassen! Sein helles Licht soll die Dunkelheit vertreiben, die Werke des Teufels zerstören. Dazu ist Jesus gekommen! Wir wollen, dass sein Sieg über die Finsternis auch in unserem Leben heilsame Wirklichkeit wird. Den Sieg Jesu vor Augen, proklamieren wir seine Herrschaft über alle Macht des Feindes und zerstören so die Bollwerke des Bösen, die er in unserem Verstand errichtet hat. So eins gemacht mit Jesus, dem Auferstandenen, erleben wir, dass der Widersacher das Feld räumen muss.

 

Was also bleibt noch zu tun? Von Elia und Elisa wird uns gesagt: „Und es gingen die beiden miteinander ... die beiden standen am Jordan ... so dass die beiden ... hinübergingen ... und als sie miteinander gingen und redeten ...“

 

Elisa war sich der Tatsache bewusst, dass sein Herr und Meister schon bald von ihm genommen werden würde. Doch obwohl ihn Elia mehrmals aufgefordert hatte, zurückzubleiben, war Elisa nicht von seiner Seite gewichen. Wie sehr hatte er von den reichen Erfahrungen Elias profitiert. Es war ein großes Vorrecht, mit dem Propheten Gemeinschaft zu haben und von ihm lernen zu können. Keine Frage, dass Elisa so den Gott Israels besser kennengelernt hatte.

Plötzlich jedoch sah er einen Wagen, von feurigen Rossen gezogen. Und ehe er sich versah, entschwand Elia seinem Blick. Zurück blieb nur sein Mantel. Die Schrift berichtet uns: „Elisa aber sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und sein Gespann! und sah ihn nicht mehr. Da fasste er seine Kleider, zerriss sie in zwei Stücke und hob den Mantel auf, der Elia entfallen war, und kehrte um und trat wieder an das Ufer des Jordan. Und er nahm den Mantel, der Elia entfallen war, und schlug ins Wasser und sprach: Wo ist nun der Herr, der Gott Elias? und schlug ins Wasser. Da teilte es sich nach beiden Seiten, und Elisa ging hindurch.“

Obwohl Elisa diesen Moment nicht unvorbereitet erlebte, war er doch zutiefst bestürzt. Die große Anspannung, unter der seine Seele litt, entlud sich in einem Schrei. Sein großer Lehrmeister, der Vertraute an seiner Seite, war plötzlich nicht mehr bei ihm – Elisa war allein. Wer sollte Gottes Volk nun führen und leiten, wenn der „Wagen Israels und sein Gespann“ fehlten? Die Bibel berichtet uns: „Da fasste er seine Kleider, zerriss sie in zwei Stücke.“

 

Wer die damaligen Ereignisse verinnerlicht und darüber nachsinnt, wird Parallelen zur Himmelfahrt Jesu erkennen können: Nach seiner Kreuzigung und Auferstehung war Jesus seinen Jüngern vierzig Tage lang erschienen. Sie konnten ihm Fragen stellen und erhielten Antworten, sie wurden ermutigt und auf das große Ziel ausrichtete, das vor ihnen lag, nämlich die Ausbreitung des Evangeliums bis an die Enden der Erde. Plötzlich aber, noch während sie mit ihm redeten, kam eine Wolke und nahm ihn vor ihren Augen auf. Wie erstarrt standen die Jünger da und blickten gen Himmel. Der, der ihren Blicken entschwunden war, war ihr Herr und Meister, ihr Lehrer und Berater, ihr großes Vorbild. Jesus war ihr Motor, der sie alle unermüdlich angetrieben und vorangezogen hatte! Wie sollte es ohne ihn weitergehen?

 

Zuerst fühlte sich Elisa seines Herrn und Meisters beraubt. Dann nahm er dessen Mantel und fragte: „Wo ist nun der Herr, der Gott Elias?“ Und als er damit das Wasser des Jordans schlug, geschah das, was zuvor auch bei Elia geschehen war – das Wasser teilte sich nach beiden Seiten, sodass er trockenen Fußes hindurchgehen konnte. Als Elisa das andere Ufer erreicht hatte, sagten die Prophetenjünger, die das Geschehen beobachteten: "Der Geist Elias ruht auf Elisa", und sie gingen ihm entgegen und fielen vor ihm nieder.

Zweifellos hatte Elisa einen großen Verlust erlitten – etwas Kostbares war ihm genommen worden! Dafür aber wurde ihm nun doppelter Anteil zuteil! Elia war gegangen, der Gott Elias aber war geblieben – sein Geist ruhte nun auf Elisa – in noch größerer Fülle!

 

Was den Jüngern nach der Himmelfahrt Jesu zunächst als unersetzlicher Verlust erschien, erwies sich für sie schon bald als großer Gewinn, denn der, der von ihnen gegangen war, sandte ihnen nun den verheißenen Heiligen Geist. Durch ihn kam der gekreuzigte, auferstandene und erhöhte Herr und Retter selbst zu ihnen. Jesus war nun nicht mehr begrenzt und eingeengt, wie er es zuvor war. Er konnte nun jedem seiner Jünger nahe sein, sie überall erreichen, mit ihnen reden, sie trösten, stärken, ihnen beistehen und sie in seinem Frieden bewahren. Und während er die Seinen früher nur in äußerer Weise begleiten und beraten konnte, lebte er nun in ihren Herzen. Nun konnten die Jünger mit Jesus vollkommen eins sein und an seiner Fülle teilhaben. So gesehen, war es gut gewesen, dass er ging, um in noch größerer Fülle zurückzukehren!

 

Wenn unsere Füße den Jordan berühren, möchten wir zurückweichen. Wir haben den Eindruck, als würden wir beraubt werden. Doch jeder, der den Jordan durchquert hat, wird feststellen, dass er nicht ärmer, sondern reicher geworden ist. Petrus hatte dem Herrn diese Frage gestellt: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür gegeben?“ Doch Jesus antwortete: „Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, da der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels. Und wer Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker verlässt um meines Namens willen, der wird's hundertfach empfangen und das ewige Leben ererben.“

 

Wenn wir Christus treu nachfolgen, werden wir früher oder später den „Jordan“ erreichen, wo etwas von uns genommen wird. Doch alles, was wir um Jesu Willen preisgeben, wird uns Gott vielfältig erstatten!

 

Auch Jesus war einst zum Jordan gekommen, um sich dort von Johannes taufen zu lassen. Er, der eigentlich nichts abzulegen hatte, ließ sich an jenem Tag vor den Augen des ganzen Universums in unsere Menschheitsgeschichte hineinversetzen. Er zog deine und meine Geschichte an! Er war nicht nur gewillt, sich unserer Not und Bedürfnisse anzunehmen, er war bereit, sich völlig mit uns zu identifizieren! Um unsertwillen legte er alles Hohe und Erhabene ab. Er entledigte sich aller Pracht und Herrlichkeit, verzichtete er auf Annehmlichkeiten und Privilegien. Um den Willen seines Vaters zu tun, war er sogar bereit, den Tod am Kreuz zu erdulden!

Als Jesus im Jordan stand, öffnete sich über ihm der Himmel. Gott, der Vater, würdigte die Hingabe seines Sohnes, indem er sagte: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Der Geist kam wie eine Taube auf Jesus herab und blieb auf ihm.

 

Am Jordan legst du alles Eigene ab! Hier erleidest du Verlust – um ewigen Gewinn zu erlangen. Du lässt los, was du bist, um zu ergreifen, was Christus ist! Du ziehst aus, was zeitlich und verweslich ist und wirst mit unvergänglichem Wesen überkleidet. Am Jordan folgst du Jesus in den Tod und lebst fortan im Schatten des Kreuzes – dein Herz wird beschnitten, du wirst deiner eigenen Kraft und Stärke beraubt. Du lässt deine eigene Ehre dahinten und dienst allein Christus, deinem Herrn – freiwillig. Es ist die innige Liebe zu ihm, die dich vorantreibt! Und während andere noch von ferne stehen und das Für und Wider abwägen, hältst du dich an den, der zu dem wurde, was du warst, damit du zu dem werden konntest, was er ist! Er wurde zu deiner Sünde und du zu seiner Gerechtigkeit! Er wurde arm, um dich reich zu machen! Er schmeckte für dich den Tod, damit du die Fülle des ewigen Lebens empfangen kannst! Er wurde der Niedrigste, damit du bis zum Thron Gottes erhoben werden konntest!

Willig streckst du nun deine Hände aus und lässt dich von ihm führen. Und auch wenn deine Füße den „Jordan“ berühren, folgst du ihm weiter. Du weißt, dass du keinen Schaden nehmen wirst. Du bist gewiss, dass nach Dunkelheit Licht aufleuchtet, nach Tod Auferstehung folgt, nach Erniedrigung Erhöhung, nach Einsamkeit innigere Gemeinschaft mit Christus.

 

Wenn dein Herr und Meister am „Jordan“ zu dir sagt: „Bitte, was ich dir tun soll“, dann wirst du ihm antworten: Herr Jesus, ich will, dass dein Wille in meinem Leben geschieht und du verherrlicht wirst.

 

Apg.1,3,9; 2,1-3.33; Jh.16,7; 14,16-20.27; Mt.19,27-29; 3,13-17; Phil.2,5-9; 2.Kor.5,21; 8,9; Hebr.2,9; Jh.21,18; 2.Kor.6,10¸ Röm.8,17-18; Phil.1,20-21

 
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