17. - 18. November

„Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf dem Berge, den ich dir sagen werde.“ 1.Mose 22,1-2

 

Zwei Menschen steigen zusammen einen Berg hinauf: einer ist noch ein Kind, der andere ein alter Mann, den eine schwere Last niederzudrücken scheint. Abraham und seinen Sohn Isaak sind hierhergekommen, um Gott ein Opfer zu bringen. Der Junge trägt das Holz, sein Vater hält das Feuer in der einen und ein Messer in der anderen Hand. Abrahams Gesicht lässt Gram und Kummer erkennen. Nur mit Mühe kann er sich der düsteren Gedanken erwehren, die wie glühende Pfeile in seiner Brust stecken. Was Gott von ihm fordert, schnürt ihm die Kehle zu und lässt sein Herz bluten. Wie viele Jahre hatten er und seine Frau auf einen Sohn warten müssen. Dann endlich, im hohen Alter, konnten sie ihn in den Armen halten. Und nun forderte Gott zurück, was er ihnen gegeben hatte.

„Abraham“, hatte der Herr gesagt, „nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und gehe hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.“

Alle Verheißungen, die Abraham empfangen hatte, waren mit diesem Sohn verbunden. Nun sollte er ihn opfern! Wie konnte er ohne ihn zu einem großen Volk werden, wie sein Same zum Segen für alle Völker?

 

Drei Tage dauerte die Reise, bis endlich das Ziel erreicht war, drei lange Tage, in denen Abraham sicherlich nicht viel aß und nur wenig schlief. Sein Glaube war in den Jahren, in denen er mit Gott wandelte, stetig gewachsen! Seitdem ihm „der Gott der Herrlichkeit“ in Ur in Chaldäa erschienen war und befohlen hatte, sein Vaterhaus zu verlassen, hatte Abraham erlebt, wie ihn der Ewige Schritt für Schritt führte. Der Weg, der vor ihm lag, war Abraham zwar völlig unbekannt, doch vor Gott schien er in helles Licht getaucht. Anfangs war Abrahams Glaube noch sehr schwach gewesen. Er hatte sich einreden lassen, dass der Herr zur Erfüllung seiner Verheißung auf menschliche Unterstützung angewiesen sei. Doch die daraus resultierenden leidvollen Erfahrungen hatten Abraham erkennen lassen, was passiert, wenn man Gott ins Handwerk pfuscht.

Als der Herr ihn dann aufforderte, sein Liebstes auf dem Altar zu opfern, machte er sich auf, um seinen einzigen Sohn, der ihm nach jahrelangem Warten endlich geschenkt worden war, dem Herrn zurückzugeben. Auf dem Berg Moria brachte Abraham Gott also nicht ein beliebiges Opfer dar – Isaak war das Kostbarste, das er besaß. Er war der Ertrag und die Frucht seines ganzen Lebens!

 

Als Abraham seinen Sohn band und ihn auf den Altar legte, opferte er all seine Hoffnungen und Erwartungen, alles, was er bisher erreicht und erlangt hatte.  Damit aber war vor den Augen des ganzen Universums der Beweis erbracht, dass Abraham den Herrn, der ihm erschienen war, mehr liebte als sein eigenes Leben. Zu jener Zeit, als er seine Hand erhob, um seinen Sohn zu opfern, waren ihm die Gedanken und Absichten des Allmächtigen verborgen. Abraham konnte nicht ahnen, was in den nächsten Minuten geschehen würde. Doch eines wusste er gewiss. Die Bibel berichtet: „Durch den Glauben opferte Abraham den Isaak, als er versucht wurde, und gab den einzigen Sohn dahin, als er schon die Verheißung empfangen hatte und ihm gesagt worden war: Was von Isaak stamm, soll dein Geschlecht genannt werden. Er dachte: Gott kann auch von den Toten erwecken.“

Abraham glaubte an den Gott der Auferstehung!

 

Die Schrift berichtet uns: „Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete. Da rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen.“

 

Als Gott die Hingabe Abrahams sah, seine Bereitschaft, sein Bestes hinzugeben, schwor er bei sich selbst: „Weil du solches getan hast und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont, will ich dein Geschlecht segnen und mehren wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres, und deine Nachkommen sollen die Tore ihrer Feinde besitzen; und durch dein Geschlecht sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorcht hast.“

 

Eben noch musste Abraham den Eindruck gehabt haben, als trete sein Fuß ins Leere. Doch dann erklang die gebieterische Stimme des Engels des Herrn: „Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest!“ In diesem Moment erkannte Abraham, dass Gott ihn nicht seines Sohnes berauben, sondern sich nur seiner Liebe vergewissern wollte. Auch merkte er, dass Gott jeden seiner Schritte verfolgt und beobachtet hatte. Alles war von ihm durchdacht und weise arrangiert worden – sogar für ein Ersatzopfer hatte der Herr gesorgt.

Als Abraham seine Augen aufhob, sah er hinter sich einen Widder, der sich mit seinen Hörnern in einer Hecke verfangen hatte. Ihn nahm er und opferte ihn an Stelle seines Sohnes. Und Abraham nannte die Stätte „Der Herr sieht.“

 

Vielleicht bist auch du der Meinung, dass Gott Unmögliches von dir fordert. Oder du glaubst, dein Weg führe ins Leere. Du sollst wissen, dass „der Herr sieht“! Vertraue ihm, dass er nicht nur den Weg kennt, den er dich führen will, er hat auch das Ziel vor Augen. Wenn er sich deiner Liebe vergewissert und dein Herz prüft, dann mag es dir vielleicht scheinen, als würde er dich berauben. Doch das Gegenteil hat er im Sinn: Er will dich segnen und beschenken. Das, was du um seines Namens willen hingegeben hast, wird er dir auf einer höheren Ebene zurückgeben – in Auferstehung. Deshalb wirst du, wenn du ihm Schritt für Schritt vertraust, nicht ärmer werden, sondern innerlich nur mehr gewinnen. Du wirst erkennen, wer Jesus Christus ist! Dann aber, wenn du seine Herrlichkeit mit aufgedecktem Angesicht schaust, wird er dich umgestalten in sein Bild! Diese Wahrheit hatte Paulus vor Augen, als er schrieb: „Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“

 

Gerne möchten auch wir unseren „Isaak“ vorzeigen können – die Frucht unseres Lebens, voll jugendlicher Kraft und Schönheit. Doch vor der Vermehrung steht die Einsamkeit, vor der Verherrlichung die Erniedrigung. Und was dereinst in Kraft auferstehen soll, muss zuvor in Schwachheit gesät werden. Nichts wird leben, es sterbe denn zuvor! Wenn du bereit bist, dem Herrn zurückzugeben, was er dir geschenkt hat und du ihm auch dein Liebstes, ja, den Ertrag deines ganzen Lebens, nicht vorenthalten willst, dann wird er sich dir in einem Maß offenbaren, wie du es dir nicht vorstellen kannst. Er wird von seinem Thron aufstehen und bei sich selbst schwören, dich zum Segen für viele zu setzen.

 

Gott wollt Abraham zum Vater vieler Völker werden zu lassen und ihn zum Segen für andere zu setzten. Doch bevor dies geschehen konnte, musste sein Auserwählter loslassen und hingeben, was ihm lieb und wert war. Und alle, die des Glaubens sind, werden erfahren, was auch er erfahren hat.

Wenn es also dein Wunsch ist, dass das Leben Jesu in deinem Leben sichtbar wird, dann sei nicht überrascht, wenn zuvor der Tod Jesu mächtig in dir wirksam ist. Davon redete der Apostel Paulus als er sagte: „Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde. Denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu offenbar werde an unserm sterblichen Fleisch.“

Sei deshalb nicht entmutigt, wenn du an deine Grenzen stößt, dein Mangel offenbar wird, Einsamkeit und Bedrängnisse dich umgeben. In diesen Stunden berührst du den Altar Gottes!

 

Halte an nichts fest, damit du Jesus Christus ergreifen kannst! Bekenne ihm, was deine Liebe zu ihm schmälern will. Sage deinem Herrn und Retter: Herr Jesus, ich gebe dir zurück, was du mir gegeben hast. Ich lasse los und lege ab, was mein Herz von dir wegzieht und mich ablenkt. Du allein sollst mein höchstes Gut und meine Freude sein!

 

Du darfst gewiss sein, dass dir der Herr heute zuruft, was er auch Abraham bezeugte: „Fürchte dich nicht! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.“

 

1.Mose 22,1-18; Hebr.11,17-19; Mk.10,28-30; 1.Kor.15,42-43; Jh.12,24-25; 2.Kor.4,10-11.16-18; 1.Mose 15,1

 
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