"Herr, wer bist du?" Apostelgeschichte 9,5

 

Menschen sind sehr verschieden. Keiner ist wie der andere. Es gibt Unterschiede nach Herkunft und Erziehung, nach Veranlagung und Fähigkeiten. Vergleicht man z.B. den Kämmerer aus Äthiopien mit Saulus von Tarsus, wird man wohl kaum gegensätzlichere Charaktere finden.

Der Kämmerer ist ein sehr offener, zugänglicher Mensch auf der Suche nach der Wahrheit. Er lässt sich gerne helfen, ist sofort bereit, sich etwas sagen zu lassen. Philippus fragt ihn: „Verstehst du auch, was du liest?" Worauf er antwortet: „Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet." Dann bittet er den Fremden, auf seinen Wagen aufzusteigen, und hört ihm mit offenem Herzen zu. Obwohl er der Finanzminister seines Landes ist, erkennt er an, dass sein Gegenüber bezüglich der Dinge Gottes mehr gesehen und erkannt hat. An Ort und Stelle nimmt er Christus auf und lässt sich sogar vor den Augen seiner Bediensteten taufen.

Ganz anderes dagegen Saulus von Tarsus. Er ist Jude, ein echter Hebräer vom Stamme Benjamin. Sein Vater war ein Pharisäer, und gleicherweise ist er einer geworden. Er hat die beste Ausbildung genossen, die je einem jungen Mann seines Volkes zuteil werden konnte. Gamaliel, einer der bekanntesten und angesehensten Männer des ganzen Landes, ist sein Lehrer gewesen. Er überragt viele seiner Altersgenossen, ist ein Eiferer für die väterlichen Satzungen und stolz sowohl auf seine Herkunft als auch auf die Tradition seines Volkes. Was die Gesetzesvorschriften betrifft, so ist er unsträflich. Er dient dem Gott seiner Väter hingegeben und absolut und ist darin ein Vorbild für viele. Er ist so sicher, so stark und auch so fähig.

 

Als in Jerusalem das Evangelium von Jesus Christus gepredigt wird und immer mehr Menschen an ihn glauben, ergreift die Obersten und Ältesten des Volkes maßlose Eifersucht. Zuerst versuchten sie mit nachdrücklichen Verboten, die Apostel zum Schweigen zu bringen, dann, indem sie sie schlagen und ins Gefängnis werfen lassen. Vergeblich! Petrus antwortet ihnen: „Wir können's ja nicht lassen von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben." (Apostelgeschichte 4,20) Mit großer Kraft geben die Apostel Zeugnis von der Auferstehung Jesu Christi. Tausende werden gerettet, so dass das Wort des Herrn wächst und großen Einfluss gewinnt.

Eines Tages führen einige Gesetzeskundige mit einem jungen Mann, der an Christus glaub, ein Streitgespräch. Sein Name ist Stephanus. Sie müssen jedoch feststellen, dass sie der Weisheit und dem Geist, aus welchem er redet, nichts entgegenzuhalten haben. Daraufhin führen sie ihn vor den Hohen Rat und behaupten, er habe Mose, das Gesetz und den Tempel gelästert. Als Stephanus sich vor ihnen verantwortet, beweist er anhand ihrer eigenen Geschichte, dass sie diejenigen, welche ihnen Gott zur Hilfe und Errettung gesandt hatte, immer wieder abgelehnt und zurückgewiesen haben: Josef wurde von seinen eigenen Brüdern verkauft, und trotzdem bewahrte er sie später davor, dass sie in der großen Hungersnot nicht elendig umkamen. Mose führte die Kinder Israel aus der Sklaverei Ägyptens heraus, und doch stießen sie ihn von sich. Gott tat Wunder über Wunder vor den Augen seines Volkes, und doch wandte sich dieses von ihm ab und betete Götzen an. - Schließlich fasste Stephanus dies alles zusammen als die Geschichte eben derer, die da vor ihm standen: „Ihr Halsstarrigen, mit verstockten Herzen und tauben Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem heiligen Geist, wie eure Väter so auch ihr. Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben getötet, die zuvor verkündigten das Kommen des Gerechten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid" (Apg.7,51-52).

Das nun geht ihnen durchs Herz, dem ganzen hier versammelten Hohen Rat, und während sie schon mit den Zähnen über ihn knirschen, hält Stephanus doch nicht zurück und bekennt noch einmal vor ihnen allen den zur Rechten Gottes erhöhten Menschensohn, Jesus: „Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen." Da können sie's nicht mehr länger ertragen. Sie fangen laut an zu schreien und halten sich ihre Ohren zu, stürmen auf ihn ein, stoßen ihn zur Stadt hinaus und steinigen ihn. Und da ihn schon die ersten Steine treffen, betet er: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!" und bereits in die Knie sinkend bittet er noch: „Herr, rechne ihnen diese Sünde an!" Dann stirbt er. Einer von denen, die an seinem Tode Wohlgefallen hatten, war Saulus von Tarsus.

In der Folgezeit erhebt sich eine große Verfolgung über die Gemeinde zu Jerusalem. Saulus wird zu einem der Hauptgegner der Gläubigen. Er wütet und schnaubt, schleppt diejenigen, die den Namen des Herrn anrufen, aus ihren Häusern heraus, Männer und Frauen, zerrt sie vor Gericht, peinigt sie, zwingt sie zu lästern und hilft schließlich, sie zum Tode zu verurteilen. Daraufhin werden viele Gläubige in die umliegenden Länder zerstreut. So lesen wir: „Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe" (Apg.9,1-2).

Saulus ist völlig davon überzeugt, dass sich diese neue Lehre auf Irrtümer und Lügen gründet und dass diejenigen, die sie glauben und verbreiten, Verführer und Irrlehrer sind. Dieser Mann aus Nazareth soll Gottes Sohn gewesen sein, der Messias, der Erlöser der ganzen Welt? Das passte überhaupt nicht in sein Schriftverständnis. Und was die Obersten seines Volkes betraf: konnten sie, die Hüter der väterlichen Überlieferungen, die Experten in der Schriftauslegung, sich irren? Und sollten etwa statt ihrer ein paar Fischer aus Galiläa die Wahrheit erkannt haben? Welch eine unsinnige Vorstellung!

So befindet sich Saulus auf dem Weg nach Damaskus - einer, der für Jesus nur Verachtung übrig hat, ja, der ihn hasst.

 

Die Bibel berichtet uns: „Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst." Wir können nur sehr schwer nachempfinden, wie es Saulus in diesem Moment zumute gewesen sein muss. Eben noch so sicher, so stark, so fest von der Richtigkeit seines Handelns überzeugt, liegt er jetzt in Staub der Straße. In einem Augenblick zerbricht sein ganzes Gottesbild, das sein Denken und Handeln bisher bestimmt hatte. Er dachte, er tue Gott einen Dienst, wenn er die Christen verfolgte und tötete. Jetzt aber muss er erkennen, dass er einer der ärgsten Feinde Gottes war. Er ist der Verblendete. Der Irrtum findet sich auf seiner Seite. Der, den er bisher für einen falschen Propheten und Verführer gehalten hatte, redete nun zu ihm mit lauter, klarer Stimme. Und getroffen von seinem Licht, heller als der Sonne Glanz, weiß er nun mit absoluter Sicherheit: Jesus lebt! Er ist der Auferstandene! Er ist der Herr! Jener Saulus, der da eben noch meinte, Gott zu kennen, fragt nun: „Herr, wer bist du?"

 

Was ist es denn, das uns hindert, Gott zu finden und ihn zu kennen? Sind es nicht zumeist unsere eigenen Vorstellungen? Man hatte uns einerseits gewisse Dinge über Gott erzählt, und andererseits haben auch wir selbst nach und nach uns ein bestimmtes Gottesbild zurechtgelegt und es in unsere Weltanschauung eingefügt, mit der wir unser Leben zu leben versuchen. Der lebendige Gott aber wird immer wieder in unserem Leben Ereignisse herbeiführen, die dieses Bild in Frage stellen, ja, die es zerstören sollen, denn ihm liegt an uns, und er möchte, dass wir ihn wirklich erkennen. Solch eine Offenbarung entspringt niemals unserem eigenen Herzen, sie kommt einzig und allein von Gott selbst.

 

„Herr, wer bist du?" Wenn wir mit solch einer Haltung die Evangelien durchlesen und unsere innere Aufmerksamkeit ganz auf Jesus Christus richten, kann es nicht ausbleiben, dass wir von seiner Person je länger je tiefer beeindruckt werden. Was sagt die Bibel, wer er ist? Was sagt er von sich selbst? Was sagen seine Jünger von ihm? Was sagen jene, denen er half?

Seine Geburt wird von Jesaja bereits siebenhundert Jahre zuvor so angekündigt: „Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel" (Jes.7,14). Der, der dann geboren wird, kann mit keinem anderen Menschen verglichen werden, er ist einzigartig. Ein paar Weise folgen seinem Stern und finden ihn, den neugeborenen König der Juden. Engel erscheinen Hirten auf dem Felde und verkündigen ihnen: „Euch ist heute der Retter geboren!" Im Alter von zwölf Jahren stellte er den Schriftgelehrten Fragen und gibt ihnen Antworten, so dass sie sich alle verwundern. Bevor er seinen Dienst beginnt, tritt ein Mann auf, der alle auffordert: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen." Es ist Johannes der Täufer, der von sich sagt: „Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen" (Matthäus 3,11). An einem anderen Tag sieht er Jesus kommen und ruft aus: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!" (Johannes 1,29). Als sich Jesus dann taufen lässt, öffnet sich der Himmel und eine Stimme sagt: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe" (Mt.3,17).

Jesus beginnt seinen Dienst, indem er umherzieht und das Reich Gottes verkündigt: Er heilt die Kranken und löst die von bösen Mächten Gequälten, er gebietet Wind und Wellen, speist fünftausend Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen; er hat Vollmacht, auf Erden Sünden zu vergeben; er kennt jedes Herz und weiß die Gedanken derer, die zu ihm kommen; er rührt voller Mitleid Aussätzige an und reinigt sie; er weckt einen Toten auf, der vier Tage zuvor gestorben ist und bereits nach Verwesung riecht.

Als ihn dann einer seiner Jünger bittet: „Herr, zeige uns den Vater," antwortet er: „So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht? Wer mich sieht, der sieht den Vater!" Er kam vom Vater, und er kam mit dem Vater. Was er tat, tat Gott durch ihn, was er redete, waren die Worte des Vaters.

Er brachte Gott in vollkommener Weise zum Ausdruck. Seine Speise war es, den Willen des Vaters zu tun. Niemand konnte ihn einer Sünde zeihen, kein Wort des Betrugs wurde in seinem Mund gefunden, er war der heilige und Gerechte. Obwohl er Gottes Sohn war, diente er doch allen wie ein Sklave, wusch er seinen Jüngern die Füße, war er willig, sich verspotten, verraten, verleugnen und schließlich sogar töten zu lasen.

Er war bereits im dritten Kapitel der Bibel von Gott angekündigt worden als einer, der kommen würde, um der alten Schlange, Satan, den Kopf zu zertreten. Der Prophet Micha hatte davon geweissagt, dass er in Bethlehem geboren werden sollte. Sacharja hatte vorausgesagt, dass er, der König, arm und auf einem Esel reitend in Jerusalem einziehen werde. Jesaja hatte angekündigt, dass man an seiner Gestalt kein Gefallen finden würde, weil er ohne äußere Pracht und Hoheit kommen sollte. David redete in Psalm 22 von seinen Leiden: „Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf...Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst...meine Zunge klebt mir am Gaumen...sie haben meine Hände und Füße durchgraben...sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand."

 

Das ganze Alte Testament spricht von im - Mose, alle Propheten, die Psalmisten -, trotzdem erkannte man ihn nicht, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Doch auch davon hatten die Propheten geweissagt, denn Jesaja beginnt sein dreiundfünfzigstes Kapitel, in welchem er so klar vom Tod und der Auferstehung des Gerechten spricht, mit folgenden Worten: „Aber wer glaubt dem, was uns verkündigt wurde, und wem ist der Arm des Herrn offenbart?" Und: „Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte."

 

Während Jesus mit seinen Jüngern zusammen war, sprach er mehrmals davon, dass er nach Jerusalem gehen müsse, um dort zu leiden und zu sterben. Und ebenso klar kündigte er ihnen seine Auferstehung an. Sie aber verstanden nichts von alledem. Nach seiner Verhaftung rannten sie alle davon, versteckten sich ängstlich, und später sogar bezeichneten sie jene als Märchenerzähler, die ihnen berichteten, sie hätten den auferstandenen Herrn gesehen. Thomas sagte sogar: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmahle sehe und meinen Finger in die Nägelmahle lege und meine Hand in seine Seite, kann ich's nicht glauben" (Johannes 20,25).

Wie vieler Beweise bedarf es noch, bis wir endlich erkennen, das Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist und dass wir, wenn wir zum Vater kommen wollen, ihn unbedingt brauchen.

 

„Herr, wer bist du?" Hier liegt der große Saulus im Staub vor eben dem, an den zu glauben er verächtlich von sich wies.

Jetzt erkennt er mit einem Mal, wie sehr ihm Christus fehlte. Obwohl er sich völlig in der Religion seiner Väter bestätigt wusste, so fehlte ihm doch das Entscheidende, nämlich Christus, die Wirklichkeit, das Leben Gottes.

Hieran erkennen wir, dass religiöser Eifer, Selbstverbesserung und bloßes Wissen über Gott ungenügend sind. Wir brauchen Christus!

Wenn wir ihn aufnehmen, wird er zu unserer neuen Abstammung, und es gilt das Wort der Schrift: „Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden!" (2.Korinther 5,17). Christus ist Gottes Neubeginn in unserem Leben. Er wird zu unserer Gerechtigkeit, zu unserem Frieden und unserer Übereinstimmung mit Gott. Er wird in uns zur Quelle des wahren Lebens - sowohl des ewigen, göttlichen als auch des reinen menschlichen Lebens. Als Erben des Neuen Testaments sind wir dazu berufen, mit Christus alles zu teilen, was er ist und was er vollbracht hat.

 

Derselbe Mann, der vor Damaskus fragte: „Herr, wer bist du?", schrieb später: „Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi Willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne" (Philipper 3,7-8).

Ein Größerer und Höherer hatte sich Saulus von Tarsus in den Weg gestellt. Die überragende Größe dieser Person war es, die ihn veranlasste, alles Bisherige für nichts zu erachten. Würde er noch weiter daran festhalten, wäre dies für ihn ein großer Verlust und ein unermesslicher Schaden.

Nicht, was er aufgibt, bewegt ihn, sondern was er in Christus gewinnt. So lässt er alles los, um ihn zu ergreifen. Fortan ist dies sein Wunsch und sein Verlangen: Christus mehr zu erkennen, in ihm erfunden zu werden, ihm nachzujagen und ihm gleich gestaltet zu werden.

 

Welch ein Tag im Leben des Saulus! Welch einschneidende Begegnung dort vor Damaskus! Welche Barmherzigkeit des Herrn, dass er sich diesem Mann in den Weg stellte und sich ihm offenbarte! Er hätte den Tobenden mit einem Schlag vernichten können. Stattdessen erweist er an ihm seine ganze Langmut und Güte.

 

Hören wir aber weiter, was dann geschah. Saulus fragte: „Herr, was soll ich tun?", und der Herr antwortete: „Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst." Daraufhin nahmen seine Begleiter den nun Blindgewordenen bei der Hand und führten ihn nach Damaskus. Hier wartete er drei Tage, aß nicht und trank nicht, bis ein Mann mit Namen Hananias erschien. Dieser war ein Diener des Herrn, einer von denen, die Saulus ursprünglich gefangen nach Jerusalem führen wollte. Ihm hatte der Herr zuvor im Gesicht offenbart, was mit Saulus geschehen war. Hananias hatte, als er diesen Namen hörte, zuerst entsetzt abgewehrt, um dann aber doch dem wiederholten „Geh hin" des Herrn zu folgen. Wir lesen: „Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest" (Apg.9,17).

Diese drei Tage müssen für Saulus eine Zeit sowohl des schmerzlichen Innewerdens seiner Verblendung gewesen sein als auch einer verzweifelten Reue über den Hass, mit dem er die an Jesus Gläubigen verfolgt hatte, und über all das schreckliche Leid, das er über sie gebracht hatte. Sicherlich schrie er zum Herrn um Vergebung und Erbarmen. Da klopfte es, und Hananias trat zu ihm und sprach: „Lieber Bruder Saul!" Welche eine Begrüßung! Keine Anklage, keine Bitterkeit, noch irgendein Misstrauen, das ihm da entgegengeschlagen hätte. Stattdessen erfuhr er Vergebung und Aufnahme. Von dieser Stunde an wusste er - Christus hatte ihm vergeben und ihn aufgenommen. Alsbald fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, und er wurde wieder sehend. Voller Freude rief er den Namen des Herrn an. Dann ließ er sich taufen und bezeugte damit, dass er samt seiner ganzen Vergangenheit im Tode Christi begraben war.

Später schrieb er: „Darum, ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden!" Und: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben" (Galater 2,20).

 

Saulus war zu einem Menschen geworden, der Jesus liebte!

 
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