Anhand der Zeittafel, die wir im fünften Kapitel der Bibel finden, können wir erkennen, dass, seit der Erschaffung des Menschen, 235 Jahre vergangen waren, bis man den Namen des Herrn anrief.

Danach vergingen weitere 452 Jahre, bis ein Mann eine weitere geistliche Erfahrung machte, die so zuvor noch niemand gemacht hatte, seitdem sich der Mensch von Gott abgewandt hatte!

Wir lesen: „Henoch war 65 Jahre alt und zeugte Metuschelach. Und Henoch wandelte mit Gott. Und nachdem er Metuschelach gezeugt hatte, lebte er 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter, dass sein ganzes Alter ward 365 Jahre. Und weil er mit Gott wandelte, nahm ihn Gott hinweg, und er ward nicht mehr gesehen“ (1.Mose 5,21-24).

Der Tag, an dem Menschen den Namen des Herrn anriefen, weil sie sich ihrer Schwachheit und Zerbrechlichkeit bewusst wurden, war eine geistliche Erfahrung, die bahnbrechend war.

Doch wenn wir hierbei von einer Sternstunde in der geistlichen Erkenntnis der Menschen sprechen können, wie sollen wir dann das nennen, was von Henoch berichtet wird?

Ja, bevor die Sünde im Herzen des Menschen Einzug gehalten hatte, gab es eine Zeit, in der Gott mit dem Menschen wandelte!

Doch seither hatten sich die Menschen von Gott weit entfernt!

Dass so vielen Jahre vergehen konnten, bis ein Mensch „mit Gott wandelte“, lässt erkennen, dass geistliche Erfahrungen Zeit benötigen, viel Zeit, alle Zeit unseres Erdenlebens!

Wie schnell werde ich unruhig!

Doch wie lange dauert es, bis ich mich dem Friedefürst zuwende, damit ER mir „SEINEN Frieden geben“ kann? (Jh.14,27)

Wie schnell bin ich besorgt!

Doch wie lange dauert es, bis ich „alle meine Sorgen auf den Herrn werfe“? (1.Petr.5,7)

Wie schnell lassen wir uns vom „Vater der Lüge“ belügen? (Jh.8,44

Doch wie lange dauert es, bis ich „die Wahrheit erkenne“ und Jesus mich von der Lüge frei machen kann? (Jh.8,32+36)

Wie einfach ist es, so zu denken, zu fühlen und zu handeln, wie ich es immer schon getan habe?

Doch wie lange dauert es, bis ich „den alten Menschen ablege“ und „den neuen Menschen anziehe“? (Eph.4,22+24)

Wie schnell spreche ich das aus, was mir gerade in den Sinn kommt?

Doch wie lange dauert es, bis ich das rede, „was gut ist, was erbaut und Segen bringt denen, die es hören“? (Eph.4,29)

Wie lange dauert es, bis ich erkenne, dass ich – getrennt von Christus – keine Frucht bringen kann, die Gott ehrt? (Jh.15,4-5)

Jesus, unser Herr und Retter, will nicht nur, dass wir SEINEN Namen anrufen, SEINE Errettung erfahren und dann unseren eigenen Weg gehen!

ER will, dass, „ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit IHM leben (1.Thess.5,10).

Uns wird gesagt, dass Henoch 65 Jahre alt war, als er seinen Sohn Metuschelach zeugte!

Henoch war Vater geworden! Doch während er darüber nachdachte, welch ein Wunder es ist, dass Gott neues Leben schafft, muss er erkannt haben, dass Gott auch in seinem Herzen Neues schaffen will!

Dass Gott sich Henoch offenbarte, lässt uns erkennen, dass Gott sich nie von dem Menschen abgewandt hatte!

Das hatte auch David erkannt, denn er sagte: „Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass ER sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage“ (Ps.14,2).

Zu allen Zeiten hatte Gott gewollt, dass man nach IHM fragt und IHM sein Herz zuwendet!

Sein Versprechen lautete: „Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen“ (Jer.29,13-14).

Dieses Versprechen erfüllte der Herr, als Henoch anfing, IHN zu suchen!

Gott ließ sich von Henoch finden!

ER offenbarte sich Henoch!

ER wandelte mit Henoch!

Der Herr wandelte sogar 300 Jahre lang mit Henoch!

Unfassbar! Unbegreiflich! Wunderbar!

Wie, so fragt man sich, konnte eine gerechter Gott mit einem sündhaften Menschen Gemeinschaft haben?

Gott konnte es – auf der Basis „einer ewig gültigen Erlösung“ (Hebr.9,12), die Jesus Christus erworben hat!

Gott nahm sich Zeit, um mit einem Menschen Gemeinschaft zu habe?

Gab es für Gott, der eine ganze Welt zu regieren hatte, nichts Wichtigeres und Dringlicheres zu tun?

Daran, dass Gott „seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern IHN für uns alle dahingegeben hat“, können wir erkennen, wie wichtig wir IHM waren und wie sehr ER uns geliebt hat (Röm.8,32; 5,8).

Denken wir daran, was am Tag der Auferstehung geschah: Bevor Jesus zu SEINEM Vater auffuhr, um sich IHM in der ganzen Frische SEINER Auferstehung zu zeigen, zeigte ER sich einer Frau, die weinend vor einem leeren Grab stand (Jh.20,11-18).

Noch am selben Tag nahm ER sich Zeit, um mit zwei Menschen Gemeinschaft zu haben und ihnen die Schrift zu öffnen (Lk.24,13-15).

Noch am selben Abend erschien ER auch SEINEN Jüngern, die voller Furcht waren (Lk.24,33-36).

Wir können erkennen, wie kostbar wir in den Augen Gottes sind!

Jahrhundertelang hatte Gott sich danach gesehnt, mit Menschen Gemeinschaft zu haben!

Und es war Henoch, der diesen Wunsch ebenfalls verspürt hatte!

„Henoch wandelte mit Gott!“

Wir wissen nicht, wie dieses Miteinander aussah! Ging Gott in Menschengestalt mit Henoch spazieren? Trafen sie sich jeden Tag, immer abends oder nur einmal in der Woche?

Fragen, die nicht relevant und für uns ohne Bedeutung sind?

Von Henoch wird uns nur gesagt: „Und nachdem er Metuschelach gezeugt hatte, lebte er dreihundert Jahre und zeugte Söhne und Töchter.“

Henoch war also Ehemann und Vater von Söhnen und Töchtern!

Das aber bedeutete, dass er für eine Familie zu sorgen hatte!

Er tat alles, was ein Familienvater tut, dem das Wohl der Seinen am Herzen liegt!

Doch Henoch fand, trotz vieler Verpflichtungen, immer auch Zeit, um mit Gott zu wandeln!

Seine Gemeinschaft mit Gott half Henoch, seinen Alltag besser zu bewältigen – freudiger, getroster, gelassener, hoffnungsvoller.

Wenn ein Mensch mit Gott wandelt und die Gemeinschaft mit IHM intensiver wird, dann wird dieser Mensch Gott Fragen stellen, die ihn innerlich bewegen.

Herr, wie kommt es, dass du dir so viel Zeit nimmst, um mit mir Gemeinschaft zu haben, mir zuzuhören und mit mir zu reden?

Vielleicht hat Henoch den Herrn gefragt: Herr, gibt es noch andere Menschen, die mit dir wandeln und Zeit mit dir verbringen?

Oder er klagte: Herr, viele Menschen reagieren ablehnend, wenn ich mit ihnen über dich rede. Sie sagen üble Dinge über dich! Willst du ihr freches Gerede ungestraft lassen? Was ist mit denen, die Böses tun, andere belügen, betrügen oder ihnen Gewalt antun?

Wir wissen, dass Gott, der Herr, Henoch wissen ließ, was geschehen wird!

Als Judas in seinem Brief von Menschen sprach, die „alles lästern, wovon sie nichts verstehen, sich selbst weiden, murren und mit ihrem Geschick hadern und nach ihren Begierden leben und deren Mund stolze Worte reden“, sagte er weiter: „Es hat aber auch von diesen geweissagt Henoch, der siebente von Adam an, und gesprochen: Siehe, der Herr kommt mit SEINEN vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Menschen für alle Werke ihres gottlosen Wandels, mit denen sie gottlos gewesen sind, und für all das Freche, das die gottlosen Sünder gegen IHN geredet haben“ (Judas 10-16).

Gott offenbarte Henoch, dass es einen Tag geben wird, an dem ER für alle sichtbar erscheinen wird!

„Siehe, der Herr kommt!“

Diesen Tag hatte auch Johannes gesehen, denn er sagte: „Siehe, ER kommt mit den Wolken, und es werden IHN sehen alle Augen und alle, die IHN durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja. Amen“ (Offb.1,7).

Henoch hatte auch gesagt: „Siehe, der Herr kommt mit SEINEN vielen tausend Heiligen!“

Henoch erfuhr, dass, wenn der Herr erscheint, ER nicht allein kommen wird!

Mit IHM werden „viele tausend Heilige“ kommen, Menschen, die ER „aus allen Stämmen und Sprachen, allen „Völkern und Nationen“, herausgerufen und „mit SEINEM Blut erkauft hat“ (Offb.5,9).

ER kommt mit Menschen, die ER „geheiligt“ (Jh.17,19) und „zu Heiligen“ gemacht hat (Kol.3,12).

ER kommt mit Menschen, die ER „zu Königen und Priestern gemacht hat“.

ER kommt mit Menschen, die mit IHM „herrschen werden auf Erden“ (Offb.5,9-10).

Das war es, was Gott dem Henoch offenbart hat!

Henoch erfuhr aber auch, wie es den Gottlosen ergehen würde!

Gott, der gerechte Richter, würde jeden, der das Angebot SEINER Vergebung ablehnt hatte, richten, gemäß dem, was er getan hat!

ER würde alle Menschen für alle Werke ihres gottlosen Wandels“ bestrafen, „mit denen sie gottlos gewesen sind“.

ER würde Gericht halten „für all das Freche, das die gottlosen Sünder gegen IHN geredet haben“.

Hast du gewusst, dass schon zu Henochs Zeit der Jubelruf erschallte: „Siehe, der Herr kommt“?

Die Bibel lässt uns wissen, dass Henoch dreihundert Jahre lang mit Gott wandelte!

Was hat man einander noch zu sagen, wenn man sich dreihundert Jahre lang trifft und miteinander redet?

Jeder, der 60 Jahre lang die Bibel studiert hat, wird feststellen, dass er gerade angefangen hat, Gott zu erkennen!

Er wird feststellen, dass die Tiefen der Gottheit unergründlich sind und auch in dreihundert Jahren nicht zu erforschen sind!

Henoch wandelte dreihundert Jahre mit Gott!

Dann wurde er plötzlich nicht mehr gesehen!

Zweifellos wird ihn seine Familie vermisst und um ihn getrauert haben!

Aber Henoch hatte sein Erdendasein hinter sich gelassen und war an einen besseren Ort gegangen!

Wenn man bedenkt, dass viele seiner Zeitgenossen über 900 Jahre alt geworden sind, dann kann man sagen, dass Henoch auf 600 Jahre Erdenzeit verzichtet hatte!

Meinst du, dass er, nachdem er in den Himmel eingegangen war, auch nur einen einzigen Tag bedauert hat, den er auf der Erde hätte verbringen können?

Gibt es etwas Besseres, als bei dem Herrn zu sein „allezeit“? (1.Thess.4,17; Phil.2,23)

Gibt es etwas Schöneres, als Christus zu sehen und IHM gleich zu sein? (1.Jh.3,2)

Gibt es etwas Köstlicheres, als in SEINEM Frieden zu ruhen – frei von jedem eigenen Werk?

Gibt es etwas Größeres, als die Liebe Christi zu genießen – allezeit, ungehindert und uneingeschränkt?

Henoch wurde von Gott entrückt, bevor das Gericht der Sintflut über die Erde erging!

Und so wird es auch sein, wenn unser Herr kommt!

Für uns kommt ER nicht zum Gericht, sondern zum ewigen Heil (1.Thess.5,1-11).

Lasst uns mit unserem Herrn und Erlöser „wandeln“, bis die Posaune Gottes erschallt und ER uns entgegenkommt, um uns zu sich zu holen (1.Thess.4,16-18).

 
Feedback | Sitemap | Impressum