1. Vorbereitung und Erwartung
Während Matthäus, Markus und Lukas davon berichten, dass Jesus die beiden Brüder, Jakobus und Johannes, von ihren Fischerbooten weg, in SEINE Nachfolge berief, schilderte uns Johannes seine erste Begegnung mit Jesus, denn er schrieb: „Am nächsten Tag stand Johannes (der Täufer) abermals da und zwei seiner Jünger; und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm! Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach. Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen, und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu IHM: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo ist deine Herberge? Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen’s und blieben diesen Tag bei IHM. Es war aber um die zehnte Stunde“ (Jh.1,35-39).
Wir erfahren, dass Johannes ein Jünger des Täufers war, noch bevor uns gesagt wird, dass er ein Fischer war und im Geschäfte seines Vaters arbeitete.
Das aber bedeutet, dass Johannes, nachdem er von dem Täufer gehört hatte, sich aufgemacht hatte, um ihn persönlich kennenzulernen. Danach betrachtete er diesen Mann, dessen äußere Erscheinung so revolutionär anmutete und dessen Botschaft viele Menschen aufrüttelte, als seinen Lehrer. Er hatte erkannt, dass dieser Mann ein Gesandter Gottes war!
Seither war er, sooft er konnte, zu ihm geeilt, um zu hören, was der Täufers sagte und, um das „nahegekommene Reich der Himmel“ nicht zu verpassen (Mt.4,17 Elberfeld).
Johannes hatte auch gehört, dass der Täufer gesagt hatte: „Ich taufe euch mit Wasser, es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich die Riemen SEINER Schuhe löse“ (Lk.3,16).
Doch dann kam ein Tag, der alles veränderte!
2. Begegnung an einem denkwürdigen Tag
„Am nächsten Tag stand Johannes (der Täufer) abermals da und zwei seiner Jünger; und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“
Wenn wir dereinst zurückschauen werden, werden wir feststellen, dass der Tag, an dem wir in Jesu Christus „Gottes Lamm“ erkannt haben, der wichtigste Tag in unserem Leben war!
„Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach“.
Der Täufer hatte vor vielen Zuhörern bezeugt, dass Jesus Gottes Lamm ist, das die Sünde der Welt trägt! Viele hatten gehört, dass er gesagt hatte: „Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf IHM. Und ich kannte IHN nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf IHM bleiben, der ist’s, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn“ (Jh.1,29-33).
Aber zwei Männer fassten an diesem Tag den Entschluss, Jesus zu folgen, um IHN kennenzulernen!
„Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen, und sprach zu ihnen: Was sucht ihr?“
Ja, was suche ich? Bin ich damit zufrieden, dass mir ein anderer Mensch erklärt, wer Jesus in seinen Augen ist?
Genügt es mir, nur zu hören, dass Jesus die Sünde der Welt getragen hat, dass Gottes Geist auf IHM ruht und dass ER Gottes Sohn ist?
Oder will ich den persönlich kennenlernen, von dem solches gesagt wird?
Genügt es mir, „mit Wasser getauft zu sein“ oder will ich „einen Stärkeren“ kennenlernen, „der mit dem Heiligen Geist tauft“?
„… die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach!“
„Sie aber sprachen zu IHM: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo ist deine Herberge? Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen’s und blieben diesen Tag bei IHM. Es war aber um die zehnte Stunde.“
Von Jesus hören! Zu IHM kommen! Mit IHM sprechen! IHN sehen! Bei IHM bleiben!
Gib dich nicht mit dem zufrieden, was andere von Jesus gesehen haben! Verbringe Zeit mit IHM, damit ER dir SEINE Herrlichkeit offenbaren kann (2.Petr.1,16). Du sollst, wie Johannes, sagen können: „Ich habe SEINE Herrlichkeit selbst gesehen“ (Jh.1,14).
3. Berufung und Erwählung
Die Bibel berichtet uns, was danach geschah: „Als ER (Jesus) am Galiläischen Meer entlangging, … sah er Jakobus, den Sohn des Zepedäus, und Johannes, seinen Bruder, wie sie im Boot die Netze flickten. Und ER rief sie, und sie verließen ihren Vater Zepedäus im Boot mit den Tagelöhnern und folgten IHM nach“ (Mk.1,16-20).
Zepedäus war kein armer Mann! Er besaß ein Boot und beschäftigte Tagelöhner. Doch als Jesus dessen Söhne in SEINE Nachfolge berief, da gab es kein Zögern! Nichts erschien den jungen Männern wichtiger und erfüllender, als dem nachzufolgen, von dem alle Propheten geweissagt hatten und der Israel erlösen sollte!
Wie sehr müssen sich die beiden Fischer privilegiert und bevorzugt gefühlt haben, als Jesus sie schließlich in den engeren Kreis seiner Nachfolger berief, denn wir lesen: „Und ER ging auf einen Berg und rief zu sich, welche ER wollte, und die gingen hin zu IHM. Und ER setzte zwölf ein, die ER auch Apostel nannte, dass sie bei IHM sein sollten und dass ER sie aussendete zu predigen und dass sie Vollmacht hätten, die bösen Geister auszutreiben. Und ER setzte die Zwölf ein: Simon – ihm gab er den Namen Petrus – und Jakobus, den Sohn des Zepedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und gab ihnen den Namen Boanerges, das heißt: Donnersöhne“ (Mk.3,13-17).
Jesus hatte zwölf Männer erwählt, die ER Apostel nannte - Gesandte!
ER wollte sie aussenden, das Evangelium, die frohe Botschaft, zu verkünden!
ER wollte sie aussenden, um böse Geister auszutreiben!
Dafür wollte ER ihnen Vollmacht geben!
Doch bevor ER das tun würde, „sollten sie bei IHM sein!“
Sie sollten IHN kennenlernen!
Jesus wollte nicht nur, dass SEINE Jünger SEINE Botschaft hinaustragen! ER wollte, dass sie IHN repräsentieren – wo immer sie hinkämen, was sie tun würden!
4. Nachfolge und Begrenzungen
In der Folgezeit wurden Johannes, Jakobus und Petrus zu den engsten Vertrauten Jesu!
Sie waren dabei, als Jesus die Tochter des Jairus vom Tode auferweckte (Mk.5,37-43).
Sie waren mit IHM auf dem Berg, als Jesus vor ihren Augen verklärt wurde, SEIN Angesicht leuchtete wie die Sonne und SEINE Kleider weiß wurden wie das Licht. Sie sahen Mose und Elia mit Jesus reden und hörten eine Stimme, die sagte: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören“ (Mt.17,1-9).
Als Jesus im Garten Gethsemane beten wollte, nahm ER Petrus, Jakobus und Johannes mit sich und sagte zu ihnen: „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet“ (Mk.14,33-34).
Auch als der Herr davon sprach, was am Ende der Zeit geschehen wird, war Johannes anwesend (Mk.13,3-37).
Doch das alles lässt noch keine Rückschlüsse auf dessen Charakter und Gesinnung zu!
Wir hören nur, dass Jesus ihn und seinen Bruder „Donnersöhne“ nannte!
Warum der Herr ihnen diesen Beinahmen gab, macht der folgende Bericht deutlich: „Als dann aber die Zeit seines Hingangs herankam, richtete er fest entschlossen sein Augenmerk darauf, nach Jerusalem zu ziehen, und er sandte Boten vor sich her. Diese machten sich auf den Weg und kamen in ein Dorf der Samariter, um dort ein Unterkommen für ihn zu besorgen; doch man nahm ihn nicht auf, weil er die Absicht hatte, nach Jerusalem zu ziehen. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, fragten sie: Herr, willst du, dass wir aussprechen, es solle Feuer vom Himmel fallen und sie verzehren, wie auch Elia getan hat? (2.Kön 1,10.12.) Er aber wandte sich um und verwies es ihnen mit den Worten: Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Der Menschensohn ist nicht gekommen, um Menschenleben zu vernichten, sondern um sie zu retten“ (Lk.9,52-56 Menge).
Man stelle sich vor: Jesus war gekommen, „um Leben zu geben“ (Jh.10,10b), nicht, „um Leben zu vernichten“.
Doch das war es, was Jakobus und Johannes von IHM gefordert hatten!
Während Jesus gesandt worden war, „den Elenden gute Nachricht zu bringen, zerbrochene Herzen zu verbinden, Gefangenen die Freiheit zu verkündigen und den Trauernden Freudenöl statt Trauerkleidern zu geben“ (Jes.61,1-3; Lk.4,18), wollten zwei SEINER Jünger, dass ER Menschen mit Feuer verzehren sollte!
Die Antwort Jesu war deutlich: „Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?“
Wir können erkennen, warum Jesus den beiden Brüdern den Beinamen „Donnersöhne“ gegeben hatte. Jakobus und Johannes waren Hitzköpfe, die, ohne zu überlegen, ihren Emotionen freien Lauf ließen!
Gnadenlos wollten sie alle umbringen, die ihrem Meister eine Unterkunft verwehrt hatten!
Doch in Jesus wohnte eine andere Menschlichkeit! ER wurde von einem anderen Geist geleitet!
Jesus war kein Mann des Gesetzes, wie Elia es war! ER war ein Mann der Gnade und der Barmherzigkeit!
Konnte der, der von sich sage „ich bin sanftmütig“ (Mt.11,29), damit einverstanden sein, dass SEINE Schüler Zornausbrüche hatten und Rachegedanken hegten?
In den Herzen der beiden „Donnersöhne“ musste eine Veränderung geschehen!
Diese Tatsache lässt sich auch erkennen, wenn wir hören, was an einem anderen Tag geschah: „Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist. Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele“ (Mk.10,35-45).
„Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.“
Erneut können wir in Jakobus und Johannes die Wesensart der Sünde erkennen, die im Streben nach Überlegenheit und Macht ihren Ausdruck findet!
Konnte der, der von sich sagte: „Ich bin von Herzen demütig“ (Mt.11,29) tolerieren, dass SEINE Schüler nach Anerkennung strebten und sich selbst überheben wollten?
Wir erkennen, dass Johannes an seine Grenzen stieß, während er Jesus nachfolgte!
Das geschah auch, als er einen Mann trafen, der etwas „Unerhörtes“ getan hatte! Sofort eilten er zu Jesus und sagte: „Meister, wir sahen einen, der trieb Dämonen aus in DEINEM Namen; und wir wehrten ihm, denn er folgt DIR nicht nach mit uns. Und Jesus sprach zu ihnen: Wehrt ihm nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für uns“ (Lk.9,49-50).
Wie eng war das Herz des Johannes! Auch der, der anderen Menschen im Namen Jesu Gutes tat, wurde von ihm kritisch beäugt! Und zwar deshalb, weil dieser Mann nicht mit ihnen unterwegs war!
Dass im Herzen dieses Jüngers eine tiefgreifende Veränderung geschehen musste, beweist auch, was nach dem gemeinsamen Passamahl geschah!
Wir lesen: „Und er (Jesus) nahm das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird … Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch. Denn der Menschensohn geht zwar dahin, wie es beschlossen ist; doch weh dem Menschen, durch den er verraten wird! Und sie fingen an, untereinander zu fragen, wer es wohl wäre unter ihnen, der das tun würde. Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen als der Größte gelten solle“ (Lk.22,14-24).
Wir dürfen annehmen, dass auch Johannes bei diesem „Rangstreit“ beteiligt war!
Kann man das verstehen? Während Jesus davon sprach, dass ER SEINEN Leib und SEIN Blut für SEINE Jünger hingeben würde, dachten sie darüber nach, wer unter ihnen der Größte ist!
Während ER sie wissen ließ, dass es in ihrer Mitte einen Verräter gab, waren sie nicht entsetzt darüber, wozu das menschliche Herz fähig ist!
Nein! Sie führten einen Rangstreit und bewiesen damit, dass auch ihr Herz nicht rein war!
Konnte die Ungleichheit zwischen dem Meister und SEINEN Schülern noch deutlicher zutage treten?
Doch anstatt dass Jesus deshalb bekümmert war oder ärgerlich wurde, wird uns berichtet: „ER aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist’s nicht der, der zu Tisch sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Ihr aber seid’s, die ihr ausgeharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich zueignen, wie mir’s der Vater zugeeignet hat, dass ihr essen und trinken sollt an meinem Tisch in meinem Reich und sitzen auf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels“ (Lk.22,25-30).
Unfassbar! Anstatt dass Jesus den Ehrgeiz SEINER Jünger tadelte, erinnerte ER sie an das Beispiel, das ER ihnen gegeben hatte: ER, der Größte und Vornehmste unter ihnen, war wie ein Diener geworden!
Damit zeigte ER ihnen, wer in SEINEM Reich groß ist, nämlich der, der „wie ein Diener ist“!
Danach lobte ER sie dafür, dass sie bei IHM geblieben waren und bei IHM ausgeharrt hatten in SEINEN Anfechtungen!
Schließlich sprach ER über denen, die sich gerade noch als unwürdige Nachfolger erwiesen hatten, eine Verheißung aus, die sie bis in den Himmel erhob: Sie würden in SEINEM Königreich an SEINEM Tisch sitzen! Sie würden auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten!
Was gibt es Größeres als das?
Muss sich ein Mensch vor anderen profilieren, dem solches verheißen wurde?
Warum lobte der Herr SEINE Jünger in dieser Stunde, anstatt sie zu kritisieren?
Jesus wusste, welche Veränderung SEIN Tod und SEINE Auferstehung in den Herzen SEINER Jünger bewirken würde (1.Petr.1,3).
ER wusste, dass, wenn ER das Werk der Erlösung vollbracht haben würde, ER in SEINEN Jüngern leben und sie innerlich SEINEM Ebenbild gleichgestalten würde (Röm.8,29; 2.Kor.3,18). Dann würde ER in ihnen vollbringen (Phil.2,13), was ihnen jetzt unmöglich war!
5. Umwandlung und Gleichgestaltung
Wer „das Evangelium des Johannes“ liest, der wird feststellen, dass kein Verfasser genannt wird. Der Autor, der dieses Buch geschrieben hat, tat es mit folgender Absicht: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor SEINEN Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in SEINEM Namen“ (Jh.20,30-31).
Wenn wir bedenken, dass dies derselbe Mann war, der im kommenden Reich Christi neben dem König aller Könige und Herr aller Herren sitzen wollte, dann erkennen wir, dass im Herzen dieses Jüngers eine tiefgreifende Veränderung stattgefunden hatte!
Jetzt wollte er nicht einmal sein Werk mit seinem Namen krönen!
Er wollte alle Aufmerksamkeit nur auf Jesus gerichtet sehen! IHN allein wollte er groß machen – nicht sich selbst! Deshalb wollte er seinen Namen nicht nennen! ER nannte sich nur: „Der Jünger, den Jesus liebhatte“ (Jh.13,23; 19,26; 20,2; 21,20). Das genügte ihm!
Wenn wir den Brief lesen, den Johannes Jahre später schrieb, dann staunen wir erneut, denn hier ruft er uns allen zu: „Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe … Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm … Lasst uns lieben, denn ER hat uns zuerst geliebt“ (1.Jh.4,7-8.16.19).
Was das derselbe Mann, der einst Feuer auf eine Ortschaft fallen lassen wollte, um alle Einwohner zu töten?
Was war geschehen? Die Sanftmut und Demut Jesu Christi war zur Sanftmut und Demut des Johannes geworden! Das Leben Jesu Christi hatte in ihm eine Veränderung bewirkt!
Und das war es auch, was Johannes in seiner Biographie von Jesus immer wieder betonte!
Er schrieb: „In IHM war das Leben“ (Jh.1,4). „Damit alle, die an IHN glauben, das ewige Leben haben“ (Jh.3,16). Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen“ (Jh.3,36). „Das Wasser, das ich ihm zu trinken gebe, wird in ihm eine Quelle werden, der in das ewige Leben quillt“ (Jh.4,14). „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben … er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen“ (Jh.5,24). „Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet“ (Jh.39-40). „Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben … Ich bin das Brot des Lebens … Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit“ (Jh.6,33.35.51). „Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an IHN, das ewige Leben habe“ (Jh.6,40). „Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Jh.6,68). „Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen“ (Jh.10,10b). „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben“ (Jh.10,27-28). „Ich bin die Augerstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben“ (Jh,11,25-26). „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben … Ich lebe und ihr sollt auch leben. An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch“ (Jh.14,6.19-20). „Vater, … verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche; denn du hast IHM Macht gegeben über alle Menschen, damit ER das ewige Leben geben allen, die du IHM gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Jh17,2-3). „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor SEINEN Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in SEINEM Namen“ (Jh.20,30-31).
In seinem Brief schrieb Johannes: „Das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist“ (1.Jh.1,2). „Und das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in SEINEM Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat das Leben nicht. Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes … Wir sind in dem Wahrhaftigen, in SEINEM Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (1.Jh.5,11-12+20b).
Es ist offensichtlich, was in Johannes eine tiefgreifende Veränderung bewirkt hatte: das Leben Jesu Christi, das zu seinem Leben geworden war!
Daran lässt sich erkennen, dass das größere Werk nicht das ist, das Jesus Christus durch uns tut, sondern das, das ER in uns tut!
Johannes war ein Mensch wie du und ich! Er eiferte und begehrte, er hoffte und erwartete, er hatte Ambitionen und Wünsche!
Gleichzeitig konnte er – wie wir – aufbrausend sein, unbarmherzig und egozentrisch!
Aber dem Tag, an dem Johannes Jesus in dessen Herberge besucht hatte, waren weitere Tage gefolgt! Und jeden Tag konnte Johannes die Herrlichkeit Jesu sehen!
Johannes sah, dass Jesus nie ungeduldig oder unbeherrscht war, nie mürrisch oder ungerecht! Er erkannte, dass Jesus nicht seine eigene Ehre suchte, sondern stets die Ehre dessen, der IHN gesandt hatte (Jh.8,50).
Johannes sah das wahre Leben – das Leben, das aus Gott ist! Und er erkannte, dass Jesus gekommen war, damit er, Johannes, dieses Leben haben sollte – überfließend (Jh.10,10b).
Später schrieb er: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen habe mit unsren Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben vom Wort des Lebens und das Leben ist erscheinen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist“ (1.Jh.1,1-2).
Das „Wort des Lebens“ war für Johannes kein Buchstabe – es war eine Person, die bei Vater gewesen war und ihm erschienen ist!
Diese wunderbare Person hatte er gehört, gesehen, betrachtet und mit seinem Herzen berührt! Auch beim letzten Zusammensein, denn uns wird gesagt: „Es war aber einer unter SEINEN Jüngern, den Jesus liebhatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu“ (Jh.13,23).
Und das ist es, was in unsrem Leben Vorrang haben muss: Jesus Christus – das Wort des Lebens – hören! IHN betrachten, IHN im Geist berühren! Aus SEINER Füllen nehmen!
So – und nur so – geschieht wahre Veränderung!
Nur so, im Genuss der Liebe Jesu und „im Anschauen SEINER Herrlichkeit“ werden wir „verwandelt in dasselbe Bild“ (2.Kor.3,17).
Stunden, die wir mit Jesus verbringen, sind Stunden, die ewigen Wert besitzen, denn „IHN erkennen, ist das ewige Leben“ (Jh.17,3).
Sich Zeit nehmen, um „zu den Füßen Jesu zu sitzen und SEINER Rede zuzuhören“, ist „das Beste“, das uns ein Tag geben kann!
Was du hier erkennst und verinnerlichst, ist wahrer Gewinn, den „niemand von dir nehmen kann“ (Lk.10,38-42).
6. Der Dienst des Johannes
Was wird uns von Johannes weiter berichtet?
Als man seinen Herrn und Meister gekreuzigt hatte, war Johannes bei IHM! Er stand unter dem Kreuz und wurde von Jesus beauftragt, SEINE Mutter zu versorgen (Jh.19,25-27).
Johannes war es, der den Auferstandenen am See Tiberias zuerst erkannt und ausgerufen hatte: „Es ist der Herr!“ (Jh.21,7)
Und als Petrus von Jesus wissen wollte, welche Pläne ER mit Johannes hatte, antwortete ihm der Herr: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich kommen, was geht es dich an? Folge du mir nach!“ (Jh.21,20-22).
Danach erfahren wir, dass Johannes mit einem anderen Jünger zum Gebet ging (Apg.3,1).
Wir hören, dass er den auferstandenen Herrn und Christus mit Freimut bekannte (Apg.4,13).
Uns wird gesagt, dass er die Teilhabe anderer am Reich Gottes stärkte (Apg.8,14).
Wir lesen, dass er zu einer Säule im Gemeindeleben geworden war (Gal.2,9).
Johannes sorgte für eine Witwe, er betete, er bezeugte Christus, er segnete andere, er war standfest und belastbar!
Was noch? Nichts weiter! Johannes war ein Verborgener – einer, der an der Brust Jesu lag, in IHM zur Ruhe gekommen war und dessen Liebe genoss!
Johannes hat uns allen gedient, indem er Jesus erhöht hat (Jh.3,14-15; 12,32).
Er half uns, SEINE Herrlichkeit zu sehen (Jh.1,14).
Er half uns, zu glauben, dass das Leben, nach dem uns verlangt, in Christus ist (Jh.14,6; 1.Jh.5,11)
Er half uns, zu erkennen, dass das ewige Wort, das Fleisch geworden ist (Jh.1,14a), heute durch den Geist der Wahrheit in uns wohnt (Jh.14,16-20+23; 17,23+26; 20,22).
Er half uns, aus der Fülle Jesu Christi zu nehmen – Gnade um Gnade (Jh.1,16)
Er half uns, in der Liebe Jesu zu bleiben (Jh.15,9).
Noch heute hören wir ihn rufen: „Es ist der Herr!“, und wissen uns von Jesus eingeladen, „mit IHM das Mahl zu halten“ (Jh.21,7+12).
„Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme …“ Dieser Dienst, der Dienst des Lebens, der Dienst, der Jesu Christus groß macht und IHN erhöht, dieser Dienst wird bleiben und alles überdauern – bis unser Herr zurückkommen wird!
Johannes hatte „im Boot die Netze geflickt“, als Jesus ihn in SEINE Nachfolge berief (Mk.1,19). Und das war es, was Johannes auch Jahre später immer noch tat: Er band zusammen, was zerrissen war! Er fügte Herzen in Liebe zusammen, denn er schrieb: „Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben gekommen sind; denn wir lieben die Brüder. Wer nicht liebt, der bleibt im Tod … Ihr Lieben, lasst uns einander liebhaben, denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott … Und dies Gebot haben wir von IHM, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe“ (1.Jh.3,14; 4,7+21).
„Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme …“ Dieser Dienst, der „Netze flickt“ und Versöhnung bewirkt, wird nicht enden, bis wir gemeinsam vor Jesus stehen werden!
7. Belohnung
Im letzten Buch der Bibel wird uns berichtet, dass Johannes auf die Insel Patmos verbannt worden war – „um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus“ (Offb.1,10).
Tatsächlich aber war Johannes nur äußerlich ein Verbannter – in seinem Geist war er ein freier Mann, der in den Himmel steigen, in der Wüste eine Stadt besichtigen oder auf einen hohen Berg steigen konnte (Offb.1,10; 4,1-2; 17,3+18; 21,10).
Dann geschah Unvorstellbares: Jesus Christus öffnete den Himmel und ließ SEINEN Jünger Ereignisse sehen, die bis in die Ewigkeit reichen!
Johannes sah „einen Thron, von dem Blitze, Stimmen und Donner ausgingen“ (Offb.4,1-5).
Er sah das „Lamm Gottes, den Löwen von Juda“, im Zentrum des Geschehens stehen, das Lamm, „das geschlachtet und würdig ist, zu nehmen Kraft, Reichtum, Weisheit, Stärke, Ehre, Preis und Lob“ (Offb.5,6-12).
Johannes sah, wie die Gerichte Gottes über die Erde gingen und hörte einen Engel sagen: „Gerecht bist du, der du bist und der du warst, du Heiliger, dass du dieses Urteil gesprochen hast“ (Offb.16,5)
Er sah den Fall Babylons, „der Mutter der Hurerei und aller Gräuel auf Erden … durch deren Zauberei alle Völker verführt worden waren“ (Offb.17,5; 18,23).
Johannes sah, wie „das Tier“ und „der Drache“ gestürzt und „in den feurigen Pfuhl geworfen wurden“ (Offb.19,20; 20,10).
Er sah „die Hochzeit des Lamm“ und die geschmückt Braut (Offb.19,7-9).
Johannes sah „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (Offb.21,1)
Er sah „die heilige Stadt, das neue Jerusalem“ (Offb.21,2).
Zuletzt hörte Johannes „den Geist und die Braut“ rufen: „Wen da dürstet, der komme und trinke das Wasser des Lebens umsonst“ (Offb.22,17).
Was Jesus Christus einst im Leben eines Fischers getan hat, das kann ER auch in deinem und in meinem Leben tun! Warum? Weil in uns dasselbe Leben wohnt – das Leben Jesu Christi – auf dem Gottes Wohlgefallen ruht und das die Kraft besitzt, „alles neu zu machen“ (Offb.21,5).