„Drei sind mir zu wundersam, und vier verstehe ich nicht: des Adlers Weg am Himmel, der Schlange Weg auf dem Felsen, des Schiffes Weg mitten im Meer und des Mannes Weg bei der jungen Frau.“ Sprüche 30,18-19

Ein Adler, der hoch oben am Himmel seine Kreise zieht!

Eine Schlange, die sich auf einem Stein voranbewegt!

Ein Schiff, das auf hoher See einem fernen Zielort zustrebt!

Ein Mann, der eine junge Frau umschwärmt und für sich gewinnen will!

In welchem Zusammenhang stehen der Adler, die Schlange, das Schiff und der Mann, der sich zu einer jungen Frau hingezogen fühlt?

Während Jesus am Tag seiner Auferstehung zwei Jünger nach Emmaus begleitete, öffnete er ihnen die Schrift, indem er ihnen zeigte, „was darin von IHM gesagt war“ (Lk.24,27).

Wenn wir also die Schrift verstehen wollen, müssen wir Jesus Christus darin erkennen! Solange wir das nicht tun, bleibt ein Schleier über dem Alten Testament – der, wie Paulus den Korinthern schrieb, „nur in Christus abgetan wird“ (2.Kor.3,14).

 

Wie wundersam: Der Weg des Adlers am Himmel!

Vier Evangelien, vier Biografien von Jesus: Matthäus sah in ihm den König – den Löwen von Juda! Bei Markus lernen wir ihn als den Diener kennen, den Sklaven, der kam, um sein Leben zu geben – hier ist Jesus der Stier, der unermüdlich dient! Lukas will uns den Menschensohn vorstellen. Wer aber ist Jesus in den Augen des Johannes? Er beschrieb ihn als den Sohn Gottes, der von oben kam, um uns den Vater zu offenbaren und der danach wieder zu ihm zurückkehrte. Hier ist Jesus der Adler!

Wer von uns hätte den Himmel kennengelernt, wenn ihn Jesus nicht zu uns gebracht hätte? Johannes der Täufer sagte: „Wer von oben her kommt, ist über allen. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über allen und bezeugt, was er gesehen und gehört hat“ (Joh.3,31-32). Weiter lesen wir: „Niemand hat Gott je gesehen, der eingeborene Sohn, der Gott ist und in des Vaters Schoß, der hat ihn uns verkündigt“ (Jh.1,18).

Der Adler des Universums wollte am Himmel nicht einsam seine Kreise ziehen! Nein! Er hatte ein Ziel im Auge! Er war auf dem Weg zu uns! Es war seine Absicht, uns alles zu bringen, was er in der innigen Gemeinschaft mit seinem Vater gesehen, gehört und empfangen hatte! IHN wollte er uns offenbaren! Wir sollten den Vater kennen und lieben lernen! Wir sollten erfahren, wie sehr er uns liebt, nämlich genau so, wie er seinen erstgeborenen Sohn liebt (Jh.17,26).

Jesus wollte uns wissen lassen, dass der Vater, wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn beschrieben, täglich „vor der Tür steht“ und auf jeden einzelnen von uns wartet – voller Sehnsucht. Wir sollten erfahren, wie gern er vergibt! Wir sollten erkennen, dass er uns in seine Arme schließen, an sein Herz drücken und uns küssen will. Dass er uns alles wiedergeben will, was wir durch die Sünde verloren haben!

Der Adler, der von oben gekommen war, hat uns dorthin gebracht, woher er kam, denn in ihm wurden wir in das Himmlische versetzt – ins Reich des Sohnes der Liebe Gottes (Kol.1,13). Während Jünglinge müde und matt werden, straucheln und fallen, können wir, die Erlösten Jesu Christi, auffahren und laufen, ohne matt zu werden, wandeln, ohne zu ermüden. Wieso? Weil wir mit dem Adler des Universums eins werden und in himmlische Höhen auffahren können (Jes.40,29-31).

Wie aber wurde das möglich? Wie konnten wir verlorenen Sünder zu Kindern Gottes werden? Wie können wir heute – im Geist – dort sein, wo Jesus ist – in den Himmeln niedergesetzt, in der Gegenwart eines heiligen und gerechten Gottes?!

Dafür musste Jesus zur „Schlange auf dem Felsen“ werden!

 

Wie wundersam: Der Weg der Schlang auf dem Felsen!

Der Herrliche, Wunderbare und Vollkommene, der Gott gleich ist und im Schoß des Vaters war – er legte alles Hohe und Erhabene ab. Er entäußerte und erniedrigte sich selbst, zog Knechtsgestalt an und wurde uns Menschen gleich (Phil.2,6-8), um mit uns zu teilen, was auch wir erfahren: Entbehrung, Hunger, Einsamkeit, Ablehnung, Verrat, Ungerechtigkeit, Spott, Schläge und bitteres Leid. Schließlich war er sogar bereit, einen ehrlosen Tod am Kreuz zu sterben!

Als der Heilige und Gerechte dort hing, legte Gott alles auf ihn, was wir verschuldet haben. Jesus trug unsere Missetaten, unsere Verfehlungen! Er wurde wegen unserer Untreue und Abtrünnigkeit gestraft und gemartert (Jes.53,4-5). Jesus nahm unseren Platz ein! Das todbringende Gift des Teufels, der alten Schlange, hatte uns infiziert und krank gemacht. Otterngift befand sich unter unseren Lippen (Röm.3,13). Wir alle waren zu Schlangen geworden (Mt.23,33).

Deshalb war der Adler des Himmel, als er am Passafest in Jerusalem auf dem Felsen Golgatha landete, zur „ehernen Schlange“ geworden (Jh.3,14; 4.Mose 21,8-9).

Als Jesus am Kreuz hing, von unseren Krankheiten entstellt, verbargen die Zuschauer ihr Angesicht (Jes.52,14). Der Schönste unter den Menschenkindern war kein Mensch mehr – er war nur noch ein „Wurm“ auf einem Stein (Ps.45,2; 22,7) – ehrlos, verachtet und nichtswürdig (Jes.53,3).

Gottes Gericht lag auf IHM, auf dem, der von keiner Sünde wusste. Im Leib des Gerechten strafte und richtete Gott unsere Ungerechtigkeiten. IHM, dem starken Helden lud er unsere Krankheiten und Schmerzen auf – damit wir geheilt werden konnten. Der Fürst des Lebens schmeckte für uns alle den Tod (Hebr.2,9), damit wir ewiges Leben ererben können! Er wurde einsam und verlassen, damit wir ewige Aufnahme finden! Er wurde arm, um uns reich zu machen (2.Kor.8,9). Er, der Gesalbte, war um unsertwillen zum Fluch geworden, damit wir Gottes Segnungen empfangen können (Lk.4,18; Gal.3,13-14).

Jesus war zu unserer Sünde geworden, damit wir „in IHM die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt“ (2.Kor.5,21).

Im Leib Jesu richtete Gott auch die Natur der Sünde, die uns beherrscht und geknechtet hat (Röm.8,3). Jeder, der nun auf IHN blickt, auf die erhöhte Schlange, empfängt ewiges Leben (Jh.3,14), Leben aus Gott, das heiligt und gerecht macht, Leben, das stark genug ist, jede Macht der Sünde zu brechen.

 

Wie wundersam: Der Weg des Schiffes mitten im Meer!

Eine Nation, die keinen Handel betreibt und nicht mit lebenswichtigen Gütern versorgt wird, kann nicht gedeihen. Will sie wirtschaftlich stark und gesellschaftlich gesund sein, muss der Warenverkehr florieren. Deshalb waren zu allen Zeiten Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs, um die Menschen zu versorgen.

Auch unser himmlischer Vater weiß, was wir brauchen! Er sorgt für uns – täglich! Christus ist nicht nur für uns gestorben! Er ist auch unser Versorger! Wie ein voll beladenes „Kaufmannsschiff“ ist er unermüdlich unterwegs, um uns das zu bringen, was wir benötigen. Deshalb schrieb Paulus den Philipper: „Mein Gott aber wird all eurem Mangel abhelfen, nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus“ (Phil.4,19).

Unser Herr und Retter findet uns – immer – auch in der unendlichen Weite des Weltenmeeres! Er erreicht uns – pünktlich – nach seinem Zeitplan! Nichts kann ihn aufhalten – kein Sturm, keine Flaute, keine Untiefen. Auch alle „Seeräuber“ sind ihm untertan (Mt.28,18).

Kannst du ermessen, wie groß und umfassend der Reichtum deines himmlischen Vaters ist? Was wird er uns vorenthalten, was nicht geben wollen, wenn er „auch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat?“ Wie, so fragte der Apostel Paulus, sollte Gott uns mit IHM nicht alles schenken? (Röm.8,32) Welchen Segen sollten wir vermissen müssen, wenn wir, wie die Schrift sagt, in Christus gesegnet wurden – mit jedem geistlichen und himmlischen Segen? (Eph.1,3)

Wird der, der die Vögel unter dem Himmel ernährt und die Lilien auf dem Feld kleidet, nicht auch für deinen täglichen Bedarf sorgen? Hat Jesus nicht gesagt: „Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft … sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen“ (Mt.6,25-34). Und auch Petrus schrieb: „Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch“ (1.Petr.5,7).

Was aber, wenn ein Schiff nach langer beschwerlicher Überfahrt in einem Hafen anlandet und der Kapitän feststellen muss, dass es für seine kostbare Ladung keine Interessenten, keine Abnehmer gibt? So muss unser Gott empfunden haben, als er durch den Propheten Jesaja sagte: „Warum kam ich, und niemand war da? (Jes.50,2)

Wenn also das reich beladene „Schiff“ der Gnade Gottes heute unterwegs ist, um dich mit „Gutem“ zu sättigen und mit „Köstlichem“ zu laben (Jes.55,2), dann sollst du dein Herz nicht verschließen. Solange es „heute“ heißt, lädt Gott dich ein, an Christus Anteil zu haben (Hebr.3,12-19). Beklage also nicht deine eigene Armut und Unzulänglichkeit. Betrachte auch nicht dein Versagen, sondern hebe deine Augen auf, wende dich Jesus zu (Hebr.12,1-2) und lass ihn in deinem Herzen „anlanden“, damit er dir geben kann, was du gerade jetzt brauchst! Sei ein Glaubender – ein Empfänger!

Erkenne und erfahre, dass du durch Christus „in allen Stücken reich gemacht wurdest“ (Kol.2,9-10; 1.Kor.1,5-7).


Wie wundersam: Der Weg des Mannes bei der jungen Frau!

Wenn sich im Leben eines Menschen der Wunsch nach Zweisamkeit und einem liebenden Gegenüber regt, dann deshalb, weil Gottes Aussage: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (1.Mose 2,18), auch dessen eigene Sehnsucht widerspiegelt. Während unser himmlischer Vater ein Vater vieler Kinder sein will, sehnt sich sein Sohn nach einem Gegenüber, einer Braut, mit der er in vollkommener Liebe eins sein kann.

Doch wie gewinnt Christus eine Braut für sich, die ihm entspricht? Auf welchem Weg gelangt er, der Mann, zu seiner „jungen Frau“, von der Paulus redete, als er an die Korinther schrieb: „Ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte“ (2.Kor.11,2)?

Welch großes, unfassbares Geheimnis: Christus und seine Gemeinde – die Braut. Um sie zu gewinnen, hat er, der reiche Königssohn, der Wunderbare und Herrliche, alles verlassen, alles hingegeben (Eph.5,25+31-32).

Wie aber gewinnt Christus unser Herz? Wie schafft er es, in uns die Flamme der Liebe zu entfachen?

Das Hohelied der Liebe – die romantische Liebesgeschichte der Bibel –, beginnt mit den Worten: „Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn deine Liebe ist lieblicher als Wein … dein Name ist eine ausgegossene Salbe, darum lieben dich die Mädchen. Zieh mich dir nach, so wollen wir laufen. Der König führte mich in seine Kammer. Wir wollen uns freuen und fröhlich sein über dich; wir preisen deine Liebe mehr als den Wein“ (HL 1,1-4).

Tag für Tag erweist uns Christus seine Liebe. Er küsst uns und zieht uns zu sich. Er führt uns und offenbart uns, wie sehr er sich darüber freut, uns gefunden zu haben (Lk.15,5-6+9+24). Sein Name – der Name Jesu Christi – ist ein kostbares Salböl, das in unser Herz strömt und ein Wohlgeruch für unser Leben ist. Darum lieben wir IHN! So bleiben wir „jungfräulich“!

Doch genau so, wie die Freundin damals, können wir es nicht fassen, wenn wir hören, dass uns der wunderbare Sohn des Höchsten liebt! Wie kann das sein? Wer sind wir denn, dass er uns überhaupt beachtet? Was ist denn Besonderes an uns? Was könnte uns in seinen Augen empfehlen? Nichts!

Deshalb sagen wir: Schau mich nicht an! Ich bin schwarz, von der Sonne verbrannt (HL 1,5-6). Überall, wohin ich hinkomme, beurteilt man mich nach dem, was ich zu leisten vermag! Man sieht nur das, was vor Augen ist! Niemand kennt mein Herz! Niemand weiß, wonach ich mich sehne!

Was aber sagt unser Bräutigam? Er ruft uns zu: „Siehe, meine Freundin, du bist schön; schön bist du … Du bist wunderbar schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir. Komm zu mir, meine Braut“ (HL 1,15; 4,7-8).

Wieso beurteilt uns Christus so völlig anders, als wir uns selbst beurteilen? Was sieht er an uns, was wir nicht sehen?

Um mit uns eins werden zu können, war er, der Fürst des Lebens, bereit, sein Leben zu lassen und in den Tod zu gehen! Er hat gesühnt! Er hat auf sich genommen! Er hat hinweggetragen! Er hat in seinem Tod begraben – alles Alte, alles Vorige, alles Unwerte! Er hat gereinigt! Er hat geheiligt. Er hat alles neu gemacht – unseren Geist, unser Herz, unser ganzes Leben (Hes.36,26-27; 2.Kor.5,17).

Und so steht seine Braut nun vor ihm, so sieht er sie: Sie ist „herrlich, heilig und untadelig – ohne „Flecken oder Runzeln“ (Eph.5,25-27).

„Sage mir an, du, den meine Seele liebt, wo du weidest, wo du ruhst am Mittag, damit ich nicht herumlaufen muss bei den Gesellen“ (HL 1,7).

Auch dafür, dass wir nicht täglich in der Hektik unseres Alltags verloren gehen, hat unser Bräutigam wunderbare Vorsorge getroffen: Er selbst hat in uns Wohnung gemacht (Jh.14,23; Gal.2,20).

Das Wissen, dass Christus in uns lebt, ist fundamental wichtig, denn Jesus sagte: „Ihr sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch“ (Jh.14,19-20).

Daher sollte kein Tag vergehen, an dem wir nicht diese wunderbare Wahrheit erkennen und innehalten, um unserem Bräutigam dafür zu danken (Lk.17,15-16).

Der, „der in uns ist, ist größer als der, der in der Welt ist“ und dort sein Unwesen treibt (1.Jh.4,4). Auch im Dickicht widerstrebender Gedanken oder Stimmungen werden wir so nicht verloren gehen. Immer wissen wir, wo der, „den unsere Seele liebt, weidet und ruht“. So müssen wir zu keiner Zeit „herumlaufen“ und IHN suchen (HL 3,1-2), weil er ja in unserem wiedergeborenen Geist lebt, wohnt und ruht!

„Unter seinem Schatten zu sitzen, begehre ich … Er führt mich in den Weinkeller, und die Liebe ist sein Zeichen über mir … Er erquickt mich … und labt mich … Seine Linke liegt unter meinem Haupte, und seine Rechte herzt mich … Da ist die Stimme meines Freundes. Siehe, er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel … Mein Freund antwortet und spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her … Lass mich hören deine Stimme; denn deine Stimme ist süß, und deine Gestalt ist lieblich … mein Freund ist mein und ich bin sein“ (HL 2,3-6-8+10+14+16).

Da ist die Stimme meines Freundes, der anklopft: Tu mir auf, liebe Freundin“ (HL 5,2).

Unfassbar auch, wie sanft und liebevoll unser Bräutigam mit uns umgeht! Er schreit uns nicht an, er zwingt uns nichts auf, er stößt uns nicht zurück, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Er fordert auch nichts von uns, weil er bereits alles vollbracht hat! Er klopft an! Er bittet! Er lädt ein! Er bietet an! Und immer ruft er uns zu: „Komm her!“ Komm zu mir! „Iss und trink und werde trunken vor Liebe“ (HL 5,1b).

Sei dir täglich der Tatsache bewusst, dass du in eine wunderbare Liebesgeschichte hineingewoben wurdest! Du bist Teil der Braut Christi! Du gehst einem Hochzeitsfest entgegen! Erwarte deinen Bräutigam täglich (Mt.22,2-4; 25,6-7+10).

„Der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche Komm! … Ja, komm, Herr Jesus! (Offb.22,17+20).

 
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