Warum das alles?

"Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre ..." Psalm 3,4

 

Der Mann, der sein Haus überstürzt verlässt und sich wie ein Dieb davonschleicht, ist im fortgeschrittenen Alter. Er weiß, dass sein Leben in höchster Gefahr ist. Wenn ihn die Verfolger finden, die ausgeschickt wurden, um ihn zu ergreifen, erwarten ihn Schmach und Schande.  Dabei ist er nicht irgendwer - er ist der gesalbte König des Landes, der langjährige Herrscher seines Volkes.

Was ihn bei seiner Flucht besonders bekümmert ist die Tatsache, dass der, der ihn aus seinem Haus jagt und ihm nach dem Leben trachtet, sein eigener Sohn ist. In seinem maßlosen Ergeiz greift er nach dem Thron. Um seinem Vater die Regentschaft zu entreißen, hat er unermüdlich intrigiert, mit Schmeicheleien und Versprechungen um die Gunst des Volkes gebuhlt. Nun ist sein Ziel in greifbare Nähe gerückt.

Es ist David, der sich auf der Flucht vor seinem Sohn Absalom befindet. Er macht eine Erfahrung, die für einen Vater überaus schmerzlich ist, denn er muss erleben, wie sein eigen Fleisch und Blut gegen ihn aufbegehrt. An einem einzigen Tag wird ihm entrissen, was ihm bisher lieb und teuer war. Auch seine Ruhe, die Beschaulichkeit des Alters, ist mit einem Mal dahin. So wie damals schon, vor Jahren, als er vor Saul fliehen musste, wird ihm nun erneut alles genommen. Nur sein Vertrauen in Gott kann ihm keiner rauben - sein Glaube ist stark und unerschütterlich.

 

Ein Lied, das David in dieser Stunde dichtete, ist uns überliefert. Es ist der dritte Psalm, ein Gebet, das uns in großer Bedrängnis trösten und ermutigen soll.

"Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Absalom floh. Ach HERR, wie sind meiner Feinde so viel und erheben sich so viele gegen mich! Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott. Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor. Ich rufe mit meiner Stimme zum HERRN, so erhört er mich von seinem heiligen Berge. Ich liege und schlafe und erwache; denn der HERR hält mich. Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden, die sich ringsum wider mich legen. Auf, HERR, und hilf mir, mein Gott! Denn du schlägst alle meine Feinde auf die Backe und zerschmetterst der Gottlosen Zähne. Bei dem HERRN findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk!"

 

Fragen, auf die du keine Antwort findest? Finanzielle Sorgen? Eine Krankheit, die dich niederdrückt oder Traurigkeit über dein eigenes Versagen? Egal, wie groß die Schar derer ist, die sich dir entgegenstellt - dein Schild ist der Herr! Er umgibt dich und schützt dich von allen Seiten. Auch um dein Ansehen brauchst du nicht besorgt zu sein, denn der Herr ist deine Ehre. Er hebt dein Haupt empor. Deine Stimme soll jetzt nicht verstummen - rufe zum Herrn und lass ihn dein Flehen hören. Dabei darfst du sicher sein, dass deine Gebete vor dem Thron des Höchsten nicht verhallen, sondern Erhörung bei ihm finden. Ihm liegt an dir! Auch das Wissen, dass dein Herr und Retter deine gegenwärtige Situation kennt, soll dich trösten und dein Haupt erheben. Er kann dein Geschick wenden. Was für dich jedoch das Beste ist, weiß er allein. Vertraue ihm und wisse, dass sein Wille gut und sein Werk, das er in dir tut, vollkommen ist.

Dieser Glaube wird dir innere Ruhe schenken und dich tiefen Frieden erfahren lassen, so dass du ruhig schlafen kannst, denn der Herr hält dich. Deshalb kannst auch du bekennen, was einst David in schier auswegloser Lage bezeugte: "Ich fürchte mich nicht vor viel Tausenden, die sich ringsum wider mich legen."

Und solltest du dich fragen, warum gerade du dieses oder jenes erleben musst, dann erinnere dich der Geschichte Davids. Gott ließ zu, dass er, der Gesalbte des Herrn, sogar noch im hohen Alter aus seiner geruhsamen Idylle herausgerissen wurde. Damit nicht genug, wurden ihm auch die Regentschaft und seine Königswürde genommen. Sogar die Enttäuschung und der tiefe Schmerz über die Rebellion seines eigenen Sohnes blieben ihm nicht erspart. Und warum das alles?

 

Gott, unser Vater, will, dass wir ihn kennen lernen und uns allein an ihm festhalten. Wie aber wollen wir erfahren, dass er unser Schild ist, wenn wir niemals bedrängt und attackiert werden? Kann ein Mensch, der hier und heute bereits mit Ehrungen überschüttet wird, Gott als seine Ehre erfahren? Auch den Gott der Auferstehung wird man nur erleben, wenn man die Stricke des Todes kennen gelernt hat. Und der Gott allen Trostes wird dich nur trösten können, wenn du trostbedürftig bist. Ebenso wird sich niemand nach der Erneuerung seines Herzens sehnen, er habe denn zuvor in die Abgründe seines sündhaften Wesens geblickt.

 

Unser himmlischer Vater lässt zu, dass wir in Bedrängnis geraten - damit wir uns ihm zuwenden und allein in ihm unseren Halt haben. Er erlaubt auch, dass wir beraubt werden und uns nackt und bloß fühlen - damit wir erkennen, dass allein er unser ewiger Gewinn ist. Und wer in dieser Welt zur Ruhe kommen will, den wird der Herr, weil er ihn liebt, schlaflose Nächte erleben lassen - bis er in Gott wahren Frieden findet. So wird sich auch kein Mensch nach der Fülle Christi sehnen und sie ergreifen wollen, bevor er nicht seinen eigenen Mangel erkannt hat. Auch unser Vertrauen in die eigene Stärke wird der Herr erschüttern - immer und immer wieder, bis wir in der Tiefe unseres Seins davon überzeugt sind, dass wir, wie Reben am Weinstock, getrennt von ihm, keine bleibende Frucht bringen können.

 

Bei dem Herrn findest du Hilfe! Dann aber, wenn dich sein Segen erreicht und gestärkt hat, denke auch an Gottes Volk. Bete, dass die Gläubigen die tröstende Gegenwart des auferstandenen Christus erfahren und erkennen, dass er sie nicht nur von allen Seiten umgibt, sondern dass er sogar in ihnen ein Schild ist - ein Bollwerk der Liebe Gottes - das keine Macht des Feindes durchdringen kann. Deshalb sagt sein Wort: "Der in euch ist, ist größer als der, der in der Welt ist."

 

Der, der heute in dir lebt, dein Herr Jesus Christus, ist dein Schild und deine Ehre. Sein Segen ruht auf seinem Volk!

 

2.Sam.15-16,14; Ps.139,5.3; Röm.8,28; Ps.116,3-8; 2,Kor.1,3-5.8-10; Jh.15,5; Eph.1,15-17; 3,14-21; Röm.8,38-39; 1.Jh.4,4

 
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